Zwölf Stunden Einsatz: Stadtverordneten-Sitzung dauerte bis 2.30 Uhr

Späte Stunde: Die Rathausuhr zeigte 2.30 Uhr an, als die Sitzung zuende war. Foto: Leitschuh/nh

Kassel. Es war keine Sinnestäuschung, die Uhr im Stadtverordnetensaal zeigte am Ende der Sitzung tatsächlich 2.30 Uhr an.

Wer seinen Augen nicht traute, machte ein Foto. Wie Marcus Leitschuh von der CDU-Fraktion, der das Foto auf seiner Facebook-Seite postete und dazu schrieb: „Ehrenamt halt ... Und in drei Stunden aufstehen.“ Am gleichen Tag klingelte bei dem Lehrer, der in Immenhausen arbeitet, um 6.15 Uhr der Wecker.

An eine vergleichbare Mammutsitzung können sich auch altgediente Kommunalpolitiker nicht erinnern. „Das war heftig“, sagte Heinz Gunter Drubel (FDP). „Wir waren am Ende alle etwas übermüdet.“

Die 71 Stadtverordneten, Magistratsmitglieder und einige Rathausmitarbeiter hatten zur letzten Stavositzung am Montag eine Zwölf-Stunden-Schicht eingelegt. „Ich glaube die Rathausuhr war in dieser Nacht die am meisten fotografierte der ganzen Stadt“, sagte Leitschuh. Für ihn und die anderen hatte die Schicht um 14.30 Uhr mit der Fraktionssitzung und der Vorbesprechung im Ältestenrat begonnen. „Wir hatten uns für die letzte Sitzung der Legislaturperiode eine Riesentagesordnung vorgenommen.“ Auch die Fragestunde musste abgearbeitet werden, weil die Fragen nicht in die neue Stavo übertragen werden können.

Marcus Leitschuh

Um 16.20 Uhr startet die eigentliche Sitzung: unerwartet mit einer Kundgebung und Stürmung des Rathauses durch Protestler. Das Rathaus reagierte, die Sitzung wurde unterbrochen, es gab Gespräche, die Tagesordnung wurde erweitert. Da war die Verzögerung im Zeitplan bereits groß. Der erste reguläre Tagesordnungspunkt kam um 20 Uhr zur Sprache. Von da an: keine Pause, keine Erfrischung oder Stärkung. Leitschuh: „Dass es spät wurde, wussten wir, aber soo spät!“ Fast alle hätten bis zum Schluss „mit Ernsthaftigkeit und Leidenschaft“ Kommunalpolitik gemacht. „Das ist Demokratie“, schwärmte er: „Wir haben das nicht husch husch erledigt, weil wir nach Hause wollten.“ Als Aufwandsentschädigung für das Ehrenamt bekommt jeder Stadtverordnete monatlich 400 Euro (die zu versteuern sind).

Keiner beklage sich über Nächte wie die zurückliegende, sagte Leitschuh. Nur: „Manchmal wünsche ich mir ein bisschen mehr Respekt vor unserem Job“.

Ausschlafen werde er dann am Wochenende.

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