10.000 demonstrierten in Kassel und vor VW für fünf Prozent mehr Lohn

Warnstreiks der IG Metall: Die Stimmung ist aufgeheizt

Blaumann und rote Gewerkschaftsfahnen: Zur Kundgebung der IG Metall kamen gestern nach Gewerkschaftsangaben 3000 Mitarbeiter von zahlreichen Kasseler Betrieben aus der Metall- und Elektroindustrie. 2 Fotos:  Fischer

Kassel/Baunatal. So viele Mitarbeiter wie schon lange nicht mehr setzten sich am Mittwoch lautstark vor dem VW-Haupttor in Baunatal für ihre Interessen ein.

Bis weit zurück auf das Werksgelände staute sich der Strom der Beschäftigten des größten Arbeitgebers der Region. Nach Schätzung der Veranstalter – rund 6000 Frauen und Männer. Die Auswirkungen des Abgasskandals waren in den Reihen überall spürbar.

„Die Stimmung ist aufgeheizt“, kündigte Betriebsratschef Carsten Bätzold im Gespräch mit der HNA unmittelbar vor der Protestveranstaltung zu den laufenden Tarifverhandlungen an. In der Tat: Lauter und energischer als in den Jahren zuvor machten die VWler aus Baunatal ihrem Ärger mit Trillerpfeifen, Trommeln und Zwischenrufen Luft.

Abgaskrise und Leiharbeit

„Das sind so viele Leute wie schon lange nicht mehr“, sagte auch IG-Metall-Bevollmächtigter Oliver Dietzel. Deutliche Worte dann zur aktuellen Krise: „Die Verbrechen einiger Volkswagen-Mitarbeiter lasten auf uns allen. Das hat aber nichts mit uns zu tun. Wir wollen unseren gerechten Anteil.“ Betriebsratschef Carsten Bätrzold rückte zudem die Zukunft der 950 Leiharbeiter am Standort in den Blick. Der Markenvorstand von VW solle die Leiharbeiter nicht mehr wie Menschen zweiter Klasse behandeln, so Bätzold. „Die Verträge müssen ab Juli weiter verlängert werden.“

Zukunft bei Bombardier

Einen ähnlich starken Auftritt legten die Metaller in Kassel hin: Sie machten sich nicht nur mit Trillerpfeifen bemerkbar. Zahlreiche Autofahrer bekamen die Auswirkungen des Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie zu spüren. In der Kasseler Nordstadt waren sowohl die Holländische Straße stadteinwärts als auch die Wiener Straße blockiert. 3000 Beschäftigte waren nach Gewerkschaftsangaben dem Aufruf der IG Metall gefolgt. Unter ihnen waren auch Beschäftigte des Lokbauers Bombardier. Die haben neben der aktuellen Tarifauseinandersetzung noch ganz andere Sorgen. „Keiner sagt uns, wie es weiter geht, unter dieser Ungewissheit leiden wir alle“, sagt ein langjähriger Mitarbeiter. Noch ist nicht klar, ob und in welchem Umfang die Produktion bei Bombardier in Kassel fortgesetzt wird. Und das, obwohl es genügend Aufträge für die nächsten zwei Jahre gebe. Auch deshalb gingen gestern Mitarbeiter von Bombardier auf die Straße und demonstrieren zusammen mit den Kollegen von 20 anderen Firmen.

Henschel-Nachfolger

Die Bandbreite ist groß. Neben bekannten Namen wie Daimler, Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann gibt es zahlreiche Firmen, die an die Tradition der alten Henschel-Standorte anknüpfen. Darunter auch Henschel Antriebstechnik und Henschel Industrietechnik.

Position der IG Metall

Der Branche insgesamt gehe es gut, sagt Oliver Dietzel der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Nordhessen. Die Forderung nach fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt sei angesichts der Gewinne, die gemacht werden, absolut legitim; rieft er ins Mikrofon und bekam dafür viel Beifall.

Auch der Verhandlungsführer des IG Metall-Bezirks Mitte, Jörg Köhlinger, – er sprach auch in Baunatal – erneuert die Forderung. Die Gewerkschaft setze darauf, dass es bis Pfingsten eine Annäherung gibt. Ansonsten sei man bereit zu weiteren Warnstreiks.

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