Zeuge Jehovas Paul Otto Schneider bekommt Plakette am Entenanger

21 weitere Stolpersteine in Kassel

Paul Otto Schneider. Foto: privat/nh

Kassel. An elf Orten in der Stadt werden am heutigen Donnerstag, 4. September, in Kassel die nächsten Stolpersteine verlegt. Bei der Aktion des Künstlers Gunter Demnig soll an die Opfer der NS-Zeit erinnert werden.

Einer der 21 Steine wird für den 1886 geborenen Paul Otto Schneider verlegt. Er war ein aktives Mitglied der Kasseler Gemeinde der Zeugen Jehovas und einer der ersten Verhafteten seiner Religionsgemeinde in Nordhessen nach dem Verbot auf der Grundlage der Reichstagsbrandverordnung im Jahre 1933.

Ihm wurde vorgeworfen, dass Zeugen Jehovas im Juni 1937 auch in Kassel Flugblätter verteilt hatten, in denen sie ihre brutale Verfolgung durch die „bibelfeindlichen“ Nazis anprangerten. Nach dem Verteilen dieses „Offenen Briefes“ kam es zu mehreren Verhaftungen von Zeugen Jehovas.

HNA-Lexikon

Mehr Informationen über die Stolpersteine im Regiowiki der HNA

Schneider, der mit seiner Ehefrau Emmi und der Adoptivtochter Erna am Kasseler Entenanger lebte, wurde zum ersten Mal im Juli 1937 inhaftiert. Es folgen verschiedene Stationen in Gefangenschaft, zuletzt im KZ Buchenwald. Paul Otto Schneider kam am 29. April 1943 ums Leben. Sein Totenschein beschreibt als Todesursache „Lungenentzündung bei Ruhr“, eine meist zynische Umschreibung für die Folgen von Unterernährung und Misshandlung.

Die Stolpersteine werden vor den zuletzt von den Menschen privat gewählten Wohnorten im Bürgersteig eingelassen. Die Stationen sind:

13 Uhr:  Dorothea-Viehmann-Str. 4 für Wilhelm Marker, geb. 1894, ermordet 1940 Sachsenhausen.

13.30 Uhr: Kirchweg 82 für Hermann Levy, geb. 1872; Johanna Levy, geb. Levy 1885, beide ermordet 1944 Auschwitz.

14 Uhr: Friedrich-Ebert-Str. 90: Julius Oppenheim, geb. 1885, ermordet 1942 Riga.

14.30 Uhr: Entenanger 2 für Mathilde Popper, geb. Kern 1876, ermordet 1942 Ravensbrück; Siegfried Popper, geb. 1905, Schicksal unbekannt; Mirjam Marie Laufer, geb. Popper 1906, ermordet 1942 Sobibor; Renée Fanny Laufer, geb. 1933, ermordet 1942 Sobibor; Flora Silber, geb. Popper 1908, ermordet 1940 Brandenburg; Pepi Hoffmann, geb. Popper 1909, Flucht 1937 USA.

15 Uhr: Entenanger 10 für Paul Otto Schneider, geb. 1886, Zeuge Jehovas, ermordet 1943 Sachsenhausen.

15.30 Uhr: Weserstraße, Finanzzentrum Altmarkt 1 für Moritz Rosenthal, geb. 1897, Ludwig Rosenthal, geb. 1894 und Elly Rosenthal, geb. 1904, alle drei ermordet 1943 Auschwitz.

16 Uhr: Mönchebergstraße 18 für Ilse Felsenthal, geb. 1912 - Flucht 1935 Palästina.

16.30 Uhr: Verbindungsweg Schäfer- und Müllergasse für Sara Nußbaum, 1868, deportiert 1942 Theresienstadt; Rudolf Nußbaum, geb. 1867, misshandelt 1934 tot.

17 Uhr: Untere Königsstraße 81 für Ernst Freudenthal, geb. 1907, Flucht 1933 Palästina.

17.30 Uhr: Rotenburger Str. 22 für Emil Ernst, geb. 1896, ermordet 1943 Sobibor; Clara Ernst, 1890, ermordet 1944 Auschwitz; Marianne Ernst, geb. 1920, ermordet 1942 Auschwitz.

Die nächste Verlege-Aktion findet am 14. Oktober statt.

Von Christina Hein

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