Autofahrer und Radfahrer beschuldigen sich gegenseitig - Polizei ermittelt

Erstmals Unfall bei Fahrraddemo "Critical Mass" in Kassel

+
Wir behindern nicht den Verkehr, wir sind Verkehr: Unter diesem Motto fuhren die Teilnehmer dieser „Critical Mass“ in Kassel. Das Foto wurde im vergangenen Jahr aufgenommen. 

Kassel. 200 Radfahrer beteiligten sich im Juni 2013 an der ersten Fahrraddemo „Critical Mass“ in Kassel. Die Critical-Mass-Bewegung will mit ihren Rundfahrten durch die Stadt für mehr Rechte von Radlern gegenüber dem Autoverkehr eintreten.

Am vergangenen Freitag kam es nun erstmals zu einem Unfall zwischen einem Autofahrer und einem Radfahrer von „Critical Mass“. Die Schilderungen über den Hergang des Unfalls in Wehlheiden unweit des Wehlheider Kreuzes gehen dabei weit auseinander.

Fest steht, so Polizeisprecher Torsten Werner, dass um 19.40 Uhr etwa 50 Radfahrer auf der Kohlenstraße stadteinwärts unterwegs waren. In Höhe der Kochstraße kam es zum Zusammenstoß eines Mercedes, der von einem 49-jährigen Mann aus Kassel gefahren wurde, mit einem 31-jährigen Radfahrer aus Kassel. Der 31-Jährige wurde bei dem Sturz leicht verletzt.

Erste Version

Gregor Anselmann aus Kassel, der von Anfang an bei „Critical Mass“ mitfährt, beschrieb den Unfall folgendermaßen: „Wirklich unfassbar. Ein Mercedesfahrer fährt volle Kanne in einen Pulk Fahrradfahrer und die Polizei kümmert sich gar nicht um den Täter, sondern belangt den umgefahrenen Fahrradfahrer wegen Nötigung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Begründung: "Die Critical Mass hätte nicht auf zwei Spuren fahren dürfen.

Polizeisprecher Werner weist diese Darstellung zurück. Die Polizeibeamten vom Revier Mitte hätten sich bei der Aufnahme des Unfalls neutral verhalten und die widersprüchlichen Aussagen der Beteiligten aufgenommen. 

Zweite Version

Der Radfahrer habe ausgesagt, dass er mit den anderen Radlern auf der linken und rechten Spur stadteinwärts unterwegs gewesen sei. Der Mercedesfahrer habe versucht, die Radler auf der Gegenfahrbahn zu überholen und sei dann plötzlich nach rechts auf die linke Stadteinwärtsspur eingeschert. Dabei sei er der Radler von dem Mercedes berührt worden. Der Mercedesfahrer habe indes behauptet, dass er auf der linken der beiden Spuren stadteinwärts gefahren sei. Plötzlich sei der Radfahrer von der rechten auf die linke Spur gewechselt, so dass es zum Zusammenstoß kam.

Dritte Version

Es gibt aber noch eine dritte Version: Eine 30-jährige Zeugin berichtete der HNA, dass sie auf der linken Spur hinter den Radfahrern langsam hinterhergefahren sei. Plötzlich habe sie - kurz vor der Kochstraße - auf der rechten Spur der Mercedesfahrer mit unangemessen hoher Geschwindigkeit überholt und habe sie fast noch geschnitten, als er vor ihr auf die linke Spur gefahren sei. Dabei sei es zum Zusammenstoß mit dem Radfahrer gekommen, sagt die 30-Jährige. „Es ist ein Wunder, dass nicht noch mehr passiert ist.“ Anschließend habe der sehr aggressive Autofahrer die Tür aufgerissen und habe den Radfahrer beschimpft. „Der muss in Kauf genommen haben, in die Radfahrer reinzufahren.“

Die Polizei ermittele nun gegen den Autofahrer wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung, sagt Werner. Es gebe auch Ermittlungen gegen den Radfahrer wegen des Verdachts der Nötigung.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.