Kongress noch zu stoppen?

Stadt will Veranstaltung für riskante Wundermittel verhindern

Vermutlich bald Ort einer umstrittenen Messe: In der Stadthalle wollen Ende April Esoterik-Heiler ihr gesundheitsschädliches Wundermittel MMS preisen. Foto: dpa

Kassel. Die Stadt will nun alle Hebel in Bewegung setzen, um einen für Ende April in der Kasseler Stadthalle angekündigten Kongress noch zu stoppen.

Bei der Veranstaltung „Spirit of Health“ wollen Esoterik-Heiler vom 24. bis 26. April Werbung für ihr gesundheitsschädliches Wundermittel MMS machen. Am Montagabend beauftragten die Stadtverordneten den Magistrat, alle rechtlichen Möglichkeiten zu nutzen, um den Kongress zu verhindern.

Weil es einen rechtskräftigen Mietvertrag zwischen Kassel Marketing und den Veranstaltern gibt, dürfte dies fast aussichtslos sein. Dies machte auch der für Kassel Marketing zuständige Kämmerer Jürgen Barthel (SPD) vor den Stadtverordneten deutlich. „Keiner ist mit der Situation glücklich. Aber es gibt einen Vertrag, der im Sommer 2014 geschlossen wurde“, sagte Barthel. Werde dieser verletzt, könne der Vertragspartner die Stadt auf Schadensersatz oder Erfüllung des Vertrags verklagen. „Diesen Prozess könnten wir verlieren“, sagte Barthel.

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Zur Frage, warum sich Kassel Marketing nicht im Vorfeld über die Veranstalter informiert habe, sagte der Kämmerer: Kassel Marketing habe sich informiert, aber offenbar „nicht mit der richtigen Fragestellung“. In Zukunft wolle man genauer hinsehen, wer sich hinter den Veranstaltern verberge. Barthel spielte den Ball an das für das Arzneimittel- und Heilmittelwerbegesetz zuständige Regierungspräsidium Darmstadt weiter. Da das Regierungspräsidium es für möglich halte, dass die Veranstaltung „den Tatbestand der Anstiftung zur Körperverletzung erfülle“, könne das RP möglicherweise ein Verbot aussprechen.

Für den Fall, dass der Kongress nicht mehr zu verhindern ist, wurde der Magistrat beauftragt, vor dessen Besuch zu warnen und für Kontrollen während der Veranstaltung zu sorgen. Denn der Verkauf und sogar die Werbung für MMS seien rechtswidrig, so Barthel. Kassel Marketing werde die Organisatoren auf geltende Gesetze hinweisen und notfalls mit Räumung der Stadthalle drohen. Auf anderen Messen der Veranstalter wurde das Mittel MMS zwar nicht verkauft, aber auf Literatur zum Wundermittel und Online-Shops verwiesen, bei denen es zu kaufen ist.

Stefan Kortmann von der CDU hatte wie auch die Kasseler Linke eine sofortige Absage an die Veranstalter gefordert. „Dann sollen die eben klagen, es geht um die Gesundheit der Menschen“, sagte Kortmann.

MMS: Gefahr für Gesundheit

Die Abkürzung MMS steht für „Miracle Mineral Supplement“ (Wunder-Mineralien-Ergänzung). Die Substanz ist eine ätzende Chlorbleiche, von der die Wunderheiler versprechen, sie würde etwa autistische Kinder heilen. Auch gegen Krebs und Aids könne die Chemikalie eingesetzt werden. Die Behörden warnen vor schweren Gesundheitsschäden.

Von Bastian Ludwig

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