Der Aufstieg von Milky Chance: Hits aus dem Kinderzimmer

Er begeistert die Musik-Fans: Milky Chance bei einem Auftritt in Kassel. Foto: nh

Kassel. Das Kinderzimmer ist die Garage des Internet-Zeitalters. Früher begannen die Erfolgsgeschichten des Pop, wenn Bands zum ersten Mal in der Garage probten, heute werden die Stars von morgen im Kinderzimmer entdeckt.

Die Geschichte des Kasseler Musikers Milky Chance begann vor ziemlich genau einem Jahr in seinem ehemaligen Kinderzimmer im Stadtteil Kirchditmold. Damals lud er den ersten eigenen Song auf die Videoplattform Youtube hoch. Heute sind dort fast 400 000 Klicks verzeichnet. Der 20-Jährige könnte das nächste große Ding werden, wie es so schön heißt.

Hinter Milky Chance verbirgt sich Clemens, der seinen Nachnamen nicht verrät, um seine Familie zu schützen. Clemens hat im vorigen Jahr an der Kasseler Jacob-Grimm-Schule Abitur gemacht hat. Erst wollte er Musik studieren, aber schon auf dem Gymnasium sei er kein guter Schüler gewesen, sagt er. Nun macht er halt so Karriere. Ende Mai spielt Milky Chance auf dem Musikschutzgebiet-Festival bei Homberg im Schwalm-Eder-Kreis. Auf dem Hamburger Dockville-Festival tritt er im August mit Stars wie Woodkid und DJ Koze auf.

Sein elektronisch angehauchter Singer/Songwriter-Pop klingt, als käme Clemens aus London oder von der US-Westküste. In der Single „Stolen Dance“ legt sich seine markant-herbe Stimme über Samples und lässige Beats. Milky Chance vereint das sonnige Gemüt des Reggae mit der Coolness eines Club-Acts. Manchmal erinnern die Songs an den Eklektizismus des US-Folk-Musikers Zach Gondon alias Beirut. Man kann viele popkulturelle Verweise finden. Dabei sagt Clemens, dass „ich so wenig Musik wie möglich höre“ - so kann er besser seine eigenen Melodien finden. Am liebsten sitzt er zu Hause in seinem Zimmer oder im Keller an der Gitarre.

Angefangen hat er mit zwölf, er spielte in einem Jazz-Quartett und außerdem in einer Band mit Freunden Bass. Nun haben Kumpels eigens die Plattenfirma Lichtdicht gegründet, die Ende Mai sein Debütalbum „Sadnecessary“ veröffentlicht. Seine Eltern werden mit jedem weiteren Youtube-Klick überzeugter, dass ihr Sohn auf dem richtigen Weg ist. Auch der Kasseler Musiker Jürgen Müller (Herr Müller und seine Gitarre), bei dem Clemens den ersten Unterricht hatte, findet es „richtig geil“, was sein ehemaliger Schützling macht: „Er hat den Mut, das zu verfolgen, was ihm Spaß macht.“

Seine Musik bereitet auch anderen Spaß. Die Kommentarspalten bei Youtube sind voll von enthusiastischen Reaktionen. Ein Hörer schreibt: „Damit kann man die Liebe seines Lebens in null komma nix erobern.“ Für Milky Chance geht es gerade in null komma nix nach oben - und dort wird er hoffentlich noch lang bleiben.

Musikschutzgebiet

Mit Indie-Acts und den Stars von morgen hat sich das Musikschutzgebiet bei Homberg im Schwalm-Eder-Kreis seit 2004 einen Namen gemacht. Im vorigen Jahr gastierte auf dem Grünhof zum Beispiel der Rapper Cro, der anschließend durchstartete. Bei der neunten Auflage sind vom 31. Mai bis 2. Juni neben Milky Chance unter anderem der Linzer Rapper Chakuza, die Hamburger Pop-Band Wilhelm Tell Me sowie die schottischen Indie-Rocker We Were Promised Jetpacks dabei.

Tickets: HNA-Kartenservice, 0561/203-204. (mal)

www.musikschutzgebiet.de

Von Matthias Lohr

Stolen Dance Stunner Down By The River

Kommentar verfassen