Das Dorf in der Stadt

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Brunnen: Der Brunnen vor der Kirche erinnert in seinem Aussehen an die rapanui Moai Maea, die Steinfiguren auf den Osterinseln.

Kassel. Wer behauptet, Kassel sei nicht schön oder habe keine grünen, idyllischen Flächen zu bieten, war noch nie im Stadtteil Wolfsanger.

Ganz im Nordosten Kassels gelegen, wurde Wolfsanger 1936 eingemeindet. Dabei ist der Ort sogar 100 Jahre älter als Kassel selbst und konnte 2011 sein 1200-jähriges Bestehen feiern.

Wald, Felder, Wiesen und nicht zuletzt die Fulda begrenzen den Ortsteil, der sich seinen dörflichen Charakter und Charme bewahrt hat. Am Hang gelegen hat man von den meisten Häusern aus einen wunderbaren Blick auf die Fuldaauen Richtung Niestetal und Söhre. Damit haben die Wolfsangerer ihr eigenes Naherholungsgebiet direkt vor der Haustür.

Auch wenn man hier noch viele alte Fachwerkhäuser findet, landwirtschaftliche Betriebe vorhanden sind und die Straßenführung zuweilen verwinkelt ist, entstand zwischen dem alten Dorf und der Hasenhecke seit 2005 doch Kassels größtes Neubaugebiet.

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Mittelpunkt des Dorfes ist die Johannis-Kirche, die 1725 von Landbaumeister Giovanni Ghezzi mit Unterstützung von Landgraf Karl gebaut wurde. An ihrem Platz stand jedoch schon zuvor die Johanneskirche, die bereits 1019 urkundlich erwähnt wurde, als Kaiser Heinrich II. das Gotteshaus dem Kloster Kaufungen zum Geschenk machte. Verbunden damit war das Recht, in Wolfs-anger einen Wochen- und dreitägigen Jahrmarkt abzuhalten.

Ihr Standort auf dem Opferberg verweist auf eine alte Feuer- und Opferstätte, die wie der Osterbrunnen vermutlich der germanischen Göttin Ostara gewidmet war.

Die Johanneskirche brannte 1385 aus und stand fortan als Ruine da. Ein kleineres Gebäude wurde errichtet, dessen hölzerner Glockenturm bei einem Orkan zerstört wurde, so dass die Glocken zu Bruch gingen.

Die Kirche wurde zwar wieder aufgebaut, doch in den folgenden Jahrhunderten verfiel sie erneut, bis 1675 die Benutzung des Gotteshauses ganz eingestellt wurde und ein Abbruch erfolgte. 1725 wurde schließlich der Neubau der Kirche in der Nähe des alten Standortes eingeweiht.

Auch diese Kirche war von der Zerstörung nicht gefeit. Sie wurde beim Bombenangriff am 3. Oktober 1943 schwer getroffen – und wieder aufgebaut. (zgi)

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