2016 erneut Runder Tisch

Waldemar-Petersen-Straße: Ein Jahr und keine Lösung

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Umbenennen, mit Zusatzschild versehen oder belassen? Die nach Waldemar Petersen benannte Straße – hier ein Straßenschild in Waldau – stellt noch immer einen Streitpunkt dar.

Waldau. Mehr als ein Jahr wird in Kassel schon über die enge Verbindung des AEG-Managers Waldemar Petersen zum nationalsozialistischen Regime diskutiert.

Noch ist zwischen Stadt und betroffenen Ortsbeiräten nicht geklärt, ob die Waldemar-Petersen-Straße umbenannt oder die Straßenschilder mit Zusatztafeln versehen werden sollen – oder aber vielleicht gar nichts geschehen soll.

Die Lösung des Straßenproblems lässt auf sich warten. Dazu beitragen soll ein erneuter Runder Tisch im Jahr 2016. Nach den Weihnachtsferien solle ein Termin gefunden werden, kündigt Oberbürgermeister-Referent Reinhard Weist an. Schon im Dezember 2014 hatten sich Ortsbeiräte und Stadt zum Runden Tisch versammelt, um auf die von Manfred Efinger (Darmstadt) ausgelöste Debatte zu reagieren. Der Politologe hatte im September 2014 ein Buch über die Rolle des einstigen NS-Wehrwirtschaftsführers Waldemar Petersen veröffentlicht.

Zusatztafeln angekündigt

Ursprünglich hielt Oberbürgermeister Hilgen (SPD) die Umbenennung der Straße für angebracht, das hätte mehr als 700 Anwohner betroffen. Seither schlägt die Stadt vor, die Straßenschilder mit Zusatztafeln zu versehen. Diese Tafeln sollten nach ihrer Ankündigung bereits im August angebracht werden, sie fehlen aber heute noch.

Mit dem erneuten Treffen komme man dem Wunsch der Ortsbeiräte nach, sagte Weist. Etwas anders hört sich der vom Ortsbeirat Waldau am Mittwochabend beschlossene Antrag zur Waldemar-Petersen-Straße an. Damit fordert das Gremium die Stadt auf, erneut zu einem Runden Tisch einzuladen. Diese Zusage hätten Verwaltung und Magistrat nach dem ersten Treffen gegeben, aber bis heute nicht eingelöst, begründete Jürgen Blutte (Grüne) die von ihm formulierte Initiative. Weiter heißt es im Antrag: „Der Ortsbeirat Waldau erwartet, dass bis zum Abschluss der Gespräche von Seiten der Verwaltung keinen neuen Tatsachen vorschnell geschaffen werden.“

Auf Kritik von Ortsbeiratsmitgliedern stieß die von der Stadt ohne Rücksprache angekündigte Anbringung der Zusatztafeln. Irritiert zeigten sich Mitglieder über mehrere Textvorschläge der Verwaltung für die Tafeln. Zu klären sei daher auch, ob für die Petersen-Straßenschilder der Zusatz „Von 1933 bis 1945 war er mitverantwortlich für die Vertreibung jüdischer Mitarbeiter aus dem Unternehmen AEG“ überhaupt noch aktuell sei.

Der Ortsbeirat Waldau habe weder einen Beschluss zur Umbenennung der Straße noch dagegen gefasst, stellte Ortsvorsteher Joachim Bonn (SPD) klar. „Auch ich habe noch Gesprächsbedarf“, meinte Dirk Seeger (SPD). Er wolle von der Verwaltung zum Beispiel hören, was eine Umbenennung für die Bewohner bedeuten würde.

Jutta Schwalm (CDU) verspricht sich wenig von einem erneuten Treffen. Den ersten Runden Tisch im Dezember 2014 bezeichnete sie als „absolut sinnlos“.

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