Geld für Betriebskosten

Mieter sollen mehr zahlen: Starke Erhöhung der Vorauszahlung für 838 Wohnungen

Seit Oktober 2013 im Eigentum der österreichischen Buwog AG: Eines der Mietshäuser an der Görlitzer Straße in Waldau. Dort gehören insgesamt 838 Wohnungen zum Buwog-Bestand. Archivfoto: Zgoll

Waldau. Der Ärger um fragwürdige Betriebskostenabrechnungen 2013 für Mieter der Buwog AG im Stadtteil Waldau ist noch immer nicht ausgestanden, da gibt es neue Unruhe bei Bewohnern der Mehrfamilienhäuser mit 838 Wohnungen.

Zusammen mit der Betriebskostenabrechnung für das Jahr 2014 hat die Vermieterin deftige Erhöhungen bei den Vorauszahlungen gefordert. So soll ein Mieter statt bisher 80 Euro künftig 120 Euro monatlich voraus für Betriebskosten berappen.

Viele Betroffene suchen Hilfe beim Mieterbund Nordhessen. „Bis zu 40 Prozent der Fälle, die wir bearbeiten, haben mit der Buwog zu tun“, sagt Geschäftsführer Folker Gebel. Allein im Dezember hätten sich annähernd 400 Waldauer Mieter gemeldet. „Auch die Abrechnungen 2014 sind in vielen Bereichen falsch“, berichtet Gebel über die bisherigen Prüfungen der Mieterbund-Rechtsanwälte. Legen die Mieter Widerspruch ein, seien die Beträge wie auch bei den Abrechnungen 2013 nicht zur Zahlung fällig.

Sicherheitshalber rate man den Mietern aber, die vom Bundesgerichtshof abgesegnete Erhöhung der Vorauszahlung von einem Zwölftel der Nachzahlungssumme zu akzeptieren, um eine Kündigung der Wohnung zu vermeiden, erklärt Gebel. Um mehr als die Nachzahlung dürfe aber die künftige jährliche Vorauszahlung nicht erhöht werden. Die von Waldauer Mietern geforderten Summen seien teils „grob rechtswidrig“, stellt Gebel klar.

Die falschen Betriebskostenabrechnungen für das Jahr 2013 sind weiter umstritten. Teils ging es bei den Nachforderungen um vierstellige Euro-Beträge. Bis heute habe das Immobilienunternehmen keine nachvollziehbaren Abrechnungen vorgelegt, sagt Gebel, eine ordnungsgemäße Belegeinsicht durch die Mieterbund-Anwälte sei noch immer nicht möglich gewesen.

Mieter vermuten, die Buwog wolle die bisher entgangenen Nachzahlungen nun durch überhöhte Vorauszahlungen eintreiben. Das werde nicht funktionieren, erklärt Gebel. Denn die Vorauszahlungen müssten am Jahresende nachvollziehbar mit den entstandenen Kosten abgerechnet werden. Wenn Mieter zuviel vorausgezahlt hätten, gebe es Geld zurück. Die Buwog dürfe das Geld nicht behalten oder mit Rückständen aus Vorjahren verrechnen.

Das österreichische Wohnungsunternehmen, das in Österreich und Deutschland rund 51.000 Wohneinheiten hat, blieb den Waldauer Mietern bisher eine Begründung für die Erhöhung der Vorauszahlungen schuldig.

Von der Buwog AG gab es noch keine Stellungnahme zu den neuerlichen Vorwürfen von Mietern und Mieterbund Nordhessen.

Mieter sind Kummer gewohnt

Die Mieter der 838 Buwog-Wohnungen im Stadtteil Waldau sind Kummer gewohnt. Seit Jahren wechseln die Eigentümer, gibt es dubiose Betriebskostenabrechnungen von wechselnden Verwaltungsfirmen.

Die ehemaligen Volksfürsorge-Häuser in Waldau wurden im Jahr 2005 zusammen mit weiteren 350 Wohnungen in Bettenhausen sowie in der Brückenhof-Siedlung in Oberzwehren an die Frankfurter Firma Domus verkauft, die den Bestand wenig später an die dänische Immobilienfirma Kristensen weiterreichte.

Zwangsverwaltung

Mitte 2007 verkaufte Kristensen den Bestand an die Vivacon AG in Köln weiter. 2009 wurde auf Betreiben der Postbank über die Vivacon-Wohnungen die Zwangsverwaltung angeordnet.

Aus der Zwangsverwaltung gingen die insgesamt 1190 Wohnungen in Kassel im Herbst 2013 für rund 46 Millionen Euro an das österreichische Immobilienunternehmen Buwog Aktiengesellschaft. Das Unternehmen verfügt über rund 51.000 Wohnungen, die Mehrzahl davon in Österreich. In Deutschland hat die Buwog größere Bestände in Berlin (5500 Wohnungen), Lübeck (6300) und Hamburg (2900). In der Stadt Kassel verfügt die Buwog inzwischen über 1500 Wohnungen

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