Fische können Herpes bekommen und andere Tiere anstecken

Virus bedroht Koi-Karpfen - Veterinäramt warnt Teichbesitzer

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Kussmaul im Gartenteich: Unser Archivfoto zeigt gesunde Kois, die sich auf ihr Futter freuen. Kranke Tiere bewegen sich kaum noch, weil sie unter Atemnot leiden.

Kassel. Zunächst war es nur ein Gerücht. Kann es denn wirklich sein, dass in Kassel eine Fischseuche grassiert? Und wen betrifft das überhaupt?

In der Tat hat es Krankheitsfälle gegeben, bestätigt Dr. Heiko Purkl, der Leiter der Abteilung Tierseuchenbekämpfung bei der Stadt Kassel. Konkret handele es sich dabei um das Koi-Herpesvirus. 

Wie der Name schon sagt, befällt dieses Virus Koi-Karpfen, die als Zierfische zum Beispiel in Gartenteichen gehalten werden. Ähnlich wie beim Menschen schlummert das Herpesvirus oft unbemerkt im Körper und kann zum Beispiel durch Stress Krankheitssymptome auslösen.

Heiko Purkl

So war das auch, als sich vor Kurzem ein Kasseler Koi-Halter meldete. Die Besitzer sind verpflichtet, das Veterinäramt zu informieren, wenn es Verdachtsfälle gibt. Heiko Purkl hat sich den Teich mit den Fischen angesehen. Alle Voraussetzungen dafür, dass die Tiere artgerecht leben können, seien gegeben gewesen. Trotzdem seien einige der Kois nahezu regungslos in der Nähe des Wasserzuflusses rumgedümpelt. Das ist ein Warnsignal, denn die Tiere freuen sich normalerweise, wenn sie ihren Halter wahrnehmen und flüchten, wenn sich ein Fremder dem Teich nähert. Durch das Herpesvirus gibt es unter anderem Entzündungen an den Kiemen. Die Tiere leiden unter Atemnot und vermeiden jede Anstrengung.

Untersuchungen im Labor haben den Verdacht bestätigt: Es war das Koi-Herpesvirus. Auslöser der Erkrankung könnte die Hitze Ende August gewsen sein. Erfahrungsgemäß sterben mindestens 80 Prozent der Fische in einem Teich. Infiziert ist der gesamte Bestand. Der finanzielle Schaden kann mehrere Tausend Euro betragen. Für besonders schöne und seltene Tiere zahlen Liebhaber noch deutlich höhere Summen.

Für Menschen ungefährlich

Die Übertragung des Virus findet in erster Linie von Fisch zu Fisch statt. Ob ein Tier beim Kauf infiziert ist, kann man oft nicht erkennen. „Unseriöse Züchter halten die Fische bei Temperaturen über 28 Grad“, sagt Heiko Purkl. Bei derart hohen Temperaturen breche das Virus nur ganz selten aus. Das geschehe dann erst im heimischen Teich, der kühler ist. Für Menschen ist das Virus ungefährlich.

Nach dem in Kassel aufgetretenen Fall gibt es Empfehlungen für Vorsichtsmaßnahmen. Eine akute Ansteckungsgefahr bestehe nicht. Graureiher und Stockenten könnten aber zum Beispiel durch Wassertropfen im Gefieder das Virus verbreiten. Wer einen Fischteich hat, kann ihn mit einem Netz schützen. Neu erworbene Fische sollten vorsichtshalber vier Wochen in Quarantäne gehalten werden.

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