Anna R. im HNA-Interview über ihre neue Band Gleis 8

+

Als Rosenstolz füllte Anna R. mit Peter Plate riesige Hallen. Doch nun hat das Berliner Pop-Duo einen vorzeitigen Schlussstrich gezogen: Wenige Wochen nach Plates Solodebüt veröffentlicht Anna R. heute das erste Album ihrer neuen Band Gleis 8.

Das Quartett lebt in Berlin und Hamburg und hat sich nach dem Gleis benannt, auf dem der ICE vom Berliner Hauptbahnhof aus in die Hansestadt fährt. „Bleibt das immer so“ bietet typische Rosenstolz-Hymnen, ist aber viel facettenreicher. Wir sprachen mit Anna R. (43).

Wie ist es, nach 20 Jahren in einer Band statt in einem Duo Musik zu machen?

Anna R.: Es muss jetzt viel ausdiskutiert werden. Als es zum Beispiel um das Cover ging, war das anstrengend. Jeder von uns hat einen anderen Geschmack. Aber wir diskutieren dann so lange, bis alle zufrieden sind. Bei uns ist jeder gleichberechtigt.

Aber braucht nicht jede Band einen Boss?

Anna R.: Das habe ich auch gedacht. Jetzt habe ich gelernt, dass Demokratie innerhalb einer Band doch möglich ist. Es geht auch ohne einen Boss. Zudem sind wir alle uneitel und eine sehr alberne Band. Wenn vier Leute lachen, ist das noch lustiger, als wenn es nur zwei tun.

Die Lieder klingen verspielter und sind abwechslungsreicher instrumentiert. Wie sind die Songs entstanden?

Anna R.: Gemeinsam. Bei Rosenstolz kam das Meiste von Peter, weil er so einen wahnsinnigen Output hat. Mit Gleis 8 haben wir einfach drauflosgemacht. Einer hatte eine Initialzündung, dann hat ein anderer gefragt: „Wie wäre es hier mit einer Harfe?“ Auch die Texte sind gemeinsam entstanden. Das zentrale Thema ist wie bei Rosenstolz die Liebe, die Liebe zu Menschen. Es geht auch viel um Freundschaft.

Wer hatte die Idee zu dem Video „Wer ich bin“? Es sieht aus wie eine Hommage an Lars von Triers Kinofilm „Dogville“, wo in einer Halle mit aufgezeichneten Häusern Stars wie Nicole Kidman Theater spielten.

Anna R.: Das kam von mir. Es war Anfang März und arschkalt in Berlin. Wir hatten keine Lust, draußen zu drehen. Und irgendwo in den Süden zu fliegen, wäre zu aufwendig gewesen. Da kam mir die Idee mit der Halle. Wir haben den Clip in den Union-Filmstudios gedreht. Die waren geheizt.

Wenn man Sie „Wer ich bin“ singen hört, fragt man sich auch: Wer ist Anna R. jetzt eigentlich?

Anna R.: Das weiß ich auch nicht. Ich glaube, ich bin die gleiche wie vorher und ein ziemlich aufgewecktes älteres Mädchen, das Spaß am Leben hat. Man muss sich solche Fragen immer wieder stellen. Sonst entwickelt man sich nicht weiter. Das wissen wir schon aus der „Sesamstraße“, wo es heißt: „Wer nicht fragt, bleibt dumm.“

Der Titel „Bleibt das immer so“ lässt den Schluss zu, dass Gleis 8 dauerhaft angelegt ist und dass es Rosenstolz nie mehr geben wird.

Anna R.: Das eine schließt das andere nicht aus. Gleis 8 soll es auf jeden Fall länger geben. Und Rosenstolz existiert nach wie vor. Wir haben aber festgestellt, dass unsere Auszeit, die wir voneinander genommen hatten, nicht ausreichend war. Deshalb blicken wir jetzt über den Tellerrand hinaus, um wieder neugierig zu werden.

Wie neugierig waren Sie auf das Album Ihres Kollegen Peter Plate?

Anna R.: Ich habe es noch nicht gehört. Ehrlich gesagt habe ich es einfach noch nicht bekommen. Ich hätte es mir auch irgendwie besorgen können, aber zuletzt hatte ich einfach zu viel zu tun.

Gleis 8: Bleibt das immer so (Island/Universal) - heute oft zu hören auf Radio HNA.

Mitglieder: Schlagzeuger Manne Uhlig (41, von links), die Multiinstrumentalisten Lorenz Allacher (52) und Timo Dorsch (32) sowie Sängerin Anna R. (43, eigentlich Andrea Neuenhofen, geb. Rosenbaum) Anfänge: Allacher war Tour-Saxofonist bei Rosenstolz. Auch Timo Dorsch kannte Anna R. schon länger. Auf ihrem 42. Geburtstag beschlossen sie, eine Band zu gründen.

Privates: Anna R. lebt mit ihrem Mann in Berlin und kocht gern - manchmal auch für ihre Band.

Von Matthias Lohr

Kommentar verfassen