Teil lag 70 Jahre lang im Boden 

Wrackteil gibt Rätsel auf: Flügel eines US-Kampffliegers geborgen

Kassel. Lange Zeit wurde der Fund nicht öffentlich gemacht: Nun ist bekannt geworden, dass im Stadtteil Waldau bei Bauarbeiten ein Flügel eines US-Kampfflugzeuges gefunden wurde.

Der Flieger muss im Zweiten Weltkrieg dort abgestürzt sein.

70 Jahre lang blieb das Wrackteil der Lockheed P-38 Lightning unentdeckt. Der Leiter der städtischen Museen, Dr. Kai Füldner, plant, den Fund im Stadtmuseum zu präsentieren. Bereits im Februar 2015 war der 4,50 Meter lange Flügel bei Baggerarbeiten im Industriegebiet Waldau ans Licht gekommen. Nach der Bergung wurde das Wrackteil gereinigt und ins Museumsdepot gebracht. Auf dem Flügel ist schemenhaft noch der Stern der US Air Force zu erkennen.

Auffälliges Aussehen: Die P38-Lightning war mit doppelten Leitwerksträgern konstruiert worden.

„Es handelt sich eindeutig um einen Flügel der P-38 Lightning“, sagt Füldner. Die Flugzeuge wurden vor allem von 1943 bis 1945 als Begleitjäger der amerikanischen Bomberverbände eingesetzt undwaren wegen ihrer großen Reichweite auch zur Aufklärung im Einsatz. Wie genau der Flügel nach Waldau kam, ist noch unklar. Möglich sind sowohl ein Abschuss durch deutsche Flaks oder Flugzeuge als auch eine Bruchlandung. Der Fundort an der Falderbaumstraße liegt in der Nähe des ehemaligen Flughafens Kassel-Waldau. 

In den Kriegsjahren wurde dieser von der deutschen Luftwaffe genutzt und nach der Eroberung im April 1945 durch die US Air Force. Diese richtete dort ihre Operationsbasis für die letzten Kriegstage ein. „Im März 1944 gab es einen Angriff von amerikanischen Bombern auf den Flughafen. Eventuell gehört der Flügel zu einem der Begleitjäger“, sagt Füldner. Möglich ist es ebenso, dass es sich um eine Bruchlandung handelt, als die US Air Force den Flughafen besetzt hatte. Eine solche ist für Juli 1945 belegt. Dabei wurde der Pilot verletzt.

Dr. Kai Füldner, Leiter der städtischen Museen, will nun weitere Nachforschungen anstellen. Er will herausfinden, warum das US-Kampfflugzeug abstürzte und was mit dem Piloten passierte. Dazu verfolgt er zwei Theorien:

1. Theorie:

• Das Flugzeug war als Aufklärer oder Begleitjäger eines Bomberverbandes über Kassel unterwegs und wurde abgeschossen. Es könnte auch an dem Angriff auf den Flughafen Waldau im März 1944 beteiligt gewesen sein. Dies würde erklären, warum zwar der Flügel, nicht aber der Rest des Flugzeuges gefunden wurden. Bei einem Abschuss in großer Höhe würden beide Teile weit voneinander entfernt am Boden einschlagen.

Gegen die Theorie spricht, dass die Deutschen ein Flugzeugteil der US Air Force im Jahr 1944 wegen der Rohstoffknappheit vermutlich sofort eingeschmolzen hätten.

2. Theorie

• Die Maschine hat eine Bruchlandung auf dem Flughafen in Waldau hingelegt, als dieser schon in amerikanischen Händen war. In US-Archiven ist ein solcher Absturz einer P-38 Lightning für den 16. Juni 1945 vermerkt. Der Aufklärer wurde von Pilot Ardell Louis Persinger geflogen, der bei dem Absturz verletzt wurde. Persinger war von 1943 bis 1946 Testpilot einer Reparatureinheit. „Es ist gut denkbar, dass die Amerikaner die Bruchstücke einfach in einem der Bombenkrater, die es rund um den Flughafen Waldau gab, vergraben haben. Dann würde der Rest des Flugzeugs wohl in einem der anderen Krater verborgen liegen“, sagt Füldner.

Die Maschine

• Die P38-Lightning von Lockheed wurde als Abfangjäger und Aufklärer vor allem im Pazifikkrieg eingesetzt. Auch der Autor des Buches „Der kleine Prinz“, Antoine de Saint-Exupéry, der Kampfpilot war, kam bei einem Aufklärungsflug in einer P38-Lightning ums Leben.

Wrackteil aus Zweitem Weltkrieg entdeckt

Rubriklistenbild: © Ludwig

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