Eben noch im Wohngebiet, plötzlich mitten im Wald

Bei Wald ist Kassel Spitzenreiter: Kaum eine Großstadt ist grüner

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Die Streuobstwiese am Schenkelsberg in Oberzwehren

Kassel. Besonders kennzeichnend für Kassel ist das viele Grün im Stadtgebiet. Waldflächen reichen teilweise bis in die Wohngebiete hinein.

Deutschlandweit lässt sich kaum eine Großstadt finden, in der das ähnlich ist.

Eben noch im Wohngebiet, plötzlich mitten im Wald. Was die waldigen Gebiete in Stadtnähe angeht, kann man Kassel als Spitzenreiter unter vergleichbaren Städten bezeichnen. Egal ob in Wolfsanger, Harleshausen, Bad Wilhelmshöhe oder am Brasselsberg, man muss nicht erst lange fahren, sondern kann die nahegelegenen schnell zu Fuß erreichen.

Das ist auch der große Unterschied von stadtnahem Waldgebiet und Flächen, die fernab von Ortschaften liegen, erklärt Förster Arnd Kauffeld, der den Stadtwald und einen Großteil des stadtnahen Waldes betreut. Hier müssen verschiedene Interessen vereint werden.

Zum einen der Wirtschaftsfaktor: „Wir ernten hier in erster Linie den Rohstoff Holz“, erklärt Kauffeld. Bei der Holzernte könne es dann auch schnell mal zu Behinderungen auf den Wegen kommen. Es ist auch laut. Zudem müssen die Wege wegen der zahlreichen Spaziergänger weiträumiger abgesichert werden. Dafür fehlt dann häufig das Verständnis, bei Menschen, die den Wald vorwiegend als Naherholungsgebiet sehen.

Zu matschig, zu uneben: Spaziergänger haben vielfach Ansprüche, was Wanderwege angeht. Da wird vergessen, dass die von den Spaziergängern genutzten Wege von den Waldbesitzern als Wirtschaftswege im Forst angelegt und unterhalten werden, so Kauffeld.

In den Waldgebieten, die in Stadtnähe sind, wie am Warteberg oder am Fichtenrain, ist oftmals wegen der geringen Fläche keine Holzernte möglich. „Da fällen wir dann nur Bäume oder kappen Äste, wenn sie sonst zur Gefahr würden“, erklärt Kauffeld.

Holzernte macht zudem nur ab einer gewissen Größe Sinn. Das lohnt sich auf kleinen Flächen im Stadtgebiet meist nicht.

Am Rande des Baunsbergs hingegen liegen viele kleine Holzstapel. „Wer mag, kann das Holz bei uns bestellen und dann hier im Wald selbst zerkleinern und dann in den heimischen Garten transportieren“, erklärt der Förster. „Das ist für uns ein großer Vorteil“, sagt er.

Was die Pflanzen in den Gebieten angeht, macht es keinen Unterschied, ob Bebauung und Stadtgebiet in der unmittelbaren Nähe sind. Bei der Tierwelt hingegen sieht das anders aus. Rehe und Wildschweine trauen sich teilweise bis in die städtischen Gärten. Das große Rotwild ist da weitaus vorsichtiger.

Wo sind die Waldinseln? 

Neben den größeren Waldgebieten des Habichtswaldes, die am Brasselsberg, in Bad Wilhelmshöhe und Harleshausen bis an die Wohngebiete reichen, gibt es innerhalb der Stadt noch kleine, inselartige Waldstücke. Diese Waldinseln befinden sich beispielsweise

• rund um den Schenkelsberg in Oberzwehren

• auf der Hasenhecke im Stadtteil Wolfsanger-Hasenhecke

• auf dem Warteberg in Philippinenhof

• in Nordshausen Nähe Pangesweg

• in den Randgebieten der Karlsaue

• im Eichwald in Bettenhausen

• der Nössel am Brasselsberg

• der Fichtenrain am Frasenweg im Stadtteil Jungfernkopf

• im Sengelsrain in Kirchditmold

Was einen Wald ausmacht: 

Ob eine Fläche als Waldgebiet definiert ist, hängt von der Menge und der Beschaffenheit bzw. Zusammensetzung der Bäume ab. In den Habichtswaldausläufern ist es oft keine Frage, dass es sich um Wald handelt. Bei den Ausläufern der Dönche beispielsweise würde man das nicht ohne Weiteres vermuten.

In Nordhessen gibt es vorwiegend naturnahe Wälder. Ein Waldgebiet gilt als naturnah, wenn die Bäume einheimisch und die Zusammensetzung der Pflanzen naturbelassen ist.

Trotzdem sind solche Wirtschaftswälder ökonomischen Zielsetzungen unterworfen, wobei allgemein eine stetige Nutzung und Pflege im Fünf-Jahres-Rhythmus angestrebt wird. Waldgebiete erfüllen im Wesentlichen drei wichtige Kernfunktionen: den ökonomischen (wirtschaftlichen) Nutzen, den ökologischen (Schutz des Lebensraums, der Lebensgrundlagen) und die sozialen Funktionen (Erholung/Freizeitraum).

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