Zu wenig Regen begrenzt Entsorgung in Werra

Wohin mit der Salzlauge? K+S sucht Notlösung für Übergang

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Rohr in die Werra: Salzlauge wird in der Nähe des K+S-Standorts Hattorf des Kaliproduzenten K+S in Philippsthal in den Fluss eingeleitet.

Kassel. Der Kasseler K+S-Konzern hat eine Gewinnwarnung ausgesprochen. Um aus der aktuellen Entsorgungsklemme für seine Salzabwässer zu kommen, prüft er nun den Einsatz von Lkw- und Bahntransporten.

In Kesselwagen soll zumindest zeitweise weggefahren werden, was wegen zu niedrigem Wasserstand nicht in die Werra und wegen der scharf gekürzten Einleiterlaubnis auch nicht mehr durch Versenkbohrungen in poröse Gesteinsschichten im Untergrund darf. Fragen und Antworten:

Züge voller Abfalllauge aus dem Kalibergbau - ist das denn erlaubt?

Lkw- und Bahntransporte hat K+S in der Vergangenheit schon genutzt, um Abwasser vom Standort Neuhof-Ellers zur Werra zu fahren, als dort nahe Fulda 2006 die Versenkung in den Untergrund nicht weiter erlaubt wurde. 90 Lkw pendelten in Spitzenzeiten, bis im Oktober 2013 eine 63-Kilometer-Rohrleitung die Fahrten überflüssig machte. Der Salzabwassertransport aus Neuhof-Ellers zur sowieso hoch belasteten Werra und heftiger Widerstand aus Politik und Umweltschutz brachte damals die Entsorgung bei K+S ins Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit.

Aber wo sollen die Salzwasserzüge und Lkw-Kolonnen denn hinfahren?

Theoretisch könnten sie dort abladen, wo auf dem Papier der Planer noch Salzwasser in die Flüsse passt – trotz aller Vorgaben, Gewässer sauberer zu machen. Ab 2021 soll ja ein neues Rohr Lauge vorbei an der Werra leiten, in die nicht noch mehr davon darf als seit 1942 erlaubt. Das Rohr soll direkt zur Oberweser – trotz erbitterten Widerstands vor Ort und in Niedersachsens Landespolitik. Rohr oder Lkw – so oder so wäre eine behördliche Einleitgenehmigung nötig. Das gilt auch für Ideen, Kesselwagen gleich zur Nordsee zu schicken. Auch die Ostsee war immer schon mal im Gespräch.

Das hört sich nicht nach rascher Notlösung an, oder?

Eher nicht. Es gibt aber auch Platz in aufgegebenen Kaligruben. Vor allem in Niedersachsen, wo ausgebeutete Lagerstätten wie riesige Dome in der Vertikalen liegen und nicht wie im Werrarevier als flache horizontale Bänder. Alte Salzbergwerke in ihren nicht verfüllten Bereichen zu fluten, ist in Niedersachsen laut Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie vorgeschrieben. So will man Einbrüche, schlimmstens bis ganz nach oben, verhindern.

Gibt es Beispiele für eine derartige Entsorgung?

Ja, schwach radioaktives Salzwasser aus der Atommüll-Grube Asse bei Wolfenbüttel wird seit 2009 ins alte Bergwerk Mariaglück abgelassen. Mengenmäßig fällt im Werrarevier aber viel mehr an.

Was sagt K+S zum Thema Kesselwagen?

Nichts Genaues - außer das man Lösungen suche.

Was sagt der RP zur gekürzten Versenkerlaubnis?

Nichts – außer dass das Computermodell, das die Ausbreitung zurücksteigender Versenkabwässer im Buntsandstein prognostizieren soll, wohl immer noch nicht so arbeitet, wie es die Versenkerlaubnisse fordern.

Hintergrund: K+S – Rohsalze zu Dünger

• Der K+S-Umsatz stieg 2015 um neun Prozent auf fast 4,2 Milliarden, das Vorsteuerergebnis um 22 Prozent auf 781,6 Mio. Euro. Reingewinn: 542,3 Mio. Euro. 

• Ergebnisprognose 2016 im April: unter der von 2015. Jetzt: Zehn Mio. Euro im zweiten Quartal statt 179, 2 Mio. Euro wie im Vorjahreszeitraum. 

• Die K+S KALI GmbH gewinnt in sechs deutschen Bergwerken kalium-, magnesium- und schwefelhaltige Rohsalze, die zu Dünger verarbeitet werden. Der Konzern beschäftigt in Nord- und Osthessen fast 6000 Menschen, in Niedersachsen fast 1400. 

Stichwort: Gewinnwarnung

Das Wertpapierhandelsgesetz schreibt börsennotierten Unternehmen (K+S im MDax), Veröffentlichungspflichten vor. Eine Gewinnwarnung, (Warnung vor sinkenden Gewinnen), muss unverzüglich erfolgen. Aktieninhaber verkaufen dann oft Anteile, der Börsenwert des Unternehmens sinkt. (tpa)

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