Dr. Gerhard König

Wingas-Chef König geht - Nachfolger kommt von Gazprom

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Dr. Gerhard König

Kassel. Der langjährige Chef des Kasseler Erdgas-Großhändlers Wingas, Dr. Gerhard König (50), hat das Unternehmen überraschend und mit sofortiger Wirkung verlassen.

Das teilte Wingas am Donnerstag mit. An seine Stelle tritt Dmitry Kotulskiy (38), der von der russischen Muttergesellschaft Gazprom kommt. Offiziell begründet wird die Personalie mit der Integration von Wingas in den Gazprom-Konzern sowie mit der Stärkung des Europa-Geschäfts.

König arbeitete seit 2002 für Wingas und war seit 2009 Sprecher der Geschäftsführung. Mit seinem Ausscheiden verbleibt mit Vertriebschef Dr. Ludwig Möhring nur noch ein Mitglied deutscher Herkunft in der Geschäftsleitung. Dem Management gehören weiterhin Artour Chakhdinarov (Beschaffung) und Gennady Ryndin (Finanzen) an. Alte Rechnung offen?

Aktualisiert um 19.15 Uhr

Im vergangenen Jahr hatte Gazprom den 50-Prozent-Anteil des Kasseler Erdgas- und Erdölförderers Wintershall übernommen und ist seither alleiniger Wingas-Gesellschafter. Über die tatsächlichen Gründe des nach Informationen aus Branchenkreisen unfreiwilligen Abgangs kann nur spekuliert werden. König selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Branchenkenner gehen von unterschiedlichen Auffassungen zwischen König und dem Grazprom-Management über die strategische Ausrichtung des Unternehmens aus. Möglich ist auch, dass Gazprom noch eine alte Rechnung mit König aus dessen Zeit als Wintershall-Manager offen hatte. Vielleicht ist der personelle Wechsel aber auch nur die logische Konsequenz aus der Komplettübernahme von Wingas. Der russische Energieriese wolle mit einem neuen Management aus den eigenen Reihen den vollständigen Durchgriff auf seine wichtige Gashandelstochter in Europa erlangen. An den Ab- und Umsatzzahlen kann der Weggang Königs kaum gelegen haben. Denn 2015 steigerte Wingas den Umsatz um 14 Prozent auf 14,4 Milliarden Euro und den Absatz sogar um 27 Prozent auf 630 Mrd. Kilowattstunden, was dem Jahresverbrauch von fast 31 Millionen Einfamilienhäusern entspricht.

Damit gehören die Kasseler zu den größten Gashändlern in Deutschland und Europa. Das Unternehmen beliefert Stadtwerke, Regionalversorger und große Industrie-Unternehmen. Wingas beschäftigt rund 600 Mitarbeiter, davon 500 in Kassel. Der vom russischen Staat kontrollierte Gazprom-Konzern ist einer der größten Energie-Lieferanten der Welt. Im vergangenen Jahr setzte das Unternehmen mit 410 000 Mitarbeitern rund 86,2 Milliarden Euro um. Unterm Strich blieb ein Reingewinn von 11,3 Mrd. Euro.

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