Gedenkveranstaltung mit 450 Menschen

Yozgat-Vater: Gericht soll nach Kassel kommen

Kassel. Seine Forderung ist nicht neu, aber am Mittwochnachmittag machte sie Ismail Yozgat, der Vater des vor zehn Jahren ermordeten Halit Yozgat, noch einmal ganz deutlich: Die Umbenennung der Holländischen Straße in Halit-Straße sei seine Lebensaufgabe geworden.

Er forderte alle „autorisierten Personen in Berlin, Wiesbaden und Kassel" auf, seine Familie bei dieser Lebensaufgabe zu unterstützen. Er sei überzeugt, wenn diese wichtige Hauptverkehrsstraße in Kassel nach seinem Sohn umbenannt werde, würde die Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) niemals in Vergessenheit geraten.

450 Menschen waren anlässlich des zehnten Todestages von Halit Yozgat auf den Halitplatz in der Nordstadt gekommen, um seiner und der neun weiteren Opfer des rechtsextremen Terrors zu gedenken. Sie zeigten Solidarität mit der trauernden Familie. Manche trugen Buttons mit „Halit war mein Bruder“.

Lesen Sie auch

Forderung nach Umbenennung in Halit-Straße - Frau festgenommen

Ismail Yozgat formulierte auch eine neue Forderung an Manfred Götzl, den Vorsitzenden Richter im NSU-Prozess am Oberlandesgericht (OLG) München. Das Gericht müsse einen Ortstermin im Internetcafé an der Holländischen Straße machen, in dem sein Sohn mit mehreren Kopfschüssen ermordet wurde. Damit solle bewiesen werden, dass Verfassungsschützer Andreas T., der vor zehn Jahren am Tatort war, gelogen habe. Entweder habe T. die Täter gesehen oder Halit selbst getötet, sagte Yozgat auf Türkisch. Seine Rede wurde in Etappen übersetzt. Sollte es keinen Ortstermin durch das OLG geben, sei das Urteil, das irgendwann in dem Prozess gesprochen werde, für ihn nichtig.

Es werde in dem Verfahren wohl bald ein Urteil geben, aber sie habe Zweifel, dass die Hintergründe der NSU-Mordserie jemals völlig aufgeklärt würden, sagte Barbara John, Ombudsfrau der Bundesregierung für die NSU-Opferfamilien. Wenn man bei den Sicherheitsbehörden in dieser Sache tiefer bohre, dann würde das die Bundesrepublik erschüttern, so John.

Aber glücklicherweise gebe es jetzt bei der Polizei auch kritischere Kräfte, die an der Aufklärung interessiert seien. Der 6. April 2006, der Todestag von Halit Yozgat, sei auch im Bewusstsein der Bundesregierung, sagte John. Das solle sie von Bundeskanzlerin Angela Merkel ausrichten.

450 Menschen kommen zur Gedenkveranstaltung für Halit Yozgat

Tarek Al-Wazir, Hessens stellvertretender Ministerpräsident, entschuldigte sich bei den Angehörigen für das „Versagen des Staates“ bei dieser „unfassbaren Mordserie“. Das Versagen drücke sich darin aus, dass die Gefahr von Rechtsradikalen unterschätzt worden sei, die Täter untertauchen konnten und die Mordserie jahrelang nicht gestoppt werden konnte, so Al-Wazir. Zudem habe die Polizei die Angehörigen der Opfer jahrelang überwacht und mit der Mafia und Drogen in Verbindung gebracht. Man müsse alles dafür tun, dass sich solche Fehler nicht wiederholten, sagte Hessens Wirtschaftsminister.

Lesen Sie auch unsere Digital-Reportage zum Fall Yozgat

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.