Volles Rohr Energiesparen

Postberg +Co. GmbH senkt Druckluftverbrauch und baut die Messtechnik selbst

Die Kalibrieranlage, genannt die Orgel: Durch diese Rohre wird Druckluft gejagt, die blauen Kästen sind Messgeräte. Mit ihnen stellt Postberg die Produkte für den Kunden ein. Unser Foto zeigt von links Peter Otto, Thomas Janik und Dr. Christian Postberg. Foto: Koch

Kassel. Die Referenzliste der Kasseler Postberg + Co. GmbH liest sich wie das Who’s who der heimischen Industrie: B.Braun, Viessmann, Hübner, Bode, Technoform, Wegu Daimler, Volkswagen und so weiter.

Wo immer in industriellen Prozessen Druckluft benötigt wird, sind die Kasseler Spezialisten nicht weit.

Sie fahnden nach Leckagen, analysieren mit selbst entwickelter und produzierter Messtechnik präzise Druckluftströme und kommen so auch der Verschwendung auf die Spur, die vielfach durch überdimensionierte Kompressoren und Leitungen oder falsche, häufig zufällige Auslegungen der Gesamtanlagen entsteht. Kurzum: Sie optimieren den Druckluftverbrauch und senken damit die Energiekosten. Denn die Druckluftherstellung gehört zu den Top 3 der Energiefresser in der deutschen Industrie. Druckluft kann bis zu 40-mal teurer sein als Strom.

Im Werk des Bahntechnikherstellers und Autozulieferers Hübner in Bettenhausen führte die Postberg-Analyse nach Angaben von Mitgeschäftsführer Peter Otto zu jährlichen Kosteneinsparungen von 40.000 Euro. Dort seien früher sieben Kompressoren gelaufen, ein achter sei in Planung gewesen. „Heute sind es nur noch zwei“, sagt der Diplomingenieur. Hinzu kommt, dass die bei der Druckluftproduktion entstehende Abwärme im Fertigungsprozess eingesetzt und nicht ungenutzt verpufft und so CO2 eingespart wird.

Das generelle Problem bei Druckluft ist laut Geschäftsführer Dr. Christian Postberg, dass sie schwer zu messen und zu berechnen sei. „Keiner weiß so richtig, wie viel gebraucht wird und was sie kostet“, erklärt der promovierte Ökonom.

Der Clou an der patentierten Messtechnik, die die Kasseler konstruieren, Manufaktur-artig fertigen, kalibrieren und mithilfe international tätiger Partner weltweit vertreiben, ist, dass sie im laufenden Betrieb eingebaut wird. Das heißt: Die Anlage muss nicht abgeschaltet, der Druck nicht abgelassen werden, wodurch Produktionsausfälle und hohe Kosten vermieden werden.

Die Geschäfte laufen gut. Das 15-Mann-Unternehmen legt beim Umsatz jährlich um durchschnittlich zehn Prozent zu – zuletzt auf 1,6 Millionen Euro, wie Prokurist Thomas Janik mitteilte. Um die Zukunft ist dem Führungsteam nicht bange. „Das Thema Energie-Effizienz wird immer wichtiger“, sagt Otto. Das Investitionsvolumen in Energie-Effizienz-Maßnahmen in Deutschland wird bis 2023 auf 223 Milliarden Euro geschätzt – ein erheblicher Teil davon im Bereich Druckluft.

Große Hoffnungen setzen er und das gesamte Team auf eine neuartige Technik, mit der überschüssiger Ökostrom mittels Wandlung in Druckluft und Wärme gespeichert, und bei Nachfrage wieder zu Strom zurückgewandelt werden kann. Eine Pilotanlage läuft bereits in einem Kasseler Betrieb. Jetzt will Postberg mit der Vermarktung dieser neuen Technik beginnen.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.