Engpass bei Baumaterial für den Bergpark: Auf der Suche nach Tuffstein

Bohrt auf der Windwurffläche im Habichtswald bis in eine Tiefe von 40 Metern: Igor Janz von der Firma Handke aus Dirmstein bei Ludwigshafen. Für die Museumslandschaft Hessen Kassel und den Landesbetrieb für Bau und Immobilien Hessen ist das Unternehmen auf der Suche nach Tuffstein, der für Sanierungsarbeiten im Bergpark verwendet werden könnte. Fotos: Thon

Kassel. Es ist vor allem der heimische Tuffstein, der dem Bergpark Wilhelmshöhe seinen einmaligen Charakter verleiht. Doch seine Ressourcen gehen zur Neige.

Daher sucht derzeit die Firma Handke aus Dirmstein bei Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) im Habichtswald nach Lagerstätten, in denen das Baumaterial künftig abgebaut werden kann. Der Landesbetrieb für Bauen und Immobilien Hessen (LBIH) hat dazu den Auftrag erteilt. Zuvor hatte die Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) Bedarf an dem Rohstoff angemeldet.

Lexikonwissen: Der Bergpark im HNA-Regiowiki

Auf einer Windwurffläche am Ahrensberg nahe dem ehemaligen Schießstand auf dem früheren Standortübungsplatz bei Ehlen hofft Geologe Wolfgang Stey, fündig zu werden. Alte geologische Karten und die Ergebnisse aktueller Recherchen seien vielversprechend. Sechs bis sieben Meter unter der Erdoberfläche beginnt der zwei bis drei Millionen Jahre alte sogenannte obere Verwitterungshorizont des Tuffs. Danach folgt das poröse Gestein. Es ist vulkanischen Ursprungs.

Bei Explosionen vor 15 Millionen Jahren waren enorme Mengen Staub und Asche aufgewirbelt worden. Ihre Ablagerungen bilden den Tuffstein, aus dem die Löwenburg, Teile des Herkules und die Wasserwege im Bergpark bestehen. Die Firma aus Rheinland-Pfalz bohrt in eine Tiefe von bis zu 40 Metern. „Wenn sie auf Tone und Sande stößt, wissen wir, wie mächtig der Tuffstein ist“, erläutert der Geologe. Weil bei Tieren am 1. März die Brut- und Setzzeit beginnt, müssen aus Gründen des Naturschutzes die Arbeiten bis Ende Februar abgeschlossen sein.

Zwischenlager im Habichtswald: Im Steinbruch Kuhberg abgebauter Tuffstein am Wegrand.

Die Frage, die hinter den sechs Probebohrungen am Ahrensberg steht, lautet: Eignet sich das Material für künftige Sanierungs- und Erhaltungsarbeiten? Dafür, so Stey, sollte der Tuffstein eine möglichst hohe Druckfestigkeit und Frostsicherheit besitzen. Denn eigentlich gilt das poröse Material aufgrund seiner Witterungsanfälligkeit als schlechter Baustoff. Das Baustofftechnische Labor an der Uni Kassel wird die Bohrkerne untersuchen und deren Güte analysieren. Von der Qualität sei abhängig, ob der Tuffstein am Ahrensberg letztlich auch abgebaut werde, sagt Wolfgang Stey. Für einen Abbau, so Astrid Schlegel, Leiterin der Bauabteilung der MHK, müssten zunächst ein Planfeststellungsverfahren eingeleitet und diverse Genehmigungen eingeholt werden. Vor dem Jahr 2019 werde nichts geschehen. „Bislang handelt es sich lediglich um Erkundungen“, betont sie. Fest stehe aber auch, im Habichtswald existierten nicht mehr viele Standorte. Und Flora-Fauna-Habitate seien tabu. Daher halte man auf Windwurfflächen Ausschau.

Die Reserven, die aus dem Steinbruch am Kuhberg im Druseltal stammen, sind bald erschöpft. In Zwischenlagern an Waldwegen im Habichtswald liegen nur noch wenige Quader bereit. Doch der Bedarf an Baumaterial wird auch in den kommenden Jahren hoch bleiben.

Hintergrund: Probebohrungen

Für die anstehenden Sanierungsarbeiten am Schloss Wilhelmshöhe dürften die Tuffsteinreserven kaum reichen, sagt Astrid Schlegel, Leiterin der Bauabteilung bei der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK). Nach den Arbeiten am Weißensteinflügel wird der Rohstoff knapp.

Über die Probebohrungen am Ahrensberg hofft man, Vorräte zu erschließen, die für künftige Arbeiten erforderlich sein werden. Für die Sanierungsarbeiten an der Löwenburg komme man mit dem vorhandenen Tuffstein hin. Aber in 30 bis 50 Jahren müssten das Bauwerk und andere Elemente des Parks erneut ertüchtigt werden. Im 18. /19. Jahrhundert hatte es nahe dem Bergpark viele kleine Steinbrüche gegeben, aus denen Tuffstein in variierenden Zusammensetzungen und unterschiedlicher Färbung abgebaut worden war.

Multimedia-Reportage mit den Sehenswürdigkeiten des Bergparks

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