Kosten: 225 Millionen Euro

K+S will nun auch in Australien Salz gewinnen

Kassel. Der Kasseler Kali- und Salzproduzent K+S will für 225 Mio. Euro in Australien ein neues Salzwerk bauen, um die asiatischen Märkte künftig noch besser mit Industriesalzen beliefern zu können. Nachfolgend Fragen und Anworten zu diesem Thema

K+S ist bei Salz die unangefochtene Nummer eins in der Welt. Warum jetzt ein neuer Produktionsstandort?

Zum einen, um die Position weiter zu festigen, zum anderen wegen der Nähe Australiens zu den Wachstumsmärkten in Asien. Dort steigt der Industriesalzverbrauch stark, und davon wollen die Kasseler profitieren. Bislang ist K+S nur mit Vertriebsgesellschaften in Indien und Singapur vertreten. Vom Standort im westaustralischen Onslow kann Asien auf dem Seeweg schnell erreicht werden. Im vergangenen Jahr hat K+S weniger als 0,3 Prozent seines Salzes dort abgesetzt. Asien hat also ein großes Wachstumspotenzial.

Welche Bedeutung hat das Salzgeschäft für K+S?

Eine immer größere. In der Vergangenheit war der Umsatz mit Kali häufig größer als mit Salz. 2015 jedoch fiel der Salz-Umsatz (1,9 Milliarden Euro / Ergebnis vor Steuern 266 Millionen Euro) nur marginal geringer aus als der mit Kali (2,1 Mrd. Euro / 546 Mio. Euro). Hinzu kommt: Wenn der Kalipreis hoch ist, ist der Ergebnisbeitrag dieser Sparte weit größer als beim Salz. Ist Kali billig wie derzeit, sinkt das Ergebnis, während es beim Salz stabil bleibt oder steigt. Im ersten Quartal 2016 setzte K+S deutlich mehr mit Salz um, und der Ergebnisabstand zur Kali-Sparte schrumpfte ordentlich.

Heißt das, die umstrittene Zwei-Säulen-Strategie von Vorstandschef Norbert Steiner – Kali und Salz – geht auf?

Es sieht so aus. Steiner hat sich gegen innere und äußere Widerstände stets für dieses Geschäftsmodell eingesetzt. Das hat ihm viel Kritik eingebracht, weil das Salzgeschäft viele Jahre vergleichsweise wenig Geld eingebracht hat. Jetzt scheinen sich die Dinge zu drehen.

Wozu braucht man eigentlich Salz in der Industrie?

K+S unterscheidet Gewerbe- und Industriesalze. Während Gewerbesalze unter anderem in Färbereien, der Futtermittelproduktion, aber auch für Bohrspülungen in der Öl- und Gasförderung benötigt werden, sind Industriesalze einer der wichtigsten Rohstoffe der chemischen Industrie. Aus ihnen wird per Elektrolyse Chlor, Natronlauge und Wasserstoff als Ausgangsstoffe für die weitere Verarbeitung gewonnen. Die chemische Industrie, insbesondere die chinesische, sieht K+S als Hauptabsatzmarkt seines Solarsalzes aus Australien.

Wie funktioniert die Solarsalzproduktion überhaupt?

Das Prinzip ist mit der Herstellung von Meersalz, etwa am Mittelmeer, identisch, wenn auch größerem Maßstab: Meerwasser wird in große Becken geleitet und mit der Energie der Sonne verdunstet. Zurück bleiben die Salzkristalle, die aufbereitet und per Schiff verfrachtet werden. Die japanische Mitsui-Gruppe betreibt seit 2006 ein Solarsalz-Feld bei Onslow, das am Indischen Ozean an der Westküste Australiens liegt. Dort ist dank starker Sonneneinstrahlung eine besonders hohe Verdunstung garantiert. Die Becken von Mitsui haben eine Fläche von 87 Quadratkilometern (zum Vergleich Stadt Kassel: 107 Quadratkilometer). Dort können jährlich 2,5 Millionen Tonnen Salz geerntet werden. K+S will in seinem Ashburton Salt Project mit 75 Mitarbeitern 3,5 Millionen Tonnen produzieren. Das würde die Kapazität des Konzerns um über zehn Prozent steigern.

Wo produziert und fördert K+S Salz?

In zahlreichen Ländern Europas, in den USA, auf den Bahamas und in Chile im größten Salztagebau der Welt (Punta del Lobos in der Atacama-Wüste). Vor allem in Nordamerika betreibt der Konzern zahlreiche Anlagen zum Salzabbau. Entsprechend dominant sind Kanada und die USA als Absatzmarkt: Im vergangenen Jahr hat K+S dort 71,2 Prozent seiner Salzprodukte verkauft.

Bieten die Kasseler nur Industriesalz an?

Nein. daneben gibt es eine Vielzahl von Speisesalzen und natürlich Auftausalz für den Winterdienst. Die Basis all dieser Produkte bildet Natriumchlorid, also Kochsalz. Die Endprodukte im Portfolio von K+S unterscheiden sich nach Körnung, Reinheitsgrad, aber auch durch verschiedene Zusätze.

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