Probleme mit Betriebskostenabrechnungen für 841 Wohnungen

Dauerärger zwischen Mietern und Vermieter in Waldau - Unternehmen will klagen

Seit Oktober 2013 im Eigentum der österreichischen Buwog AG: Eines der Mietshäuser an der Görlitzer Straße in Waldau. Dort gehören insgesamt 841 Wohnungen zum Bestand der Buwog-Gruppe, die in Kassel insgesamt 1506 Wohnungen besitzt. Archivfoto: Zgoll

Waldau. Der Dauerärger um Betriebskostenabrechnungen für die 841 Wohnungen der Buwog AG in Waldau geht weiter. Der Mieterbund Nordhessen, der rund 500 von erheblichen Nachzahlungen betroffene Mieter vertritt, hat etliche Mängel bei der Prüfung der Abrechnungen festgestellt.

Das sagt Geschäftsführer Folker Gebel. Trotzdem wolle das Wohnungsunternehmen die Nachzahlungen einklagen, kritisiert der Mieterbund.

Der Drohung, die betroffenen Mitglieder des Mieterbundes zu verklagen, sehe man mit Gelassenheit entgegen, sagt Gebel. Denn die bei der Belegeinsicht festgestellten Mängel habe die Buwog bis zum heutigen Tage nicht vollständig ausräumen können.

Buwog: Alles in Ordnung 

Ganz anders sieht das Thorsten Gleitz, Buwog-Geschäftsführer Immobilienmanagement Deutschland: „Die erteilten Betriebskostenabrechnungen für den Abrechnungszeitraum 2014 sind nachweislich, sowohl formell als auch materiell, ordnungsgemäß und rechtmäßig.“

Man habe allerdings noch keine Mahnungen verschickt und die strittigen Forderungen bisher nicht aktiv verfolgt. Das werde auch bis Ende Juli so bleiben, weil man eine einvernehmliche Regelung unter Einbeziehung des Mieterbundes anstrebe. Man sei gesprächsbereit und an einer guten Zusammenarbeit interessiert.

Weil die Abrechnungen nachweislich ordnungsgemäß erfolgten und Widersprüche damit unbegründet seien, bitte man die Mieter, die Nachforderungen zu begleichen. Einige Mieter hätten schon Kontakt zur Betriebskostensachbearbeiterin der Buwog aufgenommen und die Zahlung des Abrechnungsergebnisses angekündigt oder Ratenzahlungs-Vereinbarungen getroffen, berichtet Gleitz.

Mieterbund sieht Fehler 

Der Mieterbund bekräftigt seine Vorwürfe. Die Abrechnungsbelege der Buwog seien nicht vollständig gewesen und wiesen Fehler auf, erklärt Gebel. Zum Beispiel seien Hausmeister- und Gartenpflegekosten pauschal abgerechnet worden, Aufschlüsselungen über Art und Umfang der Arbeiten fehlten. Zudem seien Rechnungen und Belege überwiegend als Kopien vorgelegt worden, „obwohl nach höchstrichterlicher Rechtsprechung die Mieter Anspruch auf Einsichtnahme in die Originalbelege haben“.

Die Darstellung der Buwog, es seien ausschließlich Originalbelege vorgelegt worden, weist Gebel zurück. Vier Rechtsanwälte des Mieterbundes, die bei der Prüfung dabei waren, „können das Gegenteil beweisen“. Der Mieterbund hat den Waldauer Mietern empfohlen, Nachzahlungsbeträge aus der Abrechnung 2014 teilweise unter Vorbehalt zu zahlen, um Kündigungen zu vermeiden.

Eigentümer wechselten oft 

Die ehemaligen Volksfürsorge-Häuser in Waldau wurden 2005 zusammen mit weiteren 350 Wohnungen in Bettenhausen sowie der Brückenhof-Siedlung in Oberzwehren an die Frankfurter Firma Domus verkauft. Die reichte den Wohnungsbestand an die dänische Immobilienfirma Kristensen weiter. Nächster Eigentümer wurde die Vivacon AG in Köln, die 2009 unter Zwangsverwaltung gestellt wurde. Daraus gingen die insgesamt 1190 Kasseler Wohnungen im Herbst 2013 für rund 46 Millionen Euro an das österreichische Immobilienunternehmen Buwog AG, das weitere 316 Wohnungen in Kassel kaufte.

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