Lange Schlangen in Filialen

Warten aufs Paket: DHL-Kunden kritisieren mangelnde Zustellung

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Die neue Paket-Zustellbasis der Deutschen Post DHL an der Rudolf-Diesel-Straße im Industriepark Kassel: Von hier aus starten die Zustellfahrzeuge zu den 60 Touren in Kassel und Umgebung.

Kassel. „Das ist Betrug am Kunden“, ärgert sich Uwe Bartel. Erst per Sendungsverfolgung im Internet erfuhr der Geschäftsmann aus dem Stadtteil Forstfeld, dass sein DHL-Paket nach einer Woche Lagerung im Paketzentrum Staufenberg-Lutterberg in der Post-Filiale am Forstbachweg abgeladen wurde.

Es gab keinen Zustellversuch und auch keine Benachrichtigung im Briefkasten, sagt Bartel. Für ihn ist der schlechte Service eine Folge von Personalproblemen. Die schlecht bezahlten Fahrer stünden unter hohem Druck und „können nichts dafür“, meint Bartel. „Wir haben nicht zuwenig Leute“, entgegnet DHL-Sprecher Thomas Kutsch. Die Probleme in Kassel und Vellmar seien der im Mai gestiegenen Paketzahl, vielen erkrankten Mitarbeitern und technischen Problemen geschuldet. Um in Zukunft besser gewappnet zu sein, werde das regionale DHL-Team aufgestockt.

DHL wolle auf keinen Fall, dass die Kunden die Arbeit übernehmen und ihre Pakete selbst abholen müssten. Genau das werfen kritische Kunden dem Paketdienst nach der Vielzahl von Pannen in der Region vor.

Bei Günter Dietrichs aus Harleshausen hat es mit der Zustellung dann doch noch geklappt. Der 92-Jährige hatte in der Postfiliale im Reformhaus nach seinem Paket gefragt, das zuvor zehn Tage lang im Paketzentrum Lutterberg gelegen hatte, wie er anhand der Sendungsverfolgung im Internet in Erfahrung brachte. Aber im „Chaos auf der Post“ war das Paket nicht zu finden, berichtet Dietrichs. Am Montag dieser Woche, am 6. Juni, wurde das wichtige Paket, das DHL bereits am 19. Mai im Paketzentrum Aschheim übernommen hatte, endlich zugestellt. Günter Dietrichs hatte seine im ICE vergessene Tasche mit allen wichtigen Ausweisen und Papieren endlich wieder zurück.

In den Filialen, wo sich lange Warteschlangen bilden, hören die genervten Kunden im Hinblick auf fehlende Benachrichtigungen auch von einem Softwareproblem in den DHL-Computern. Vor allem Kunden, die kein eigenes Auto haben und eigenhändig abgeholte sperrige Kartons irgendwie durch die Stadt transportieren müssen, sind unzufrieden. Dass gar nicht mehr versucht werde, Päckchen zuzustellen, sondern die Sendungen ohne Benachrichtigung schlicht in der nächsten Postfiliale abgeladen und zur Selbstabholung bereitgehalten würden, halten die Betroffenen für einen Skandal.

Im Kasseler Paketzentrum der Deutschen Post DHL, das 2014 als mechanisierte Zustellbasis an der Rudolf-Diesel-Straße im Industriepark nahe des Güterverkehrszentrums (GVZ) in Betrieb genommen worden war, arbeiten bisher 70 Beschäftigte. Die Zustellbasis soll das Paketzentrum in Staufenberg-Lutterberg entlasten und ist weitgehend automatisiert.

In der 4000 Quadratmeter großen Halle steht eine automatische Verteileranlage, die den Zustellern alle Paketsendungen an bis zu 60 sogenannten Endstellen zuordnet. Dort werden die Päckchen in die Fahrzeuge geladen und in den 60 Zustellbezirken in Kassel und Umgebung verteilt. Bis zu 200 Pakete täglich muss ein Zusteller an die Kunden ausliefern.

Im seit 1994 bestehenden Frachtlogistikzentrum Staufenberg-Lutterberg an der A 7 sind rund 350 Mitarbeiter beschäftigt, die jeden Tag rund 150.000 Pakete auf die Reise schicken.

Video: So funktioniert die Zustellung

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