Universität und Fraunhofer sind starke Partner

Weichen auf Strom gestellt: VW und Zulieferer arbeiten an Zukunftstechnologie

Steckt noch in den Kinderschuhen: die Elektromobilität. Experten sind sich aber einig: Sie ist nicht aufzuhalten. Archivfoto: nh

Die Elektromobilität steckt noch in den Kinderschuhen. Aber Nordhessen mischt bei dieser Zukunftstechnologie ganz vorn mit. Auf einem Kongress berichten Fachleute heute über den Verlauf eines einzigartigen Pilotprojekts

Für Manuel Krieg ist die Sache klar. Die flächendeckende Elektromobilität wird sich durchsetzen - früher oder später. „Ich bin überzeugt, dass bei uns in 20 Jahren keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden“, sagt er. Der 33-Jährige ist beim Regionalmanagement für die Zukunftstechnologie Elektromobilität zuständig.

Seiner Einschätzung nach werden der VW-Abgaskandal, der die Grenzen herkömmlicher Motorentechnik aufgezeigt hat, und der Druck, den der US-Autobauer Tesla mit seinen zukunftsweisenden Elektrofahrzeugen auf die Autokonzerne in aller Welt ausübt, die Umstellung auf die Elektromobilität stark beschleunigen. Vor einer Woche erst hat VW 30 E-Modelle angekündigt, die Reichweiten von 300 Kilometer haben sollen.

Manuel Krieg

Und dennoch: Noch ist die Elektromobilität ein zartes Pflänzchen in der Region. Anfang September waren in Stadt und Kreis Kassel nur 241 von insgesamt gut 317.000 zugelassenen Fahrzeugen reine Stromer. Und nach vorsichtigen Schätzungen des Regionalmanagements arbeiten Nordhessen-weit etwa 1000 Menschen in diesem Bereich. Zum Vergleich: In der Metall- und Elektroindustrie sind es rund 30.000, in der Bahntechnik 5000 und in der Luft- und Raumfahrt 3000.

Aber die Elektromobilität hat ein riesiges Potenzial, darin sind sich alle Branchenkenner einig. Das Regionalmanagement wird nicht müde, Zulieferer und Versorger sowie Infrastruktur-Anbieter und Forschungseinrichtungen zu ermuntern, schon jetzt die Weichen zu stellen.

Einige haben das bereits getan. Volkswagen hat die konzernweite Entwicklung und Herstellung des Elektro-Antriebs in Baunatal angesiedelt. Mit der Universität und dem Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (Iwes) verfügt Kassel über einen starken Forschungsverbund auf diesem Gebiet. Die Städtischen Werke, die Kasseler Verkehrsbetriebe, der Regionalversorger EAM und die Stadtwerke-Union Nordhessen (Sun) haben seit Jahrtzehnten Erfahrung mit der Elektromobiliät und betreiben einen Teil der Nordhessen-weit 200 Ladepunkte, davon allein 28 in Kassel sowie 50 in Stadt und Umland.

Aber auch eine Reihe weiterer Akteure spielt in Sachen Elektromobilität in vordester Reihe mit: so auch die Plug´n Charge GmbH (einstecken und laden) aus Bad Emstal mit ihrer fortschrittlichen Lade-Infrastruktur (siehe Bericht unten), das Continental-Werk in Bebra (Kreis Hersfeld-Rotenburg), die Autozulieferer Konvekta (Schwalmstadt) und Finoba (Baunatal), der Hersteller des ultraleichten Elektrodreirads Twike in Rosenthal (Kreis Waldeck-Frankenberg) sowie zahlreiche Fahrradhändler in der Region, die vor Jahren bereits das Umsatzpotenzial der beliebten Elektrozweiräder entdeckt haben. Auch der Kasseler Bahn- und Bustüren-Hersteller Bode mischt mit. Er liefert die extrem leichten Aufbauten für den Streetscooter der Deutschen Post - ein neuartiges Auslieferungsfahrzeug, von denen der Logistik-Konzern mindestens 35.000 Exemplare bauen lassen will.

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