Abstimmung am Donnerstag

Wird London-Trip billiger? Wie sich der Brexit auf unseren Alltag auswirken könnte

+
Attraktives Fotomotiv: Das Parlamentsgebäude in London mit Big Ben und einem typischen roten Doppeldeckerbus. London gehört zu den beliebtesten Zielen für Städtereisen. F

Kassel. Am Donnerstag stimmen die Briten über den möglichen EU-Austritt Großbritanniens ab. Wir haben mal überlegt, wie sich ein Brexit auf unseren Alltag auswirken könnte.

Sie fahren mit dem Auto auf der falschen Straßenseite, gießen sich Milch in den Tee und trinken Bier ohne Schaum. Außerdem leiden sie an einem kollektiven Sehfehler und glauben immer noch, das Wembley-Tor sei drin gewesen. Dafür stellen sie sich ohne Murren überall an. Und sonst? Was würde eigentlich passieren, wenn die Briten am Donnerstag wirklich mehrheitlich für den Brexit stimmen, also den Austritt aus der Europäischen Union?

Viele warnen vor den Auswirkungen auf die Wirtschaftsbeziehungen. Das klingt bedrohlich, aber für wen eigentlich? Wir haben uns mal in Kassel umgehört, wie sich unser Alltag nach dem Referendum verändern könnte.

Städtereisen

London ist eines der beliebtesten europäischen Ziele für Städtereisen. Allerdings ist London auch ein ziemlich teures Pflaster. „Da könnte etwas in Bewegung kommen“, sagt Klaus Spohr vom Reisebüro Wimke am Ständeplatz. Sollten die Briten der EU wirklich den Rücken kehren, wäre das aus seiner Sicht ein Eigentor. Die Wirtschaft auf der Insel werde geschwächt, das Pfund gerate unter Druck.

Für deutsche Urlauber werde es dann zwar billiger. Auf der anderen Seite müsse man auch wieder mit umständlicheren Grenzkontrollen rechnen. „Dann treffen noch mehr die Entscheidung für Barcelona statt London“, sagt Klaus Spohr.

Austausch

Durch einen Brexit würden Schüleraustausche und Bildungsprogramme sicher nicht unmöglich, aber doch schwieriger. Auch für die Paul-Julius-von-Reuter-Schule. „13 Schüler von uns waren gerade erst für vier Wochen in London“, sagt Karl-Friedrich Bätz, der Leiter der beruflichen Schule.

Die Schüler hätten sich nicht nur sprachlich weiterentwickelt, sondern auch zum Beispiel bei Großhandelsunternehmen und IT-Firmen Erfahrungen gesammelt. Ermöglicht hat das die Europäische Union mit ihrem Erasmus-Programm. „Davon profitieren nicht nur unsere Teilnehmer, sondern auch britische Schüler, die nach Deutschland kommen“, sagt der Direktor.

Produkte aus England

Typisch englisch mit Rose: Das Teeservice von Dunoon in der Königs-Galerie.

Zugegeben, viele Erzeugnisse von der Insel für den täglichen Bedarf fallen uns nicht ein. Aber was ist eigentlich mit dem Tee, für den dieEngländer ja nun wirklich berühmt sind. Drohen da irgendwelche Engpässe? „Bei uns bestimmt nicht“, sagt Klaus Frawley, der die Filiale von Tee Gschwendner in der Königs-Galerie betreibt. Die Rohstoffe bezieht er allerdings nicht aus England, sondern direkt aus Indien, China, Japan und Sri Lanka.

Trotzdem verfolgt Frawley, der Wurzeln in der ehemaligen Kronkolonie Australien hat, die Diskussion mit großem Interesse. Er verkauft nämlich auch Teetassen. Und die werden bei der Firma Dunoon in Mittelengland produziert. Bisher sei der Handel mit diesem typisch englischen Porzellanprodukt völlig unkompliziert. Das könnte sich beim Brexit bald ändern.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.