Song für Anne Frank

Barbra Streisand verzaubert in Köln

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US-Sängerin Barbra Streisand steht am 12.06.2013 in Köln (Nordrhein-Westfalen) bei einem Konzert auf der Bühne

Köln - Barbra Streisand geht selten auf Tournee. In Deutschland war sie fast noch nie. Jetzt begeisterte der Weltstar Tausende in Köln. Vieles war ungewöhnlich in ihrer Show.

Weltstar Barbra Streisand geht sparsam um mit Tourneen. Die Mini-Deutschland-Tour der US-Sängerin mit Start in Köln hat Seltenheitswert. Entsprechend groß sind die Erwartungen vor dem Auftritt der Diva. Und dann hat Streisand die Fans schon nach wenigen Takten in der Tasche. Auch mit 71 Jahren ist sie noch stimmgewaltig.

In der Lanxess Arena bezaubert die Künstlerin am Mittwoch mit Erfolgssongs aus fünf Jahrzehnten: „On A Clear Day“, „Didn't We“, „The Way We Were“, „My Man“ oder „My Funny Valentine“. Ihr Publikum schmilzt dahin. Streisands Show ist in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich. Sie bringt ihre Familie mit auf die Bühne, sie nutzt einen riesigen Teleprompter - und einen Song widmet sie Anne Frank.

Jason Gould - ihr Sohn aus erster Ehe - wird mit einem Film angekündigt. Einem, den er selbst seiner Mum am 24. April 2012 zum 70. Geburtstag geschenkt hatte. Eine Liebeserklärung mit Fotos seit den Babytagen. Streisand singt mit ihrem 46-jährigen „Darling“ im Duett. Gould hat hörbar die Talent-Gene seiner berühmten Mutter. Die Fans jubeln.

Streisand hat Kaiserschmarrn und Apfelstrudel probiert

Auf den ein oder anderen wirkt die so zelebrierte innige Mutter-Sohn-Beziehung allerdings etwas dick aufgetragen. Auch Halbschschwester Roslyn Kind - ebenfalls Sängerin und Entertainerin - ist für ein Duett mit von der Partie.

Streisand plaudert charmant mit ihrem Publikum. Auch ein wenig auf Deutsch - mehr als das obligatorische „Hallo Köln“ oder „Danke schön“, das internationale Stars sonst einstudiert mitbringen. Den Kölner Dom hat sie sich angesehen, „schön“ findet sie den. Und sie mag Kaiserschmarrn und Apfelstrudel. Die Künstlerin hat auch österreichische Wurzeln.

Obwohl sie seit einem halben Jahrhundert im Showgeschäft ist, spricht sie immer mal wieder von Lampenfieber. Das erklärt auch den überdimensionierten Teleprompter unter der Hallendecke. Der gebe ihr Sicherheit, bekennt Streisand.

Und tatsächlich läuft nicht alles hundertprozentig. Bei „Woman In Love“ - einem Song, der ihr 30 Jahre lang nicht mehr über die Lippen kam - stolpert Streisand ein paar Mal, lächelt und singt aber darüber hinweg. Nobody's perfect - auch Megastar Barbra nicht. Das Publikum ist gerührt, singt unterstützend ein paar Passagen mit. Die Künstlerin dankt - diesmal auf Englisch: „Ihr seid so süß.“

Streisand ließ sich von 60-köpfigem Orchester begleiten

Beinahe persönlich geht es zu in der mit 13.000 Zuhörern fast ausverkauften Halle - trotz happiger Ticketpreise von bis zu 565 Euro. Streisand - erst in glitzerndem Schwarz, dann in roter Robe - wird begleitet von einem 60-köpfigen Orchester. Zum Staraufgebot gehört Trompeter Chris Botti.

An diesem Samstag singt Streisand in Berlin und beendet damit schon ihre kleine Deutschland-Tour. Hierzulande war sie zuvor erst ein einziges Mal aufgetreten: 2007, auch in Berlin. Für Streisand hat der Tag zu wenig Stunden, wie sie einmal gesagt hat. Die 71-Jährige ist auch Schauspielerin, Regisseurin, Produzentin - und mit Oscars, Grammys, Emmys und Golden Globes eine der erfolgreichsten Frauen im Musik-, Show- und Filmgeschäft.

Dem Konzert in der Domstadt hat Streisand auch mit einer ungewöhnlichen Geste ein besondere Note gegeben. Vor ihrem Kölner Auftritt stand die Amerikanerin auf der Bühne in Amsterdam. Dort besuchte sie auch das Anne-Frank-Haus - ein Hinterhaus, in dem sich das jüdische Mädchen aus Deutschland vor den Nazis versteckt gehalten hatte. „Happy Days Are Here Again“ singt sie für Anne Frank, die denunziert wurde und 1945 im KZ starb. „Heute ist ihr Geburtstag“, ruft Barbra: „Der Song ist für sie.“

dpa

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