Ortsbeirat hat keine grundsätzlichen Bedenken gegen Pläne

Minarette sind nur Dekoration: Gebetsrufe wird es nicht geben

Das Baugrundstück: Bislang nutzt das Islamische Zentrum Kassel die Flachbauten an der Josephstraße 5.

Kassel. Das Islamische Zentrum Kassel will eine Moschee im Stadtteil Wesertor bauen. Ortsbeirat hat keine grundsätzlichen Bedenken gegen Pläne des Bauherrn.

Noch sind die 1,2 Mio. Euro für den geplanten Moscheebau an der Josephstraße im Wesertor nicht zusammen. Omar Dergui, Vorsitzender des Islamischen Zentrums Kassel, zeigte sich bei der Präsentation der Pläne im Ortsbeirat Wesertor aber optimistisch. Zwar habe der Moscheeverein nur etwa 75 aktive Mitglieder, zu den Freitagsgebeten kämen aber regelmäßig 200 Besucher.

Der Zuspruch sei gut, weil der Imam auf Arabisch und Deutsch predige. Zudem stehe der Verein Muslimen aller Nationalitäten offen – Kulturen und Traditionen spielten eine untergeordnete Rolle. Der Großteil der Mitglieder seien Deutsche mit Migrationshintergrund. Omar Dergui selbst stammt aus Marokko. Die Mitglieder gehören zur größten Glaubensrichtung des Islams, den Sunniten.

Grundstück schon gekauft

Um 2014 das 1460 Quadratmeter große Grundstück an der Josephstraße 5 kaufen zu können, habe man anderthalb Jahre lang Spenden (260 000 Euro) sammeln müssen, so Dergui. Seit dieser Zeit nutze sein Verein die dortigen Flachbauten auf dem Areal als Domizil. Zuvor war das 2006 gegründete Zentrum an der Erzbergerstraße beheimatet.

Mehr über das Islamische Zentrum Kassel gibt es im Regiowiki.

Die Neubaupläne für die Moschee stammen in ihren Grundzügen bereits von der türkischen Atip-Gemeinde, die zuvor an der Josephstraße ansässig war. Diese Pläne seien leicht verändert worden, so Dergui. Es seien zwei niedrige Minarette geplant, diese hätten aber nur eine optische Funktion. Gebetsrufe sind in Kassel ohnehin nicht zulässig.

Die derzeit vom Moscheeverein genutzte Immobilie ist ein Provisorium. „Deswegen hoffen wir, das Geld so schnell wie möglich zusammenzuhaben“, erläuterte Dergui dem Ortsbeirat. Spenden seien bei Muslimen ein großes Thema. Es gebe keine Kirchensteuern oder Ähnliches, um Bauprojekte zu realisieren.

Sozialer Treffpunkt

So soll die Moschee aussehen: Der geplante Neubau an der Josephstraße im Wesertor soll zwei niedrige Minarette haben. Repro: Ludwig

Die Moschee soll nicht nur Platz für getrennte Gebetsräume für Männer und Frauen bieten, sie soll auch als sozialer Treffpunkt für Muslime dienen: Neben Seminarräumen, einer Teestube, einer Küche, einer Bibliothek, Waschräumen und Toiletten wird sie auch vier Wohnungen beherbergen. Eine Wohnung soll der Imam Mahmoud Abdulaziz bewohnen. Die weiteren Wohnungen sollen vermietet werden.

Der Imam wird vom Islamischen Zentrum finanziert. „Er wurde an der ägyptischen Al-Azhar-Universität zum Islamwissenschaftler ausgebildet“, erläutert Dergui. Seinen Abschluss habe er in deutscher Sprache abgelegt. Der Imam versuche durch Gespräche, Jugendliche vor der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) und extremistischen Strömungen zu bewahren.

Das Islamische Zentrum Kassel gehört keinem der islamischen Dachverbände an.

Das sagt der Ortsbeirat

Im Ortsbeirat Wesertor wurde keine grundsätzliche Kritik an dem Bauvorhaben oder den Aktivitäten des Vereins laut. Lediglich mögliche Verkehrs- und Lärmprobleme im Zusammenhang mit dem Betrieb der Moschee wurden diskutiert. Ortsvorsteherin Ingeborg Jordan (SPD) sagte, es müsse ohnehin zunächst abgewartet werden, ob das Geld für den Bau zusammenkommt. Aus der Nachbarschaft des Islamischen Zentrums gebe es jedenfalls keine negativen Rückmeldungen. „Herr Dergui ist ein kompetenter Mann und wir haben bislang keine Konflikte gehabt. Ich hoffe weiterhin auf ein gutes Miteinander im Stadtteil, wie wir es auch mit den anderen Moscheen pflegen.“

Das sagt der Ausländerbeirat

„Das Islamische Zentrum ist ein liberaler Verein“, so der Vorsitzende des Kasseler Ausländerbeirats, Kamil Saygin. Er könne die Bewertung des Verfassungsschutzes, nach der das Zentrum salafistisch beeinflusst ist, nicht nachvollziehen. Über die umstrittene Koranverteilung des Zentrums in Kassel habe er mit dem Vorsitzenden Dergui gesprochen, der selbst auch Mitglied des Ausländerbeirats ist. Saygin kennt Personen, die das Zentrum besuchen: „Das sind keine Extremisten. Das darf man nicht pauschalisieren.“ Theoretisch könnten in jeder Gemeinde Einzelpersonen extreme Auslegungen des Islams vertreten. Das Zentrum tue aber alles, damit solche Personen nicht Fuß fassen können.

Hintergrund: 16 Moscheen gibt es in Kassel

In Kassel gibt es 16 Moscheen. Die größte Moschee unterhält die türkisch-islamische Gemeinde am Mattenberg. In Kassel besuchen 3200 Muslime die Freitagsgebete.

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