Kleinod wird für 1,13 Mio. Euro hergerichtet

Ehemaliger Kuhstall des chinesischen Dorfes Mulang wird saniert

Wird bis 2017 saniert: Der ehemalige Kuhstall des chinesischen Dorfes Mulang wird seit zwei Jahrhunderten als Wohnhaus genutzt. Dies soll auch künftig wieder so sein. Fotos: Ludwig

Kassel. Die chinesische Anmutung hat das Haus längst verloren: Das Gebäude „Mulang 5“ gehörte zum Dorf „Mou-lang“, das Landgraf Friedrich II. im Bergpark errichten ließ.

Derzeit lässt das Land mit Hilfe einer Bundesförderung das Haus an der Mulangstraße für 1,13 Mio. Euro sanieren. Was ursprünglich als Kuhstall diente, wird bereits seit über 200 Jahren als Wohnhaus genutzt.

Wann genau der Grundstein für den Bau gelegt wurde, ist nicht bekannt. Er wird auf die Jahre 1780 bis 1785 datiert. Die einzige erhaltene Bauskizze zeigt, wie das Haus ursprünglich aussah. Es hatte die für asiatische Bauten typische geschwungene Dachform, glasierte Ziegeln und eine bunte Fassade. In dieser Form diente es im künstlich errichteten Dorf als Kuhstall.

Kolorierter Stich aus 1791: Dieses Bild zeigt den Mulang im Bergpark. Zu sehen sind v. l. Kuhstall, Speisesaal, Milchhaus, Windmühle, Pagode, kleines Chausseehaus und die Moschee.

Mit dem Parkdorf wollte Friedrich II. die Parkanlage durch eine exotische Inszenierung ergänzen und vom Schloss aus das idyllische Landleben bestaunen. Obwohl es auch eine Mühle, einen Schafsstall, ein Küchen-, ein Hirten- und ein Milchhäuschen gab, wurde echte Landwirtschaft dort nie betrieben. Es wurden zwar wenige Tiere gehalten, die Gebäude waren aber mehr Spielerei. Das galt auch für eine Moschee, die sich ebenfalls im Dorf befand.

Kolorierter Stich aus 1791: Dieses Bild zeigt den Mulang im Bergpark. Zu sehen sind v. l. Kuhstall, Speisesaal, Milchhaus, Windmühle, Pagode, kleines Chausseehaus und die Moschee.

Das für die Adligen zur Schau gestellte Landleben am Mulang, für das auch schwarze Arbeiter als „exotische Anschauungsobjekte“ angestellt wurden, war nur von begrenzter Dauer. Spätestens ab 1850 gab es keine Viehwirtschaft mehr. Die Gebäude waren wie „Mulang 5“ zum Teil im klassizistischen Stil umgebaut und aufgestockt worden. Wilhelm IV, der Sohn von Friedrich II., betätigte sich bei der Umgestaltung des Zierdorfes.

Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Kuhstall von einem Pächter bewohnt worden. Waren zunächst Bedienstete des Hofes in den Mulang-Häusern untergebracht, sind es heute in der Regel Mitarbeiter des Landes, die den ersten Zugriff bei der Anmietung haben.

Im Zuge der laufenden Sanierung des Gebäudes „Mulang 5“, die 2017 abgeschlossen werden soll, kam jetzt der ursprüngliche Stallboden zum Vorschein. Auch stellten Experten bei Untersuchungen der Bausubstanz fest, dass sehr viel älteres Holz beim Bau des Hauses verwendet wurde. Bei der Holzaltersbestimmung wurden Balken entdeckt, die aus dem Jahr 1683 stammen. So altes Holz wurde in Gebäuden des Bergparks noch nie nachgewiesen. Es stammt vermutlich aus Gebäuden, die zuvor abgerissen worden waren. Die Zweitverwertung von Baumaterial war seinerzeit üblich.

Mit ungefähr gleichem finanziellen Aufwand wird aktuell das Gebäude Mulang 8 saniert - der Schafstall des chinesischen Dorfes. Von den einst 20 Gebäuden des Dorfes haben 13 die Jahrhunderte überstanden: Darunter die Pagode, zwei ehemalige Kuhställe, der Schafstall, Küchenhaus, Milchkammer, drei Chausseehäuser und Bagatelle.

Woher kommt der Name Mulang? 

Zur Herkunft des Namens „Mulang“ (ursprünglich „Mou-lang“) gibt es mehrere Erklärungen:

• Eine lautet, es handele sich um eine Umformung des französischen Wortes für Mühle (Moulin) - eine solche war ebenfalls Bestandteil des Dorfes.

• Eine weitere Erklärung geht zurück auf den Kaiser von China, der seinerzeit in einem Gebiet Jagden abhielt, das „Mulan“ hieß. Auch in Europa wurden diese Zeremonialjagden des Kaiser bekannt. Für diese Theorie spricht, dass durch den Kasseler Mulang ein Fluss führte, der „Kiang“ hieß, ein chinesisches Wort für Fluss. Dies lässt darauf schließen, dass auch bei der Namenswahl für das Dorf ein direkter Bezug zur chinesischen Kultur gewählt wurde. Im 17. und 18. Jahrhundert war Europa von der China-Begeisterung ergriffen.

Lexikonwissen: Mulang im HNA-Regiowiki

Schlagworte zu diesem Artikel

PeterSchaberick
(2)(0)

Das Haus war ein Kuhstall. Darin stand eine Kuh. Die muhte lang. Daher der Name Mulang.:)

Kassel99
(0)(0)

Ein tolles Gebäude! Wäre wirklich schade gewesen, wenn es komplett verfallen wäre. Da kann man sicher was Schönes draus machen!

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.