Fachwerkhaus aus dem Jahr 1694 in Wolfsanger abgerissen

Kasseler Kulturdenkmal nach 322 Jahren plattgemacht

Das blieb von dem Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert übrig: Diese Balken sind noch brauchbar und könnten für ein Backhaus an der Johannis-Kirche genutzt werden. Foto: Siemon

Kassel. Dieser Abriss sorgt für Gesprächsstoff. Im Ortskern des Kasseler Stadtteils Wolfsanger ist ein Fachwerkhaus aus dem Jahr 1694 dem Erdboden gleichgemacht worden.

Es war das zweitälteste Haus im Stadtteil, stand unter Denkmalschutz und musste dennoch weichen.

„Wenn man das sieht, blutet einem das Herz“, sagt Ortsvorsteher und Schreinermeister Helmuth Brehm. Über viele Jahre habe man den Verfall beobachten können. Der langjährige Besitzer sei aus Krankheitsgründen nicht mehr in der Lage gewesen, sich um das Haus zu kümmern. Über das beschädigte Dach sei vermutlich jahrelang Feuchtigkeit eingedrungen.

Vor dem Abriss: So sah das verputzte Fachwerkhaus an der Wolfsangerstraße zuletzt aus. Foto: Wiegand / nh

Genau so war es nach Angaben der Stadt. Mehrere Balken und tragende Teile auf der Wetterseite seien völlig durchgefault gewesen.Fachleute der Denkmalschutzbehörde hätten sich vor Ort darüber informiert. Eine Sanierung wäre demnach für den neuen Eigentümer viel zu teuer und wirtschaftlich nicht zumutbar gewesen.

Deshalb habe es in Absprache mit dem Landeskonservator und dem Denkmalbeirat die Genehmigung zum Abriss des historischen Gebäudes gegeben.

Das Fachwerkhaus, das trotz seines zuletzt schlechten Zustandes ein Kulturdenkmal war, ist verloren. Die noch intakten Holzbalken und insbesondere der Türstock aus dem 17. Jahrhundert könnten allerdings gerettet werden.

Dazu gibt es bereits eine Initiative aus den Reihen des Fördervereins Stadtteilkultur in Wolfsanger. Mit einer Spendenaktion sollen die Überbleibsel des Fachwerkhauses gesichert und möglicherweise für einen Neubau verwendet werden. Küster Ralph Ansorg hatte die Idee, das Material für ein kleines Backhaus in der Nähe der Kirche zu nutzen. Hier stehen noch mehrere Fachwerkhäuser.

Leerstand wird es auf dem Grundstück an der Wolfsangerstraße 104 nicht geben. Nach Angaben der Stadt plant der Eigentümer den Neubau eines größeren Mehrfamilienhauses für zehn Parteien. Der Bauantrag liegt seit August vor. Bereits im kommenden Jahr könnte gebaut werden.

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