Vier Jahre Haft für Raub: Drogenabhängiges Paar in Wohnung überfallen

Kassel. Nun ist das komplette Quintett verurteilt: Wegen schweren Raubs im minder schweren Fall hat das Landgericht am Montag eine vierjährige Haftstrafe gegen einen 26-Jährigen Kasseler verhängt.

Der Mann hatte gestanden, im September 2011 gemeinsam mit vier weiteren Kasselern ein drogenabhängiges Paar in dessen Wohnung überfallen zu haben

Die vier anderen - ebenfalls geständigen Täter - waren bereits im Januar zu Jugend-, Haft- und Bewährungsstrafen verurteilt worden. Das Verfahren gegen den 26-Jährige wurde damals abgetrennt, weil er kurz vor dem Termin erkrankt war. Jetzt verhängte das Gericht gegen ihn die längste Strafe.

„Wir wollen nicht sagen: Sie waren der Anführer dieser Gruppe“, erklärte Richter, Jürgen Dreyer dazu. Doch anders als die vier anderen sei der 26-Jährige von der Planung bis zur Ausführung an allen Phasen der Tat beteiligt gewesen. Zudem habe er im September unter Bewährung gestanden.

Die Entscheidung für den minder schweren Fall sei knapp gewesen, betonte Dreyer. Den Ausschlag habe gegeben, dass der junge Mann sich selbst der Polizei gestellt und gestanden hatte, als die anderen vier gefasste waren.

„Ich brauchte halt Geld“, sagte der 26-Jährige über sein Motiv - um Drogen zu kaufen. Cannabis und Kokain habe er damals konsumiert. Cannabis konsumiere er schon seit dem zwölften Lebensjahr. Der Stiefvater sei in Drogendeals verwickelt gewesen, der Vater, den er erst im Knast richtig kennengelernt habe, sei drogenabhängig.

Gemeinsam mit seinem - bereits in dieser Sache verurteilten - besten Freund habe er im September überlegt, von wem Geld zu holen wäre. Der Tipp, den vermeintlichen Dealer an der Weserspitze zu überfallen, kam dann von einem weiteren Mittäter. Geld und Drogen habe man erbeuten wollen.

Für das Waffenarsenal, das ein 18-jähriger Mittäter für die Aktion anschleppte, will der 26-Jährige nicht zuständig gewesen sein. Er habe nur gefragt, ob der Jüngere ein Brecheisen mitbringen könne. Der konnte - und hatte an jenem Abend auch noch zwei Schreckschusspistolen und einen Teleskopschlagstock im Gepäck.

Der 26-Jährige übernahm das Brecheisen - bekam vor Ort jedoch die Tür damit nicht auf. Er habe sie dann eingetreten, sagte er. Er gab auch zu, „Geld und Material“ gefordert und die Wohnung durchsucht zu haben. Einen drohenden leichten Schlag gegen das Knie will er dem vermeintlichen Dealer aber nicht verpasst haben.

„30 Euro und zwei Handys, von dem eines kaputt und das andere uralt ist“ - so fasste der Richter die Beute zusammen. Der 26-Jährige hatte gestanden, auch 3,4 Gramm Heroin mitgenommen zu haben. Er habe es verkaufen wollen. Ohne Erfolg. Dann habe seine Mutter es entdeckt - es sei im Mülle gelandet.

Von Katja Schmidt

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