Anwohner beschweren sich über Gelbe Säcke

Ärger wegen Mülls in Wehlheiden: Zustände wie in Neapel

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So sieht es schon am Nachmittag nach der Abholung am Haus Kirchweg 7 aus: Der Müll von aufgerissenen Säcken fliegt herum. Obwohl die Stadtreiniger erst in zwei Wochen wieder kommen, stehen die ersten Gelben Säcke wieder an der Straße.

Kassel. „Hier herrschen neapolitanische Verhältnisse“, sagt ein 33-jähriger Mann, der in einer Wohnung am Kirchweg im Kasseler Stadtteil Wehlheiden lebt.

Damit meint der Anwohner allerdings nicht die Vorzüge wie das Meer oder das Aroma von Spaghetti Napoli, die man mit der drittgrößten Stadt Italiens in Verbindung bringen könnte, sondern die Müllberge vor seiner Haustür. Müllberge in Form von Gelben Säcken. Über die ärgern sich einige Bewohner im Quartier Kirchweg/Hentzestraße/Friedenstraße seit Jahren. Andere stellen ihre Gelben Säcke derweil einfach vor den Nachbarhäusern ab. Und das lange, bevor diese von den Stadtreinigern abgeholt werden.

Illegaler Müllsammelplatz: Bewohner von Kirchweg und Hentzestraße entsorgen ihre Gelben Säcke Tage vor der Abholung gern im öffentlichen Raum.

Müllberge aus bis zu 20 bis 30 Gelben Säcken seien keine Seltenheit, sagt der Anwohner. Ungeziefer wie Fliegen und Ratten mache sich breit. Igel rissen die Säcke auf der Suche nach Nahrung und Pfandsammler auf der Suche nach Flaschen auf. Bei Wind werde der Müll dann über die Straße verteilt. Im Sommer sammelten sich Fliegen rund um die Säcke, sagt der Mann. Er habe sich bereits mehrfach bei den Stadtreinigern über die Zustände beschwert. Auch ein einmaliges Rundschreiben des Entsorgers habe keine Besserung gebracht. Darin wurden die Anwohner erneut aufgeklärt, dass die Säcke erst kurz vor der Abholung vor die Tür gestellt werden dürfen. „Viele sind einfach beratungsresistent.“

Der Mann erzählt, dass Bewohner, die hundert Meter entfernt wohnten, ihre Gelben Säcke vor dem Mehrfamilienhaus abstellen, in dem er lebt. „Die tun so, als ob es das Normalste der Welt ist, anderen den Müll vors Fenster zu kippen. Eigentlich passt das nicht zu Wehlheiden.“

„Unmögliches Verhalten“

„Das ist ein unmögliches Verhalten“, sagt Ortsvorsteher Norbert Sprafke. Man könne nur an die Anwohner appellieren, sich an die Regularien zu halten, indem sie die Säcke erst kurz vor der Abholung rausstellten.

„Für uns ist das auch ein Riesenproblem“, sagt Birgit Knebel, Sprecherin der Stadtreiniger. Bei Problemstellen, wie zum Beispiel in Wehlheiden, informierten die Stadtreiniger die Anwohner und Wohnungseigentümer und appellierten an das Verantwortungsgefühl jedes einzelnen, für ein positives Erscheinungsbild des gemeinsamen Wohnumfeldes zu sorgen. Darüber hinaus böten die Stadtreiniger bereits seit geraumer Zeit eine Bereitstellungstonne an. Mit einer Einmalzahlung von 55 Euro erhalte der Kunde eine 240 Liter Tonne mit gelbem Deckel, die alle 14 Tage vom Standplatz geholt, geleert und wieder zurückgestellt werde. Für größere Wohneinheiten biete man die 1100 Liter Bereitstellungstonne zu 190 Euro an.

Das geplante Wertstoffgesetz, das die Einführung einer Wertstofftonne vorgesehen hatte, wurde durch den Entwurf eines Verpackungsgesetzes modifiziert. Vor diesem Hintergrund, so Knebel, sei derzeit nicht mehr mit der Einführung einer Wertstofftonne zu rechnen.

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