Mindestens ein Tier lebt an Kiesteichen

Frische Nagespuren entdeckt: Der Biber bleibt Kassel treu

Ernährt sich im Winter von der Rinde gesammelter und abgenagter Bäume: der Biber. Kürzlich entdeckte Spuren belegen, dass sich mindestens ein Tier in Kassel im Bereich von Fulda und Bugasee aufhält. Vermutlich sind es aber sogar mehrere Biber. Archivfoto: dpa

Waldau. Bei Erkundung des Uferbereichs an den Waldauer Kiesteichen hat Axel Krügener eine für ihn erfreuliche Entdeckung gemacht: Nagespuren an Weiden, die von einem Biber stammen.

Der Sachbearbeiter beim Regierungspräsidium Kassel (RP) – zuständig für die Schutzgebiete in Stadt und Landkreis – sieht in den Fress-Spuren neue Belege für die Existenz des Nagers. „Den Kasseler Biber gibt es tatsächlich. Er hält sich definitiv noch im Stadtgebiet auf.“

Auf Anfrage der Stadt hin, was aus den Bibern an der Fulda geworden sei, habe er sich vor einigen Tagen mit Kollegin Ina Kempf in das Naturschutzgebiet begeben, berichtet Krügener. Ein weiterer aktueller Beweis für den Kasseler Biber scheinen Fotos zu sein, die ein HNA-Leser jetzt am Ufer des Bugasees gemacht hat. Darauf ist ein Tier zu sehen, das durchaus ein junger Biber sein könnte. Leider ist er aus einer Entfernung aufgenommen, die eine sichere Festlegung nicht zulasse, meint auch Experte Krügener. „Es wäre auch möglich, dass ein Nutria, also eine Bisamratte, fotografiert wurde.“

So bleibt der einzige Fotobeweis des Kasseler Bibers eine Infrarot-Aufnahme von 2014. Dass nun wieder Spuren der Biber auftauchen, hat nach seinen Angaben mit der Jahreszeit zu tun. Die Nagespuren als charakteristisches Merkmal finde man nur im Winterhalbjahr. Denn nur dann nagen und fällen die Biber Bäume und ernähren sich von der Rinde. Im Sommer fressen die Vegetarier vor allem Pflanzen.

Noch keinen Bau entdeckt

Die Entdeckung an den Waldauer Weiden seien eindeutige und ganz frische Spuren, betont Krügener. Mindestens ein Biber lebe dort im Naturschutzgebiet. Vermutlich seien es aber sogar mehrere Tiere, die in Kassel heimisch geworden seien. „Leider haben wir im Stadtgebiet aber noch keinen Biber-Berg oder Biber-Bau entdeckt.“

Der bisher einzige Fotobeweis für den Kasseler Biber: die im November 2014 von einem Hobbyfotografen gemachte Infrarot-Aufnahme im Naturschutzgebiet Waldauer Kiesteiche. Archivfoto: privat

300 Jahre galt der Biber im Raum Kassel als ausgestorben. Nachdem Biber in den 1980er Jahren in Hessen ausgesetzt wurden, haben sie sich laut Krügener inzwischen im Land etabliert und breiten sich weiter aus – auch in Nordhessen. Im Kreis Kassel seien Biber bisher an der Fulda bei Wilhelmshausen und an der Diemel nachgewiesen. In zehn bis 20 Jahren werde die Existenz von Bibern in unserer Region noch nicht alltäglich, aber keine große Besonderheit mehr sein, meint Axel Krügener. „Eine gewisse Population werden die Biber bei uns auf jeden Fall haben.“

Hintergrund: Lange galten Biber als ausgestorben

300 Jahre galten Biber in Kassel als ausgestorben. Ende 2013 feierten dann Naturfreunde die Rückkehr des Nagers. Im Bereich des Naturschutzgebietes Waldauer Kiesteiche waren eindeutige Spuren der Tiere aufgetaucht.

Nachdem im Herbst 2014 ein mit Schrotkugeln erschossener Biber in der Fulda entdeckt worden war, befürchteten Experten, mit dem Biber in Kassel sei es schon wieder vorbei. Doch belegten frische Fress-Spuren im November 2014, dass mindestens noch ein Tier in der Stadt Kassel lebte.

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