HNA-Untersuchung zur Kommunalwahl in Kassel

Wählerwanderung: AfD profitiert vor allem von SPD-Wählern

Kassel. Die SPD hat bei der Kommunalwahl in Kassel am letzten Sonntag viele Stimmen an die Alternative für Deutschland (AfD) abgegeben. Genau 1550 Wähler, die bei der Wahl im Jahr 2011 noch für die Sozialdemokraten gestimmt hatten, wechselten zur rechtspopulistischen Partei.

Das ist das Ergebnis einer Untersuchung über das so genannte Wanderungsverhalten der Wähler in Kassel, die die HNA in Auftrag gegeben hat. Die Untersuchung stammt von dem Ulmer Institut für Wahl-, Sozial- und Methodenforschung. Das Institut ist seit dem Jahr 1980 in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA für Medien, Parteien und öffentliche Auftraggeber tätig und arbeitet für viele renommierte Zeitungen – darunter auch FAZ, Süddeutsche Zeitung und Tagesspiegel.

Neben den sozialdemokratischen Wählern konnte die AfD vor allem Stimmen aus dem christdemokratischen Lager gewinnen. 1250 ehemalige CDU-Wähler wechselten zur AfD. Von den Grünen gingen 1070 Wähler zu der rechten Partei. Weniger wichtig war die AfD bei FDP-Wählern (110 wechselten) und bei Wählern der Linken (290 gingen zur AfD).

Die SPD als großer Verlierer der Wahl – sie bekam mit 29,5 Prozent der Stimmen zur Stadtverordnetenversammlung das schlechteste Nachkriegsergebnis bei Kommunalwahlen – musste mit 1080 außerdem viele Wähler an die Linken abgeben. Die profitierten auch von den Stimmenverlusten der Grünen. 860 frühere Wähler der Grünen gingen zur Linken.

Die CDU gab auch an die FDP etliche Stimmen ab. 940 Wähler wechselten dorthin.

Die FDP, die ihr Ergebnis auf 5,6 Prozent mehr als verdoppelt hat, profitierte nicht nur von ehemaligen CDU-Wählern, sondern konnte auch frühere Anhänger der SPD (430 wechselten) und der Grünen (310) mobilisieren.

Ausführliche Grafiken über das Wanderungsverhalten der Wähler

Kommunalwahl: Wohin die Wähler wanderten

Hintergrund

Wie die Zahlen zustande kommen

Die HNA hat das Institut für Wahl-, Sozial- und Methodenforschung in Ulm beauftragt, die Kommunalwahl am vergangenen Sonntag in Kassel zu analysieren. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Berechnung der Wählerwanderungen zwischen den Kommunalwahlen 2011 und 2016. Diese Wählerwanderungen werden mit einem statistischen Verfahren berechnet, das ein Maximum an individuellem Wählerverhalten mit einbezieht (Stimmensplitting aus der amtlichen Repräsentativstatistik, wissenschaftliche Vor-/Nachwahlbefragungen, Vorwahlbefragungen von Forschungsgruppe Wahlen und Forsa). Der durchschnittliche Fehler bei den einzelnen Wanderungssalden zwischen den Parteien liegt unter 0,01 Prozent der Wahlberechtigten. Für die Partei im Zentrum der Kugelgrafiken sind sämtliche Gewinne ( Pfeil zeigt in die Mitte) und Verluste (Pfeil zeigt nach außen) dargestellt, und zwar sowohl in absoluten Zahlen als auch in Prozent der Wahlberechtigten (Mittelwert aus alter und neuer Wahl).

Zum Nachhören: HNA-Analyse zur Wählerwanderung

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Weitere Infos, Zahlen, Analysen und Fotos zur Wahl finden Sie in unserem Spezial zur Kommunalwahl.

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