Badeunfall hat viele verunsichert

Problem liegt unter Wasser: Fragen und Antworten zu den Pflanzen im Bugasee

Warnung vor Unterwasserpflanzen: Auch an der Stelle, wo der Badeunfall passierte, steht ein Hinweisschild. Foto: Schachtschneider

Kassel. Nach dem tödlichen Badeunfall eines 78-Jährigen im Bugasee sind viele Menschen verunsichert. Fragen und Antworten zum Baden.

In dem Bereich im FKK-See, wo der Mann untergegangen war, befanden sich viele Unterwasserpflanzen. Wir sprachen mit dem städtischen Umwelt- und Gartenamt über die Problematik.

Wie sich bei der Suche nach dem Vermissten herausstellte, ist der FKK-See unter Wasser dicht bewachsen. War das vorher nicht bekannt? 

Doch. Das Umwelt- und Gartenamt hat zuletzt 2014 die Buga auf ihren Bewuchs untersuchen lassen. Der FKK-See ist demnach komplett mit großblättrigen Unterwasserpflanzen (Makrophythen) bewachsen. Im Rest des Sees gibt es ein etwa zehn Meter breites Band um das Ufer, in dem viele Unterwasserpflanzen wachsen.

Warum wurde der FKK-See dann nicht gründlich gemäht? 

Erst Mitte Juli wurden die Unterwasserpflanzen im Bugasee im Bereich der fünf Badestrände und auch an den Einstiegsbereichen des FKK-Sees gemäht. Die Pflanzen werden bewusst nicht im kompletten See entfernt. Sie sind wichtig, um die Ausbreitung giftiger Blaualgen einzudämmen, erklärt Jörg Gerhold vom Umwelt- und Gartenamt. Denn wenn die Blaualgen überhand nehmen, bestehen beim Baden Gesundheitsrisiken. Voriges Jahr musste das Baden deshalb zeitweise verboten werden. Gerade im Bereich des FKK-Sees seien die Unterwasserpflanzen wichtig, so Gerhold.

Welche Bedeutung haben die Pflanzen im FKK-See? 

!In den Bereich strömt besonders nährstoffreiches Wasser aus der Fulda ein. Es dringt durch den an dieser Stelle recht schmalen Damm zwischen Fluss und See ein. Die Unterwasserpflanzen wachsen deshalb besonders kräftig. Sie nehmen einen Großteil der Nährstoffe auf und fungieren so gewissermaßen als natürlicher Filter. Dadurch dringen weniger Nährstoffe in den Rest des Sees, wo sie das Wachstum auch der giftigen Algen befördern würden. Dann bestünde schneller die Gefahr, dass der See „umkippt“. Zudem befindet sich eine besonders geschützte Arte der Unterwasserpflanzen im FKK-See, das „Zarte Hornblatt“.

Könnte man dann nicht den FKK-See zum Schwimmen sperren? 

Diese Variante hat ein Gutachter dem Umweltamt bereits vor einigen Jahren aufgezeigt. Allerdings werde auch der FKK-See rege genutzt, sagt Andreas Peters, stellvertretender Leiter des Umwelt- und Gartenamts. Deshalb habe man bisher versucht, einen Mittelweg zu finden: An den Schwimm-Einstiegsstellen wird gemäht, um das Baden zu ermöglichen. Im Innern des Sees lässt man die Pflanzen weitgehend stehen. Diese Entscheidung überprüfe man regelmäßig. Der Badeunfall, der auch im Umwelt- und Gartenamt für Bestürzung gesorgt habe, werde dabei ebenfalls berücksichtigt.

Wie gefährlich sind die Unterwasserpflanzen für Schwimmer? 

Das ist schwer zu sagen. Die Blätter der Unterwasserpflanzen reißen eigentlich ab, wenn sich ein Schwimmer darin verfängt. Allerdings finden viele Schwimmer die Berührung unangenehm. Gefährlich wird es vor allem, wenn jemand dadurch in Panik gerät.

Wird vor den Unterwasserpflanzen gewarnt?

Ja. Die Stadt Kassel weist mit Schildern daraufhin, dass Badende mit Unterwasserpflanzen rechnen müssen. Insgesamt gibt es elf Schilder, drei davon am FKK-See. Zudem gibt es drei Schaukästen an den Hauptzugängen zum See, die auf die Gefahren und Verhaltensregeln in Naturgewässern hinweisen. Gerhold: „Damit betreiben wir bereits mehr Fürsorge als dies an anderen Naturbadeseen der Fall ist.“

Was sollten Schwimmer beachten, wenn sie in Unterwasserpflanzen geraten? 

Ganz wichtig: Ruhe bewahren. Am besten ist Rückenschwimmen. Dann liegt man flach auf dem Wasser und gerät mit den Beinen nicht so tief in das Pflanzengestrüpp. In Rückenlage mit ruhigen Paddelbewegungen aus dem Pflanzenbereich schwimmen.

Badeunfall im Bugasee: Suche nach vermissten Schwimmer

Tipps fürs Baden in der Buga

Naturbadeseen sind keine Schwimmbäder. Sie bergen immer eine gewisse Gefahr. Wer darin schwimmt, tut dies auf eigene Verantwortung. Folgendes sollte man am Bugeasee beachten:

• Nur im Flachwasserbereich der Badestrände schwimmen.

• Bereich mit schlammigem Untergrund und Unterwasserpflanzen meiden

• Seeüberquerungen vermeiden

• Bei starker Wassertrübung (Sichttiefe unter einem Meter) nicht schwimmen, weil untergegangene Personen schlecht zu retten sind

• Badeverbote beachten

Video von der Suche am Bugasee:

Lesen Sie dazu auch:

Badeunfall im Bugasee: Polizei stellt Suche nach vermisstem Schwimmer ein

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.