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Aufwühlend: Yoel Gamzou und das Mahler Orchestra

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Von: Peter Fritschler

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Umringt vom Publikum: Das International Mahler Orchestra mit Dirigent Yoel Gamzou in der documenta-Halle. Foto: Schachtschneider
Umringt vom Publikum: Das International Mahler Orchestra mit Dirigent Yoel Gamzou in der documenta-Halle. Foto: Schachtschneider

Kassel. Am Anfang des Konzerts des International Mahler Orchestra (IMO) mit seinem Gründer und Dirigenten Yoel Gamzou in der documenta-Halle stand der größtmögliche Gegensatz.

Oben auf dem Treppenabsatz zur großen Halle spielten vier Orchestermitglieder Beethovens Streichquartett op. 95 - und sorgten mit orchestralem Sound für die maximale Ausdehnung von Kammermusik - übrigens ganz im Sinne Beethovens, der sich ja auch in seiner Kammermusik an die gesamte Menschheit wendet.

Es war auch sonst ein Klassik-Event der besonderen Art, das der Kasseler Kapellmeister Gamzou den 300 Zuhörern, dann von der Mitte der Halle aus, bescherte.

Am konventionellsten geriet noch Mendelssohns Streichersinfonie Nr. 8, bei der das 22-köpfige Ensemble - hier ohne Dirigent - auch spielerisch Schwächen zeigte, das von zwei Bratschen, Cello und Bass fein zelebrierte Adagio ausgenommen. Eine tolle Entdeckung waren jedoch die hierzulande kaum gespielten Orchesterlieder „Les Illuminations“ op. 18 von Benjamin Britten. Nina Bernsteiner, die frühere Staatstheater-Sopranistin, ließ die zehn kurzen Songs auf Prosa-Gedichte Arthur Rimbauds, die klanglich bei Berlioz anknüpfen, in der großen Halle herrlich aufblühen, vom IMO und Yoel Gamzou mit feinen Streicherfarben begleitet. Als Zugabe gab es den Gershwin-Song „Someone to watch over me“.

Karl Amadeus Hartmanns 1948 uraufgeführte Sinfonie Nr. 4 für Streicher bildete den düster-expressiven Abschluss - eine Kasseler Erstaufführung des dreisätzigen Werks in der ungewöhnlichen Reihenfolge langsam-schnell-langsam. Mit äußerster Expressivität spielte das IMO dieses aufwühlende Werk, in dem extreme Schroffheit und berührende Zartheit eng benachbart sind. Langer Beifall.

Von Werner Fritsch

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