Heinrich-Schütz-Schule: Zerstörerische Partys in der Nacht

Zerstörungswut: Immer wieder richten Unbekannte in Nächten an der Heinrich-Schütz-Schule großen Schaden an. Hier ist eine von einem Geschoss zerborstene Scheibe zu sehen. 3 Fotos:  Koch

Kassel. Mit Beginn der Ferien präsentieren sich die Fassaden und der Schulhof der Heinrich-Schütz-Schule als regelrechtes Schlachtfeld.

Auf der Seite zum Schulhof gibt es keinen Quadratmeter des erst vor fünf Jahren eingeweihten Anbaus Malwida-von-Meysenbug-Trakt, der nicht beschmiert, beworfen, besprüht und mit roher Gewalt traktiert wurde.

In der Nacht zu Dienstag gab es einen besonders blindwütigen Ausbruch an Vandalismus, berichtet Schulleiterin Dr. Ines Blumenstein. Die großen Panoramafenster des Neubaus sind von Sprüngen und Einschusslöchern - durch Zwyllen oder anderes verursacht - geradezu übersät. In der Nacht zu Dienstag haben nun Unbekannte die Bretter heruntergerissen, mit denen ein großer Sprung in einer der insgesamt neun Scheiben vom Hausmeister der Schule provisorisch gesichert worden war.

Lexikonwissen:

Die Heinrich-Schütz-Schule im Regiowiki

Ein Treppenhandlauf ist aus seiner Verankerung gerissen worden. Sitzgelegenheiten wurden nach und nach zerstört, und häufig, vor allem montags ist der Schulhof übersät mit Glasscherben. „Was besonders schäbig ist“, sagt Ines Blumenstein: „Die Verursacher verteilen die Scherben mit Gründlichkeit über das gesamte Gelände. Der Hausmeister sei vor Schulbeginn bis zu zwei Stunden damit beschäftigt, sie zusammenzukehren.“

Schmerzhaft sei auch, dass die von Schülern bepflanzten Blumenkübel zerstört wurden. Kürzlich hatten es die Zerstörer einmal mehr auf die Pflanzen abgesehen: Felsenbirnen wurden aus der Erde gerissen und an die 20 von den Schülern selbst gepflanzte Lavendelpflanzen entwendet. Für die Verschönerung ihres Schulhofs hatte die Schülervertretung der HSS 3000 Euro aufgebracht. „Das ist empörend und macht uns sehr traurig“, sagt Blumenstein. Den Hinterlassenschaften nach zu urteilen, handelt es sich um nächtliche Partys mit reichlich Wodka, die zu den Ausschreitungen führen. „Ich vermute einen Verdrängungeffekt aus der Goethe-Anlage“, sagt Blumenstein. In der Grünanlage in Nachbarschaft, auf der anderen Seite der Freiherr-vom-Stein-Straße, herrscht ab 22 Uhr Alkoholverbot, was durch Mitarbeiter des Ordnungsamts überwacht wird.

Vor einem Jahr zeichneten sich die Ausmaße von Vandalismus an der HSS ab. Deshalb hatte Blumenstein im Herbst bei der Stadtverwaltung um eine Videoüberwachung des Schulgelände gebeten. Auch ein Wachdienst, der nach dem Rechten guckt, könnte hilfreich sein, vermutet sie.

Das sagt die Polizei

„Vandalismus ist kein Kavaliersdelikt“, sagt Polizeisprecher Torsten Werner. Insgesamt haben Zerstörungen an Kasseler Schulen in diesem Jahr nicht zugenommen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass bei der HeinrichSchütz-Schule die Nähe zur Goethe-Anlage eine Rolle spielt. Grundsätzlich nehme Vandalismus bei gutem Wetter zu. Den Schaden der vergangenen Nacht beziffert die Polizei auf 1500 Euro Insgesamt beläuft er sich an der HSS auf zig Tausend Euro. Die Schutzpolizei werde verstärkt neuralgische Orte wie die HSS anfahren. Torsten Werner bittet Zeugen, sich dringend zu melden unter Tel. 0561/9100.

Das sagt die Stadt

In der Goetheanlage hat das städtische Ordnungsamt seit Beginn der wärmeren Jahreszeit wieder vermehrt Vorfälle registriert. Hauptsächlich ging es um Ruhestörung. Die Kontrollen wurden daher verstärkt. Das sagt Stadtsprecher Sascha Stiebing. „Im Wesentlichen halten sich in der Goetheanlage relativ große Gruppen von jungen Erwachsenen (teilweise über 50 Personen) an Wochenenden und bei schöner Wetterlage auf.“ Das mache es schwer, Platzverweise für größere Gruppen durchzusetzen. Die Feierlichkeiten gehen manchmal bis weit nach Mitternacht. Das Ordnungsamt werde von der Polizei unterstützt, die teilweise auch selbst aufgrund von Anwohner-Beschwerden dort im Einsatz war. Das Umwelt- und Gartenamt bestätigt, dass Vermüllung und Vandalismus in der Goetheanlage zugenommen haben. Die Kollegen reinigen in der Anlage mittlerweile täglich. Das Ordnungsamt wird jetzt Kontakt zum Hausmeister der Heinrich-Schütz-Schule aufnehmen und die Schule bei Kontrollfahrten stärker beobachten.

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