1200 Beschäftigte beteiligten sich 

Warnstreik der IG Metall: „Die Leute sind stinksauer“

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Für den Verkehr stadteinwärts gesperrt: Etwa 45 Minuten blockierten die Teilnehmer des Warnstreiks die Holländische Straße.

Kassel. Die IG Metall will den Druck in der Tarifrunde erhöhen und hat am Montag ihre Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie fortgesetzt.

An den Aktionen in Kassel beteiligten sich insgesamt 1200 Mitarbeiter. Die Warnstreiks fanden am Morgen parallel an zwei Standorten - vor der Bombardier-Werkseinfahrt an der Holländischen Straße sowie vor dem Werkstor von Krauss-Maffei Wegmann (KMW) an der August-Bode-Straße - statt. 

„Wenn die Arbeitgeber nichts draufpacken, dann ist das heute erst der Anfang.“ Folgen hatte das für den Straßenverkehr: 700 Beschäftigte von RLS, Bombardier, RMMV, Rheinmetall Technical Publications, RGM Expersite, Zeppelin Reimelt, Henschel IT Hdl. und Henschel Antriebstechnik zogen vom Bombardier-Firmengelände auf die Holländische Straße. Sie legten für etwa 45 Minuten den Verkehr auf der Spur in Richtung stadteinwärts lahm.

„Wir wollen unseren Unmut auf die Straße bringen“, sagte dazu Oliver Dietzel, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Nordhessen. Die Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern hätten bislang zu keinem Ergebnis geführt. Die IG Metall fordere fünf Prozent mehr Geld. Die Arbeitgeber wollten die Beschäftigten mit 0,9 Prozent mehr abspeisen.

Die geforderten fünf Prozent mehr für die Beschäftigten seien fair im Verhältnis zu den Gewinnen, die sich die Betriebe in die Taschen stecken würden. Das Angebot der Arbeitgeber sei eine „Unverschämtheit“ und eine „Frechheit“, meinten auch Heiko Horn (Betriebsratsvorsitzender Rheinmetall/MAN), Peter Hoppe (Leiter des Vertrauenskörpers VW) und Holger Kindler (Sprecher der DGB Region Nordhessen). „Wir wollen nur das, was uns zusteht“, sagte Holger Kindler.

500 der 700 Teilnehmer an der Holländischen Straße waren Mitarbeiter von Bombardier. Auf die derzeit besonderen Probleme des 850 Mitarbeiter starken Standorts Kassel machte Betriebsratsvorsitzender Markus Hohmann aufmerksam.

Keine Wertschätzung

Die Arbeitgeber wollten den Auszubildenden acht Euro mehr geben. „Das ist kein Wertschätzung“, kritisierte Björn Heise von der Jugend- und Auszubildendenvertretung von RMMV. Seine Forderung wurde von Teilnehmern mit viel Applaus aufgenommen. „Fünf Prozent für alle, sonst gibt’s Krawalle.“

„Die Leute sind stinksauer“, berichtete auch Eva Volkmann, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Nordhessen. Deshalb sei auch die Beteiligung am Warnstreik vor dem Werk von Krauss-Maffei Wegmann so gut gewesen. Rund 500 der insgesamt 800 am Montag arbeitenden Beschäftigten nahmen an der Kundgebung teil. Insgesamt zählt der Betrieb in Kassel etwa 1300 Beschäftigte.

Zu Warnstreiks aufgerufen hatte die IG Metall auch in Frankenberg bei der Firma Hettich und in Hatzfeld bei der Frank Walz- und Schmiedetechnik.

Kritik an der Situation bei Bombardier

Viel los vor dem Bombardier-Werk an der Holländischen Straße: Foto: Koch

Bei dem Warnstreik am Montag wurde von Bombardier-Beschäftigten auch das umstrittene Restrukturierungskonzept der Geschäftsleitung thematisiert. „Hände weg von den Kasseler Lokomotiven“ hieß es auf einem der Plakate. Eine andere Aufschrift brachte den gegenwärtigen Unmut der Beschäftigten nach Einschätzung des Betriebsratsvorsitzenden Markus Hohmann auf den Punkt: „Wenn das Bombardier Management glaubt, dass man mit Kündigungen und Produktionsverlagerungen Probleme löst, dann glauben die auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten.“

Nach Hohmanns Angaben beteiligten sich Mitarbeiter aller deutschen Bombardier-Standorte an dem Warnstreik. Gesamtbetriebsrat und IG Metall lehnen das Konzept der Geschäftsleitung ab. Schon im Jahr 2014 habe man ein neunseitiges Papier mit alternativen Vorschlägen vorgelegt. Hohmann: „Bis jetzt ist aber nichts passiert. Das können wir uns nicht gefallen lassen.“

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