In Schwindel erregender Höhe arbeiten Kletterer am Kirchturm

Friedenskirche bekommt neue Fassade: Leben der Arbeiter hängt an einem Seil

Kein Problem mit der Höhe: Jörg Siefert-Ruis (34) ist seit Anfang des Jahres als Höhenarbeiter bei der Kasseler Firma Seilkonzept beschäftigt. Gemeinsam mit Ralph und Thomas Suchan sowie Martin Werner arbeitet er an der Kasseler Friedenskirche. Foto: Dessauer

Das Wahrzeichen des Vorderen Westens wird saniert - in Schwindel erregender Höhe arbeiten derzeit Kletterer der Kasseler Firma Seilkonzept am Kirchturm.

Ihr Job ist wahrlich nichts für schwache Nerven. In Schwindel erregenden Höhen hängen sie an Seilen vor den Fassaden historischer Bauwerke oder mehrstöckiger Industriegebäude.

Thomas und Ralph Suchan, Martin Werner und Jörg Siefert-Ruis sind hingegen gänzlich schwindelfrei. Sie sind Höhenarbeiter bei der Kasseler Firma Seilkonzept. Derzeit arbeiten sie an der Sanierung der Friedenskirche im Vorderen Westen. Sie sind für den Anstrich der Putzflächen unterhalb des Kupferturms zuständig und überprüfen die Sandsteine auf ihren Zustand.

Das Extreme an dem Job sei, so der 38-jährige ehemalige Philosophiestudent Thomas Suchan, dass man den Kollegen das eigene Leben anvertraue. Doch Sicherheit wird groß geschrieben im Team. Jeder Arbeiter ist doppelt gesichert und die Seile sind bis zu einer Bruchlast von zwei Tonnen belastbar. Auch gehe ein Arbeiter niemals allein an die Fassade, so Suchan, der seit sechs Jahren im Job ist.

Abgesehen von dem Wissen um Sicherungstechniken und Schwindelfreiheit müssen die Höhenarbeiter auch handwerkliches Geschick mitbringen. Viele haben eine handwerkliche Ausbildung und kombinieren durch die Arbeit am Seil Beruf und Hobby.

Fassade wird komplett saniert: Die Friedenskirche im Vorderen Westen. Foto: Koch

Bevor man als Höhenarbeiter an Hausfassaden klettern darf, muss zunächst ein einwöchiges Seminar belegt werden, in dem es vor allem um richtiges Knoten und die Rettung von Kollegen geht. Am Ende wird eine theoretische und eine praktische Prüfung absolviert, die vom Fach- und Interessenverband für seilunterstützte Arbeitstechniken (Fisat) abgenommen wird.

Die „Kletterarbeiten“ sind der Auftakt zur restlichen Sanierung der Friedenskirche. Der Geschäftsführende Pfarrer Carsten Köstner-Norbisrath erklärt, dass nach der Sanierung eines Teils der Südfassade vor zwei Jahren nun auch der Rest der Kirchenfassade generalüberholt werden müsse, da der Sandstein zunehmend porös würde.

Ab dem 8. August wird der Rest der Fassade, der nicht beklettert wird, eingerüstet. Unter anderem sei dann auch die Sanierung der drei Ziffernblätter des Uhrentürmchens über dem Haupteingang geplant. Insgesamt sind 220 000 Euro für die gesamte Sanierung der Kirche vorgesehen.

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