Plötzlich ein Zwilling

Zwei Kasseler machen sich mit 3D-Fotografie selbstständig

Beim Scan: Mit Hilfe eines Strukturscaners wird Lars Federaus Körperprofil in den Tabletcomputer übertragen.

Kassel. Sie sehen aus wie Actionfiguren oder Spielzeugpuppen. Der Unterschied ist aber, dass es eine reale, lebende Vorlage gibt. Lars Federau (23) und Tim Metzner (25) stellen 3D-Figuren von ihren Kunden her. Das Konzept ist nicht ganz neu. Die beiden jungen Männer aus Lohfelden und Kassel wollen aber günstiger sein als die Konkurrenz.

Die Jungunternehmer haben sich bei der Elektrotechnik-Ausbildung an der Oskar-von-Miller-Schule in Kassel kennengelernt. Bei einem Besuch der Hannover Messe entdeckten sie einen Anbieter, der 3D-Figuren herstellt. Sie waren von der Technik begeistert – nicht aber vom Preis. 160 Euro verlangte der Anbieter für eine einfache Figur. „Da haben wir gedacht, das können wir günstiger“, erzählt Federau.

Inzwischen haben sie ihr Unternehmen „Günstiger 3D“ gegründet. Um bei der Herstellung Geld zu sparen, mussten sie zunächst die passende Technik finden. Andere Anbieter verwendeten bis zu 120 Kameras, die sie auf Stative stellten, um die nachzubildende Person von allen Seiten zu fotografieren. Aus der Vielzahl der Bilder entstehe so ein 3D-Modell. „Das erfordert aber einen enormen technischen Aufwand und ist entsprechend teuer“ sagt Metzner.

Deshalb verwendet das Duo einen so genannten Strukturscanner, der an einen Tabletcomputer angeschlossen wird. Dieser Scanner wirft Lichtpunkte in den Raum. Anhand der Reflexionen werden die Konturen der Person als Daten ins Gerät eingespeist und verarbeitet. Die porträtierte Person steigt während des Vorgangs auf einen Drehteller, der sich automatisch dreht, damit alle Seiten gescannt werden können. So entsteht ein 3 D-Modell. „Der Vorteil ist, dass unsere Technik sehr mobil ist“, sagt Federau.

Nach dem Scan werden die digitalen Daten noch nachbearbeitet und anschließend an eine Firma nach Ravensburg geschickt, die die Figuren aus einem Polymergips (farbiger Sandstein) druckt. Dabei fährt eine Druckernadel durch ein Pulverbett und durch eine Art farbiges Bindemittel verfestigt sich der Gips. So entsteht Schicht für Schicht eine Figur. Am Ende wird das Modell nachbehandelt, damit das Material hält.

Figuren werden bei „Günstiger 3D“ ab 59 Euro (7,5 Zentimeter hoch) angeboten, eine 15-Zentimeter-Figur kostet 99 Euro. Die Größen reichen bis 36 Zentimeter. Auch werden 3 D-Porträts produziert, dabei wird nur der Oberkörper gedruckt – dafür noch detailgenauer. Zwei bis vier Wochen müssen Kunden auf ihre Figur warten.

Die Scans können im Kasseler Fotostudio Keppler und im Fotostudio Marshall/Rain in Edermünde-Grifte stattfinden. Terminvergabe und Kontakt über: www.guenstiger3d.de

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