Im Zinstief Geld verdient – Vier Prozent Dividende geplant

Kasseler Bank behauptet sich in schwierigen Zeiten

Die drei von der Kasseler Bank: Die Vorstände (von links) Martin Schmitt (Vorsitzender), Wolfgang Osse und Volker Stern. Foto: nh

Kassel. Die genossenschaftliche Kasseler Bank hat sich im Jahr 2015 im schwierigen Niedrigzins-Markt behauptet. Die Bilanzsumme stieg leicht auf 1,97 Milliarden Euro, unterm Strich blieben 2,35 Millionen Euro Gewinn.

Die fast 37.000 Mitglieder der Genossenschaft in Kurhessen und Waldeck sollen vier Prozent Dividende auf ihre Beteiligung bekommen, darüber wird die Vertreterversammlung am 1. Juni entscheiden. In der Region Kassel und in Waldeck hat die Bank 30 Filialen und insgesamt 476 Mitarbeiter.

Einlagen weiter gestiegen 

Trotz der Mini-Zinsen sind die Einlagen um 90 Millionen Euro weiter gestiegen - auf 1,65 Milliarden Euro. Aber auch das Wertpapiergeschäft hat um 45 Millionen Euro zugelegt. Die Anlagespezialisten der Bank versuchen mit „missionarischem Eifer“, so Beschreibt es Vorstandschef Martin Schmitt, den Kunden zu mehr Kapitalertrag zu verhelfen. Dazu hat das Geldinstitut sogar gemeinsam mit Union Investment einen eigenen Aktienfonds mit überschaubaren Risiken aufgelegt. „Warum überlassen die Deutschen den Erfolg unserer Unternehmen den amerikanischen Investoren?“, fragt Schmitt.

Sparer, die sich eine zusätzliche Altersversorgung aufbauen wollen, würden unter den niedrigen Zinsen leiden. In der Folge werde noch mehr Geld auf die hohe Kante gelegt statt für den Konsum ausgegeben. Wie das „geldpolitische Großexperiment“ der europäischen Zentralbank, die kürzlich den Zins auf Null gesenkt hatte, weitergehen werde, sei nicht abzusehen. Schmitt versichert Mitgliedern und Kunden: Im Privatkundengeschäft werde es keine Negativzinsen geben. Kein Sparer müsse für seine Einlagen zahlen, „das ist für uns unvorstellbar.“

Mehr Kredite 

Die Einlagen der Kunden reicht die Kasseler Bank als Kredite heraus. Die Neukreditzusagen beliefen sich 2015 auf mehr als 200 Millionen Euro - ein Rekordergebnis. Der Löwenanteil der Kredite geht in den Wohnungsbau oder -kauf, hier legten die Zusagen für Darlehen um 24 Prozent zu. Auch die gewerblichen Kunden investieren, aber „die Unternehmen sind deutlich vorsichtiger geworden“, sagt Schmitt.

Ihren Förderauftrag erfüllt die Genossenschaftsbank auch in schwierigen Zeiten. 380.000 Euro gingen 2015 an Vereine sowie gemeinnützige Institutionen und Organisationen in der Region Kassel und Waldeck.

„2015 war für uns ein zufriendenstellendes Jahr - noch“, sagte Schmitt am Donnerstag bei der Vorstellung der Bilanz. Schwer zu schaffen macht der Kasseler Bank nicht allein der Niedrigzins, sondern auch der „Regulierungswahn“. Gerade jene grundsoliden Regionalbanken, die in der Finanzkrise segensreich gewesen seien, gerieten jetzt durch immer neue Vorschriften und Auflagen zunehmend unter Druck. Den Anforderungen zu entsprechen, die für weltweit operierende Großbanken genauso gelten würden wie für kleine Regionalinstitute, verursache „enorme Anstrengungen und Kosten“. Schmitt: „Wir stemmen uns mit aller Kraft dagegen.“

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