Untersuchungen laufen

Wind behindert Aufklärung: Ursache für Blitzeinschlag weiter unklar

Windrad
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Ein Flügel verstümmelt: Am Freitagabend hatte der Blitz in eines der Rotorblätter des Windrads eingeschlagen. Wieso der Blitzableiter versagte, ist noch nicht geklärt.

Kassel / Söhrewald. Wie konnte es zu dem Blitzeinschlag in den Flügel des Windrads in der Söhre kommen? Auch am fünften Tag nach dem Gewitter, bei dem der Blitz die Spitze eines Rotorblatts abgefetzt hat, ist diese Frage weiterhin völlig ungeklärt.

„Die Untersuchungen laufen unter Hochdruck“, sagte Heidi Hamdad, Sprecherin der Städtischen Werke, gestern auf Anfrage der HNA.

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Allerdings sei es für eine nähere Inspektion des beschädigten Windrads erforderlich, dass sich ein Spezialist abseile. „Das geht bei den derzeit starken Winden nicht“, sagte Hamdad. Die Windräder sind 196 Meter hoch. Die Nabe, an der die Rotorblätter befestigt sind, liegt in 140 Metern Höhe.

Alternativ könne man für die genauere Inspektion des Windrads einen Spezialkran oder eine Hebebühne einsetzen, aber diese seien auf die Schnelle nicht zu beschaffen. Daher sei das Ausmaß der Schäden, die der Blitz angerichtet hat, im Detail noch nicht bekannt. Wenn neben dem Rotorblatt auch die Elektronik des Windrads durch den Blitzstrom beschädigt worden ist, dürfte der Schaden in Millionenhöhe gehen. Warum der Blitzableiter seinen Dienst versagte, ist ebenfalls noch ungeklärt.

Zwar sind die Blitzableiter von Windrädern kein hundertprozentiger Schutz vor Schäden. Für extrem stromstarke Blitze, die sehr selten vorkommen, sind die Schutzvorrichtungen nicht ausgelegt. Bei dem Blitz, der am Freitagabend gegen 22.50 Uhr in den Flügel des Windrads einschlug, handelte es sich laut einem Wettergutachten, das der HNA vorliegt, aber nur um einen mittelstarken Blitz von 25 Kiloampere.

Heidi Hamdad

Zu der Frage, warum dennoch der Flügel zerstört wurde, äußerten sich der Hersteller Vestas und die Städtischen Werke bisher nicht. Man werde ebenfalls ein Blitzgutachten einholen, dieses liege aber noch nicht vor, sagte Werke-Sprecherin Heidi Hamdad. „Solange wir keine Details kennen, werden wir nicht wild über mögliche Ursachen spekulieren.“

Derzeit ist die beschädigte Anlage außer Betrieb, die anderen vier Windräder auf dem Warpel drehen sich weiter. Das kaputte Rotorblatt werde ersetzt, sobald man ein Ersatzteil in die Söhre schicken könne, sagte ein Sprecher von Vestas (Dänemark). Einen Zeithorizont nannte er nicht. Für den Schaden wird die Firma Vestas aufkommen, die noch Eigentümer der Anlage ist, die seit dem Jahreswechsel in Betrieb ist. Die Städtischen Werke, künftiger Betreiber des Windparks, haben die Windräder aber noch nicht vom Hersteller abgenommen. Solange die Ursache für den Blitzschaden nicht geklärt ist, wird das wohl auch nicht passieren.

Von Katja Rudolph

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