Neue Chefs im Lederhaus

Bei Etuis-Mertl übernimmt die vierte Generation die Führung

105-jährige Firmentradition geht weiter: Christa und Walter Pape (von links) übergeben die Geschäftsführung von Etuis-Mertl an Tochter Martina Pape und Schwiegersohn Matthias Pape-Herwig. Foto: Schachtschneider

Kassel. Bei Etuis-Mertl, einem der traditionsreichsten Kasseler Einzelhandelsunternehmen, übernimmt jetzt die vierte Generation offiziell das Ruder.

Walter und Christa Pape geben die Geschäftsführung der 105-jährigen Lederwarenfachhandlung an ihre Tochter Martina Pape und deren Ehemann Matthias Pape-Herwig ab.

Für die Kunden an den beiden Ladenstandorten Friedrich-Ebert- und Wilhelmsstraße wird das ab Montag ersichtlich. Dann beginnt dort unter dem Motto „Generationswechsel“ ein vierwöchiger Sonderverkauf. Den alten und neuen Inhabern ist es wichtig, dass die formelle Änderung bekannt wird, zumal die Eltern Pape weiterhin zeitweise im Geschäft tätig bleiben wollen.

Walter Pape sagte, nach 45 Jahren im Familienbetrieb wollten er und seine Frau sich nun aber mehr Zeit für Reisen, Sport und andere Interessen gönnen. Der 67-Jährige beherrscht noch mit Meisterbrief das Etuimacher-Handwerk – wie sein Großvater Hans Mertl, der die Firma im Jahr 1910 am Lutherplatz gegründet hatte.

Für handgefertigte Muster- und Kollektionskoffer mit allerlei Fächern und Schubladen, mit denen Vertreter ihre Waren präsentierten, gab es bis in die 1970er-Jahre einen Bedarf. Solche ledernen Behältnisse stellte Etuis-Mertl auch für den speziellen Bedarf von Sammlern her, etwa zur Aufbewahrung von Tabakspfeifen und wertvollen Schachfiguren.

Sogar für den letzten Schah von Persien habe die Firma gearbeitet, erzählte Pape: Mohammed Reza Pahlavi hatte sich 1959 bei Wegmann in der Eisenbahnbaustadt Kassel einen Luxus-Privatzug bauen lassen (siehe Hintergrund). Die Besteckschubladen für die feinen Salonwagen habe damals Etuis-Mertl geliefert.

Walter Pape ist einer, der dafür steht, dass das Handwerk des Etuimachers immer noch nicht völlig ausgestorben ist. „Solange ich hier bin, bieten wir das auch noch an“, sagte er.

Schon früh hatten Christa und Walter Pape ihr Geschäft auf den Handel mit Lederwaren wie Taschen, Handschuhe und Reisegepäck umgestellt. Tochter Martina Pape stieg vor einigen Jahren in den Familienbetrieb ein und hat mit einem neuen Geschäftszweig bereits Akzente gesetzt. An der Friedrich-Ebert-Straße erweiterte sie die Firma um einen separaten „Ranzenladen“, der nach ihren Angaben inzwischen einen erheblichen Teil zum Geschäftsumsatz beisteuert. Das Rezept der gelernten Kommunikationsfachwirtin: ein kindgerechtes Umfeld für Abc-Schützen, viel Freiraum zur Elternberatung sowie ein zusätzlicher Online-Shop.

Die 31-Jährige schätzt die eingespielte familiäre Aufgabenteilung bei Papes und hat keine Bedenken, dass der Generationswechsel nur auf dem Papier stehen könnte, wenn die Eltern im Geschäft weiter mitmischen. Martina Pape: „Bei uns funktioniert das sehr gut, und das ist heute ja nicht selbstverständlich.“

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