Schallschutz hält Sirenensignal mitunter ab

Zwei Sirenen versagten: Fragen und Antworten zum Probealarm

Kassel. Die Sirenen sind verklungen, aber der Probealarm von Samstag ist immer noch Gesprächsthema in Kassel. Es war der erste Test seit 15 Jahren. Viele Menschen haben den Warnton nur leise gehört, manche gar nicht. Wir beantworten Fragen zum Thema.

Haben alle Sirenen funktioniert?

Nein. Zwei Sirenen, die eigentlich in Betrieb sein sollten, blieben still: Zum einen die alte Sirene in Harleshausen an der Karlshafener Straße. Aber auch die fast nagelneue Hochleistungssirene an der Leipziger Straße in Bettenhausen versagte ihren Dienst. Deshalb blieb es im Bereich Forstfeld komplett still. Eine weitere Sirene, die am Herkules, ist bereits seit Längerem stillgelegt. Das heißt: 22 Sirenen funktionierten.

Wie war die Resonanz der Bevölkerung?

“Unerwartet groß“, sagt Hans-Hermann Finke, der bei der Kasseler Feuerwehr für Katastrophenschutz zuständig ist. Es habe sehr viele Rückmeldungen von Bürgern gegeben, vor allem über die Sozialen Netzwerke. Das sei hilfreich für die Auswertung des Tests. Während des Alarms hatten sich an 94 Stellen im Stadtgebiet Helfer von Feuerwehr, Rettungsdiensten und THW postiert. Sie notierten, ob und wie gut die Sirenen zu hören waren. Das Ergebnis sehen Sie in dieser Grafik (PDF-Format).

Viele Bürger haben den Alarm nur leise gehört. Wie laut muss das Warnsignal sein?

Ziel sei nicht, dass die Menschen zusammenzucken, sagt Finke. Aber das Warnsignal sollte natürlich hörbar sein. „Es soll als Ton auffallen, der nicht alltäglich ist.“ Klar sei, dass die Sirene kaum in Gebäude mit Dreifachverglasung durchdringen können. Das Signal werde ebenso wie anderer Lärm durch den Schallschutz abgehalten. Zudem sei es möglich, dass Umgebungsgeräusche wie Verkehrs- oder Baustellenlärm das Signal überdecken. Das lasse sich nicht verhindern. Der Ton dürfe schließlich auch nicht so laut sein, dass in unmittelbarer Nähe Hörschäden auftreten.

Welche Bilanz zieht die Feuerwehr?

Man sei mit den Ergebnissen insgesamt zufrieden, sagt Hans-Hermann Finke. Der Großteil der Sirenen, die übrigens regelmäßig gewartet werden, habe funktioniert. Und an mehr als 80 Prozent der Kontrollpunkte sei das Signal hörbar gewesen. Das sei eine gute Basis. Flächendeckendes Grün auf dem Stadtplan habe man nicht erwartet. „Wir machen das Ganze ja, weil wir etwas verbessern wollen.“

Welche Konsequenzen haben die Ergebnisse?

Die Reparatur der beiden defekten Sirenen wurde bereits in Auftrag gegeben, berichtet Joachim Gries von der Feuerwehr. Zudem werde man nach der detaillierten Auswertung der Ergebnisse prüfen, an welchen Stellen alte Sirenen gegen neue Modelle mit höherer Reichweite ausgetauscht werden sollten und wo zusätzliche Standorte nötig sind.

Was kostet eine Sirene eigentlich?

Eine elektronische Hochleistungssirene kostet etwa 35.000 Euro. Sie hat eine Reichweite von bis zu 1,5 Kilometern. Die Tellersirenen schaffen nur rund 500 Meter. Weil ihr Schall nach unten strahlt, ist er im Umfeld sehr laut.

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Service

Was tun bei Sirenenalarm? Im Ernstfall sollte man Schutz in einem Gebäude suchen, das Radio einschalten und/oder sich im Internet informieren. Die Stadt Kassel infomiert unter www.notfall.kassel.de

Wussten Sie schon, dass...

... Kassel im Vergleich mit anderen Großstädten besonders gut mit Sirenen bestückt ist?

Der Bund hatte vor dem Hintergrund des Kalten Kriegs bis Anfang der 1990er-Jahre ein bundesweites Sirenennetz für den Schutz der Bevölkerung im Verteidigungsfall aufrechterhalten. Als der Bund dann beschloss, seine Sirenen abzubauen, übernahm Kassel als eine der wenigen Großstädte einen Teil der vorhandenen Sirenen, um ein eigenes System zur akustischen Warnung der Bevölkerung aufrechtzuerhalten.

... drei verschiedene Sirenentypen im Einsatz sind? 

Insgesamt gibt es 25 Sirenen im Stadtgebiet. Darunter ist noch eine alte pneumatische Sirene in Harleshausen, die per Druckluft funktioniert. Des weiteren gibt es 13 mechanische Sirenen, auch Tellersirenen genannt, weil sie aussehen wie ein umgedrehter Suppenteller. Diese sollen nach und nach gegen die modernste Variante ersetzt werden: elektronische Hochleistungssirenen. Diese sind bereits an elf Standorten installiert.

... dass eine Sirene fast so laut ist wie ein Düsenjäger? 

Die Hochleistungssirenen haben in unmittelbarer Nähe eine Lautstärke von etwa 121 Dezibel (dbA). Zum Vergleich: Das Martinshorn auf dem Feuerwehrauto hat 114 dbA, ein tieffliegendes Düsenflugzeug 130 dbA.

Rubriklistenbild: © A. Fischer

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