Wettbüro-Prozess: Polizist berichtet von Teilgeständnis eines Angeklagten

Schweigen zu den Vorwürfen: Die vier Angeklagten sollen einen Wettbürobetreiber gewaltsam zur Aufgabe seines Kasseler Geschäfts gezwungen haben. Karikaturen: Reinckens
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Schweigen zu den Vorwürfen: Die vier Angeklagten sollen einen Wettbürobetreiber gewaltsam zur Aufgabe seines Kasseler Geschäfts gezwungen haben. Karikaturen: Reinckens

Kassel. Auch am dritten Tag im Prozess gegen vier Angeklagte, die mit Gewalt einen Wettbürobetreiber zur Aufgabe seines Kasseler Geschäfts gezwungen haben sollen, schwiegen die vier Männer. Einer von ihnen, ein 25-Jähriger, hatte bei der Polizei eine Aussage gemacht.

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Der Beamte, der ihn damals vernommen hatte, war am Dienstag als Zeuge geladen und berichtete von der Vernehmung. Die war durch einen Anruf des Anwalts dieses Angeklagten unterbrochen worden. Der hatte seinem Mandanten empfohlen, nichts mehr zu sagen, was der 25- Jährige auch befolgte, so dass die Vernehmung abgebrochen wurde. Der aktuelle Anwalt, Sven Schoeller, hatte am zweiten Verhandlungstag angekündigt, sein Mandant werde vor Gericht noch Angaben machen.

Laut dem Polizeibeamten sagte der 25-Jährige in der Vernehmung, dass es Tage vor der angeklagten Tat ein Treffen mit dem späteren Opfer gegeben habe, in dem der 42- jährige Angeklagte - laut Staatsanwaltschaft der Auftraggeber - das Angebot unterbreitet habe, dass Wettbüro zu kaufen. Danach sei das Gerücht kursiert, der Wettbürobetreiber habe behauptet, von den Angeklagten verbal bedroht worden zu sein. Um dies zu klären, hätten sich drei Angeklagte mit ihm ein weiteres Mal getroffen.

Gemeinsam sei man am Tattag zur Wohnung des 27-jährigen Angeklagten gefahren. In der Tiefgarage jenes Hauses sei das Gespräch eskaliert, die drei Angeklagten hätten auf den Wettbürobetreiber eingeschlagen. In der Wohnung habe der 27-Jährige ihm Schläge mit einem Gürtel verpasst. Mehr sei nicht passiert.

In der Anklage heißt es hingegen, die drei Angeklagten hätten in der Wohnung dem Wettbürobetreiber ein blutverschmiertes Messer gezeigt und ihm gedroht, ihm den kleinen Finger abzuschneiden, wenn er sein Geschäft nicht aufgibt. Das habe, so der Polizeibeamte, der 25-Jährige in seiner Aussage nicht bestätigt. Es sei zwar ein Messer im Spiel gewesen, doch damit sei nicht gedroht worden.

Gleichwohl sei der Wettbürobetreiber in der Wohnung davon überzeugt worden, Geld zu beschaffen, um angebliche Schulden bei dem 42-Jährigen zu zahlen. Laut Anklage organisierte er telefonisch über einen Bekannten 10 000 Euro in bar, die am selben Abend an den 25-Jährigen übergeben wurden. Seine drei Peiniger fuhren ihn ins Krankenhaus, der Wettbürobetreiber habe versprochen, sagte der 25-Jährige bei der Polizei, nichts zu verraten, sondern den Ärzten zu erzählen, dass er „von Bulgaren“ überfallen worden sei. Er hatte Wirbelbrüche, Prellungen, Schürfwunden und Hämatome erlitten. Voraussichtlich am nächsten Prozesstag, dem 19. Mai, soll er als Zeuge gehört werden.

Von Ralf Pasch

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