Fanarbeit des KSV Hessen: Projekte zu Beginn der nächsten Saison

Sie hoffen, dass ein Fanprojekt für Kassel bald realisiert wird: Michael Gabriel (von links), Thomas Schneider, Jonas Gabler, Sebastian Göbel und Rainer Langer von der Abteilung „Herzblut“ sowie Dennis Pfeiffer.

Kassel. Mit der Einstellung von 30.000 Euro in den Haushalt 2016 der Stadt ist die Einrichtung eines Fanprojekts für den KSV Hessen Kassel in greifbare Nähe gerückt.

Experten informierten jetzt in Eppo’s Clubhaus über die Vorteile, Ziele und Struktur von Fanprojekten vor gut 100 Besuchern.

Kommunikation, die Vermittlung zwischen Fanszenen, Fans und Vereinen, Fans und Polizei, steht laut Michael Gabriel von der Koordinierungsstelle Fanprojekte der Deutschen Sportjugend im Mittelpunkt von Fanprojekten. „Sie leisten vor allem Sozialarbeit“, sagte er. Zu den Zielen gehört unter anderem die Vorbeugung von Gewalt und Diskriminierung jeglicher Art. Gabriel: „Dabei geht es nicht um die Abschaffung von Rivalitäten zwischen verschiedenen Fanblöcken, sondern darum, diese in bestimmte Bahnen zu lenken.“ Die Stärkung von Persönlichkeit, Selbstwertgefühl und Verantwortungsbewusstsein vor allem jugendlicher Fans spiele dabei eine entscheidende Rolle. Auch eine drogenfreie Umgebung in Fußballstadien und bei Auswärtsspielen gehört zu den Zielen.

Eskalationen vorbeugen

Die Vermittlungsarbeit beschreibt auch Thomas Schneider, Leiter des Fachbereichs Fanangelegenheiten der Deutschen Fußball-Liga, als Kernaufgabe von Fanprojekten. „Die Kommunikation zwischen zwei Parteien ist der Schlüssel, um Eskalationen vorzubeugen“, sagte er. So hätten sich beispielsweise Vorbesprechungen zwischen Fanvertretern und Einsatzleitung der Polizei vor Fußballspielen als sehr effektiv erwiesen. Eskalationen lassen sich aber nicht immer verhindern. Schneider: „Dann ist die gemeinsame Aufarbeitung von Fehlerketten wichtig.“

Buchautor Jonas Gabler von der Kompetenzgruppe Fankulturen und sportbezogene soziale Arbeit bezeichnete die sozialpädagogische Intervention durch Fanprojekte als Erfolgsmodell. „Deren Nutzen wird immer noch unterschätzt“, sagte er. Fanprojekte arbeiten unabhängig von Vereinen, Sicherheitsbehörden und der Fanszene. Institutionell verankert sind sie in der örtlichen Jugendhilfe durch einen anerkannten Träger. Ein solcher Träger wird laut Gabriel in Kassel noch gesucht.

Zur nächsten Saison

Wird nach der Kommunalwahl am 6. März grünes Licht für ein Fanprojekt in Kassel gegeben, könnte dieses laut Gabriel aus organisatorischer Sicht zum Beginn der kommenden Saison seine Arbeit aufnehmen. Kommt das Fanprojekt in Kassel zustande, schießt das Land Hessen noch einmal 30 000 Euro zu, 60 000 Euro kommen vom Deutschen Fußballbund. Davon würden ein Sozialarbeiter und Räume als Anlaufstelle für Fans finanziert. In Kassel leistet derzeit bereits der bei der Stadt angestellte Sozialarbeiter Dennis Pfeiffer in zeitlich geringem Umfang Fanarbeit.

Eingeladen zu der Veranstaltung hatte die Fan- und Mitgliederabteilung „Herzblut“ des KSV Hessen Kassel und die von der Stadt geförderte Fansozialarbeit Kassel.

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