Sundevit und Siebenstorch

Benno Pludra ist tot

Benno Pludra
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Benno Pludra.

Berlin - Junge Bücherfans in der DDR kannten seinen Namen. Der Schriftsteller Benno Pludra versorgte Generationen mit Kinder- und Jugend-Lektüre - vor und nach dem Mauerfall.

Ob „Die Jungen von Zelt 13“, „Die Reise nach Sundevit“ oder „Sundus und der hafergelbe Hund“: In den Regalen der Buchläden und Bibliotheken in der DDR hatten Bücher von Benno Pludra einen festen Platz. Und auch nach dem Fall der Mauer schrieb der Autor fleißig immer wieder neue Werke für junge Leser. Rund 40 Bücher von ihm erschienen binnen 50 Jahren. Nun ist Pludra, einer der bekanntesten Kinder- und Jugendbuchautoren der DDR, in Potsdam gestorben. Am 1. Oktober wäre er 89 Jahre alt geworden.

„Wir trauern um den feinsinnigen Poeten der Kinder, den Liebhaber des Meeres, der uns mit seinen Erzählungen von Wind und Wellen verzauberte“, heißt es auf der Facebook-Seite des Verlages Beltz (Weinheim).

In seiner Jugend war Pludra als Schiffsjunge zur See gefahren. Aber seine Karriere als Matrose bei der Handelsmarine endete jäh - 1945 mit dem Untergang des Dritten Reiches. 1948 bis 1950 studierte er in Berlin und Halle/Saale Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte.

Statt des Lebens eines Abenteurers begann der Sohn eines Metallformers - nach kurzem Intermezzo als sogenannter Neulehrer und Journalist - die Karriere eines Schriftstellers, der die Abenteuer in seinem Kopf ersinnt. Dem Meer blieb er weiter treu - in seinem Werk. Zwei Beispiele: „Lütt Matten und die weiße Muschel“, „Bootsmann auf der Scholle“ und „Die Reise nach Sundevit“.

Pludra war seit 1945 Mitglied der KPD und später der SED. „Die Parteiführung wollte immer, dass wir positive Bücher über angeblich typische Helden und Kollektive schreiben sollten“, mokierte sich der Autor lange nach dem Untergang der DDR. „Aber ich sagte, das geht doch gar nicht, das kann doch nur eine Farce werden. Mich haben die schwierigeren Figuren immer viel mehr interessiert.“

Ein Beispiel dafür ist sein Buch „Sheriff Teddy“ über einen Jungen, der vor dem Mauerbau aus dem Westteil Berlins in den Osten kommt. Die Verfilmung durch Heiner Carow 1957 geriet ins Kreuzfeuer der DDR-Kulturpolitik. Dennoch erhielt der bekannte Schriftsteller 1966 den Nationalpreis der DDR für Kunst und Literatur.

Es sei für ihn eine persönliche Niederlage gewesen, dass der Traum von der besseren Gesellschaft wie eine Seifenblase geplatzt sei, sagte Pludra Jahre nach dem Mauerfall. „Allerdings weiß ich, dass es von Anfang an falsch gelaufen ist; es gab zu wenig Demokratie und wurde zu viel auf Gewalt gesetzt.“

Schon zu DDR-Zeiten waren einige seiner Bücher auch im Westen Deutschlands veröffentlicht worden - dennoch ist sein Name dort deutlich weniger bekannt als im Osten. 1992 wurde Pludra mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet - für seine Erzählung „Siebenstorch“. 2004 folgte dann die Krönung für sein Gesamtwerk: der mit 10 000 Euro dotierte Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises.

„Seine Geschichten bestechen durch schlichte, aber eindrucksvolle Charaktere, eine poetische Erzählweise und sprachliche Meisterschaft“, schrieb das „Börsenblatt“ vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels nach Bekanntwerden seines Todes.

dpa

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