Spediteur Dieter Trebing sucht nach Möglichkeiten für schnelle Datenleitung

Ärger im Industriepark um langsames Internet: „Wie in der Steinzeit“

Beklagt das langsame Internet-Tempo: Dieter Trebing ist Inhaber der BRT Transport GmbH, einer internationalen Spedition im Industriepark Kassel. Foto: Steinbach

Kassel. Wenn der Bagger kommen muss, um ein Kabel zu verlegen, wird’s teuer. Rund 4000 Euro kostet es, das Bürogebäude an der Otto-Hahn-Straße 9 ans Glasfasernetz anzuschließen.

„Aber unser Vermieter macht mit“, freut sich Spediteur Dieter Trebing, der mit seiner BRT Transport GmbH zu den insgesamt fünf Mietern im Haus gehört. Mit dem Anschluss bekommt Trebing für sein Unternehmen endlich Zugang zum schnellen Internet.

Bisher arbeitet der Spediteur mit einem Sechs-Megabit-Anschluss. „Das reicht längst nicht mehr aus“, sagt Trebing, der zu den Systempartnern von Fedex gehört und eine durchgehend flotte Datenverbindung zu dem weltweit tätigen Logistikunternehmen braucht.

Auch die 16 Megabit, die auf dem Klingeldraht der Telefonleitung noch möglich wären, sind nicht genug. „Das nützt ja nichts“, erklärt Trebing, „wir brauchen vor allem ein schnelleres Upload-Tempo.“ Seit Langem sucht der Chef nach einer Lösung, telefonierte mit vielen Anbietern. „Aber keiner traut sich da ran, das Glasfaserkabel in der Straße zu vermarkten“, klagt Trebing, der jetzt das Thema Hausanschluss selbst in die Hand genommen hat.

Dass die Kasseler Netcom Gesellschaft für Telekommunikation für einen Anschluss mit 100 Megabit Download-Tempo und ebenfalls 100 Megabit Upload rund 1100 Euro monatlich haben will, sorgte freilich für Kopfschütteln bei Trebing und seinen vier Mitmietern im Haus.

Netcom-Prokurist Ulf Körschner erklärt den hohen Preis mit der garantierten Bandbreite und der hohen Leistungsfähigkeit des angebotenen Anschlusses. „Die Diskussion um Preise haben wir immer“, sagt Körschner. Es gebe aber genügend Kunden, denen eine hohe Leistungsfähigkeit wichtig sei und „die das zahlen.“ Man biete aber auch geringere Übertragungsgeschwindigkeiten zu deutlich günstigeren Preisen an.

Die Situation im Industriepark will das kommunale Telekommunikations-Unternehmen nun untersuchen, kündigt Körschner an. Für eine gemeinsame Aktion, um den betroffenen Unternehmen zu einer schnelleren Internet-Verbindung zu verhelfen, „sind wir offen.“ Es gebe bereits eine intensive Zusammenarbeit mit der Netz + Service-Gesellschaft der Städtischen Werke.

Bei Umbau Glasfaserkabel verlegt

Auch das Bildungszentrum Kassel für die berufliche Aus- und Weiterbildung der nordhessischen Wirtschaft hatte lange Zeit Probleme mit lahmen Datenleitungen. Ein Anschluss ans Glasfaser hätte aber mindestens 12 000 Euro gekostet, erinnert sich Geschäftsführer Jürgen Müller. So musste man sich mit den alten Kupferleitungen behelfen.

Im Zuge des Um- und Ausbaus des von der Handwerkskammer Kassel, der Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg und dem Berufsbildungszentrum Marburg getragenen Bildungszentrums wurde der Anschluss an die Glasfaser-Technologie vollzogen, „weil ja ohnehin alles aufgegraben war“, sagt Müller. Die Glasfaserkabel hätten lediglich 800 Euro gekostet, freut sich der Geschäftsführer über die „günstige Lösung.“

Tempo nicht mehr zeitgemäß

Lahme Leitung und keine Besserung in Sicht: Firmeninhaber Ernst Bohnhardt bekommt kein schnelles Internet. Zum bisherigen Leitungstempo seiner beiden jeweils Sechs-Megabit-Datenleitungen sagt der Softwareentwickler: „Beschissen ist geprahlt.“

Für seine CAD-Consulting an der Falderbaumstraße 35 versucht er seit Langem, einen flotten Internet-Zugang zu bekommen, um auch große Dateien schneller verschicken zu können. „Welche Geschwindigkeit können wir kriegen?“, fragte Bohnhardt die Telekom. „Da gab es keine Aussage.“ Die Kasseler Netcom „hat nur Probleme gesehen.“

Bohnhardt, der in seiner Firma auch Flucht- und Rettungspläne sowie Feuerwehrpläne und Feuerwehr-Laufkarten für Unternehmen und öffentliche Gebäude fertigt und einen Luftbildservice für Firmen- und Privatkunden anbietet, stieg auf das Dach seiner gemieteten Büros. Dort könnte er über das Mobilfunknetz LTE auf 50 Megabit aufrüsten, die Einstrahlung sei gut.

Doch T-Mobile wolle ihm den rettenden LTE-Vertrag nicht anbieten, die Leistung nicht verkaufen. Hintergrund: Das LTE-Netz ist an der Leistungsgrenze. Professionelle Nutzer mit hohem Datendurchsatz seien deshalb wohl nicht erwünscht, vermutet Bohnhardt. Er habe wegen der Internet-Probleme schon über einen Umzug seines Unternehmens nachgedacht, aber der sei zu teuer.

Was an seinem jetzigen Standort im Industriepark an Datenleitungen zu bekommen sei, „ist nicht mehr zeitgemäß“, stellt der Unternehmer bekümmert fest: „Das kann nicht sein.“

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