Bunker-Umbau in Wehlheiden: „Sägen beißen sich Zähne aus“

Wehlheiden. „Wir haben viele Projekte gemacht. Dass wir im letzten Drittel unseres Wirkens aber noch solche Aufgaben bekommen, macht schon großen Spaß“, sagt Peter Grund (58) von der Architektengemeinschaft „Groger Grund Schmidt“ aus Wehlheiden.

Die Architekten sind derzeit zum Beispiel für die Sanierung des Renthofs an der Fulda und den Umbau des Hochbunkers an der Gräfestraße in Wehlheiden verantwortlich.

Es handelt sich um den ersten Bunker, den Grund, der auch Bauleiter des Projekts ist, für die zivile Nutzung umbaut. Mitte nächsten Jahres sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, zwölf Wohnungen mit einer Gesamtfläche von 1400 Quadratmeter sollen dann bezugsfertig sein. Der Bunker steht unter Denkmalschutz, alle Umbaumaßnahmen sind mit den Denkmalschützern in Stadt und Land abgestimmt worden.

Eine Sache begeistert Grund besonders: Der Bunker wurde als einer der wenigen Tarnbunker in ganz Deutschland gebaut. Von außen sollte das Gebäude so aussehen, als ob es sich um ein normales Wohnhaus handelt. 76 Jahre später wird dieser angebliche Zweck nun auch erfüllt sein, wenn die zwölf Wohnungen fertig sind.

Der Kasseler Insolvenzverwalter Dr. Fritz Westhelle hat den Bunker als Privatmann mit zwei Partnern im vergangenen Jahr von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gekauft. Die drei Eigentümer wollen je zwei Wohnungen für sich und ihre Familien behalten, die restlichen sechs sind schon alle an neue Eigentümer verkauft. Was der Umbau beziehungsweise die Eigentumswohnungen kosten, darüber gibt es keine Auskunft.

Damit der Bunker bewohnbar wird, dafür ist die Arbeit der Göttinger Firma Beton-Abbautechnik BAT unverzichtbar. Die Experten schneiden seit Wochen Löcher in die 1,30 Meter starken Außenwände. Dort entstehen die Fenster. Auf der Nordseite, wo Schlaf- und Badezimmer untergebracht werden sollen, seien die Öffnungen kleiner, sagt Grund. Nichtsdestotrotz müssen dafür auch um die sieben Tonnen schwere Betonklötze aus der Wand geholt werden.

Die Blöcke, die für die bis zu zwölf Quadratmeter großen Fenster auf der Südseite herausgeschnitten werden, wiegen um die 15 Tonnen, sagt Grund. Zum Teil sollen die Blöcke wieder verwendet werden, etwa für das neue Eingangsbauwerk mit Fahrstuhl, das auf der Nordseite entsteht.

Die Experten aus Göttingen arbeiten an den Außenwänden mit dem Seilsägeverfahren. Dafür werden an den vier Fensterecken kleine Löcher in die Wand gebohrt. Die Diamantseilsäge sorgt dann für die Schnitte. In der Mitte des Blocks werden zudem mit einem Kernbohrer zwei Löcher gemacht, damit die Blöcke später mit einer Kette aus der Fassade gezogen werden können.

Der Beton, der vor über 70 Jahren verwendet wurde, habe eine sehr gute Qualität, sagt der Bauleiter. „Die Sägen beißen sich daran die Zähne aus.“

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