Missverständnisse bei Musikvideo-Dreh von Kasseler Rapper

Wirbel um Fahrt mit „Sturmgewehr“ auf Kassels Straßen

Mit der Waffe unterwegs: Für Videoaufnahmen fuhr der Rapper Tony Brown mit einem Gewehr durch Kassel. Foto:nh

Kassel. Ein Mann steht im offenen Schiebedach eines Mercedes und fährt durch Kassel. Im Anschlag hat er ein Gewehr. Ein Foto davon verbreitet sich im Netz , dazu Meldungen über Terroristen auf deutschen Straßen.

Anwohner rufen bei der Polizei an. Für die Aufregung gibt es jedoch eine harmlose Erklärung: Es handelt sich um den Dreh für ein Musikvideo des Kasseler Rappers Tony Brown (24).

Das „Sturmgewehr“ im gleichnamigen Video ist keine Feuerwaffe, sondern eine sogenannte Softairwaffe, eine spezielle Drucktluftwaffe, die häufig für taktische Geländespiele verwendet wird. Sie wurde für den Dreh eigens angeschafft. Die Szene dauerte laut Brown nur zwei Minuten. Das Echo hält aber noch immer an.

„Die Waffe ist nur ein Stilelement, genauso wie ich mich als Rapper eines bestimmten Jargons und Klischees bediene“, erklärt Brown. Vor dem Dreh habe er bei der Polizei angerufen, um die Szene anzumelden. „Das ist ja sonst unmenschlich, wenn Leute bei der Polizei anrufen und niemand Bescheid weiß“, sagt er dazu.

Aber nicht nur vor Ort führte der Videodreh für Verwirrung und Aufregung. Ein Foto, das Brown selber auf Facebook gepostet und mit dem Titel „Videodreh in vollem Gange“ versehen hatte, wurde von Unbekannten benutzt und im Netz vervielfältigt. Zahlreiche ominöse Seiten verbreiteten das Bild mit falschen Informationen. So hieß es beispielsweise „Migranten patrouillieren schwer bewaffnet durch Hessen“ und dass es sich um „von den USA finanzierte Terroristen“ handele. Auch überregionale Medien reagierten sofort. Beispielsweise berichteten Focus und die Hessenschau über den Dreh und das Missverständnis, das er ausgelöst hat.

„Anfangs fand ich die Entwicklung noch lustig, weil es ja auch Werbung ist.“ Als aber die Beleidigungen und Sprüche wie „Kopf ab“ sowie Hetze gegen Moslems, Migranten und Flüchtlinge zunahmen, hörte für Brown der Spaß auf.

Es ärgere ihn, dass mit seinem Bild Hetze betrieben werde und menschenverachtende Parolen verbreitet werden. Er fühle sich von Verschwörungstheoretikern unter falschen Tatsachen missbraucht. „Fremde sind nur Freunde, die man noch nicht kennt. Ich selber bin halb Tscheche, halb Nigerianer, Deutscher und vor allem Bewohner dieser Erde.“

Tony Browns Video gibt es seit heute online zu sehen. Der Song wird vom Kasseler Label „Genesis Music Group“ veröffentlicht. Er ist bei Amazon und iTunes erhältlich.

Das sagt die Polizei

Besser informieren Jürgen Wolf, Pressesprecher der Polizei, äußert sich zu dem Videodreh von Tony Brown: „Er hätte das von Grund auf anders aufziehen müssen.“ Für eine Genehmigung wäre die Straßenverkehrsbehörde, also die Stadt Kassel, zuständig gewesen. Diese leitet das dann an die Polizei. Brown hätte sich vorher besser informieren müssen. „Für Film- und Fernsehaufnahmen gibt es Ausnahmegenehmigungen, die er sich hätte einholen müssen.“ Brown habe bei der Leitstelle der Polizei angerufen und wurde an das Revier in Vellmar weitergeleitet, das ihn darüber informierte, dass sie nicht die zuständige Behörde sei. Es bestehe der Verdacht auf Verstoß gegen das Waffengesetz.

Hier geht es zu seiner Facebook-Seite mit Video.

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