Premierenwoche in Bayreuth

Zwischen Publikumsliebe und Publikumshass

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Angela Merkel und Ehemann Joachim Sauer besuchten die Bayreuther Festspiele.

Bayreuth - Wer waren die Publikumslieblinge, was die größten Aufreger? Die wichtigsten Fragen rund um die Premierenwoche auf dem Grünen Hügel von Bayreuth.

Bei den Richard-Wagner-Festspielen auf dem Grünen Hügel von Bayreuth ist die Premierenwoche zu Ende gegangen. Die Nachrichtenagentur dpa beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die 103. Festspiele.

Im vergangenen Jahr feierten die Bayreuther Festspiele das große Wagner-Jahr mit einem neuen „Ring des Nibelungen“, diesmal gab es keine Neuproduktion. War das langweilig?

Keineswegs. Traditionell gibt es nach einem Jahr mit einem neuen „Ring“ allein schon aus Kostengründen keine Neuinterpretation - das war, wie vieles auf dem Grünen Hügel, schon immer so. Vier neue Opern wollen schließlich erst einmal gestemmt werden. Gesprächsstoff gab es aber auch so genug. Schließlich hatte „Ring“-Regisseur Frank Castorf kurz zuvor im „Spiegel“-Interview um sich geschlagen. Und auch während der Festspiele nahm er kein Blatt vor den Mund. Eine einstweilige Verfügung sei für ihn nicht endgültig vom Tisch, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Sollte die Festspielleitung im kommenden Jahr versuchen, Einfluss auf seine Arbeit zu nehmen, erwäge er rechtliche Schritte oder einen Ausstieg aus der Produktion. „Wenn sich das nochmal wiederholt, dann muss ich nicht hier sein. Es ist die Frage, was aus einer Inszenierung wird, die ohne Kapitän dahinschlingert.“ Sauer ist er vor allem, weil die Rolle des Alberich ohne Rücksprache mit ihm umbesetzt wurde. Der Sänger Martin Winkler wurde gegen Oleg Bryjak ausgetauscht.

War das der größte Aufreger in Bayreuth?

Der Streit um Castorf ist auf jeden Fall unter den Top drei der Festspiel-Aufreger. Aber auch „Siegfried“-Darsteller Lance Ryan machte von sich Reden. „Ich habe noch nie ein Publikum erlebt mit so viel Hass, so viel Wut und so viel Rache“, sagte er im dpa-Interview und in seinem Blog äußerte er sich ähnlich. Ob das ein Grund ist, warum er nach der „Götterdämmerung“ so ausgebuht wurde wie selten ein Heldentenor in Bayreuth, ist nicht bekannt. In den Schatten gestellt werden diese Personalien allerdings noch von der schnöden Technik. Ausgerechnet die Eröffnungspremiere musste für fast eine Stunde unterbrochen werden, weil sich der Venusberg-Käfig in der „Tannhäuser“-Aufführung nicht hochfahren ließ. Es dürfte sich um ein historisches Ereignis handeln. Weder altgediente Festivalbesucher noch Mitarbeiter konnten sich an ein derartiges Missgeschick erinnern.

Apropos „Tannhäuser“: Kam die Inszenierung von Sebastian Baumgarten in diesem Jahr besser an?

Nein. Im kommenden Jahr fliegt die Inszenierung, die in einer Biogasanlage spielt, ziemlich früh vom Bayreuther Spielplan - und niemand scheint um sie zu trauern. Sie wurde wieder gnadenlos ausgebuht.

Und was ist mit Castorfs „Ring des Nibelungen“? Kam der in diesem Jahr besser an?

Überraschenderweise ja. Auch wenn es nach den ersten drei Teilen nicht danach aussah - nach der „Götterdämmerung“ gab es neben lauten Protesten auch begeisterte Bravo-Rufe und Standing Ovations. Castorf hat Fans in Bayreuth.

Wer ist der Publikumsliebling?

Der „Lohengrin“-Tenor Klaus Florian Vogt und „Ring“-Dirigent Kirill Petrenko liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Sah es zuerst so aus, als könne niemand dem russischen Pult-Star in diesem Jahr das Wasser reichen, stand das Publikum nach dem „Lohengrin“ für Vogt Kopf. Nach dem letzten „Ring“-Teil, der „Götterdämmerung“, aber scheint Petrenko die Nase wieder ein Stückchen vorne zu haben. Er stellte sogar den Bayreuther Lieblingsdirigenten Christian Thielemann in der Publikumsgunst in den Schatten.

Was war am schönsten?

Ganz klar der Ratten-„Lohengrin“ von Regisseur Hans Neuenfels: Eine tolle, streng durchchoreographierte und gleichzeitig ab und an humorvolle Inszenierung, die zu Recht derzeit die Lieblings-Produktion der Bayreuther Zuschauer ist. Und Klaus Florian Vogt singt einfach grandios, auch wenn er sich dafür vielleicht ein bisschen zu lange feiern lässt.

Waren wirklich weniger Prominente da als sonst?

Die Zaungäste bei der Eröffnung waren sich einig: So wenig Promis waren selten auf dem Grünen Hügel. Kam im vergangenen Jahr noch Bundespräsident Joachim Gauck und fast das ganze Bundeskabinett zur Eröffnung, waren es in diesem Jahr fast nur Mitglieder des bayerischen - und Ex-Außenminister Hans Dietrich Genscher. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger war auch da, aber die hat keinen Posten mehr. Thomas Gottschalk ließ sich nicht blicken - ebenso wenig wie Hannelore Elsner und Iris Berben. Und das, obwohl die beiden Schauspielerinnen bis zum Schluss auf der Gästeliste standen. Ein Raunen ging durch die Zuschauerreihen am roten Teppich, als Roberto Blanco mit seiner Frau Luzandra aus einem Taxi stieg. Er blieb allerdings nur zum ersten Akt des „Tannhäuser“ und war danach nicht mehr gesehen.

Und was ist mit der Kanzlerin?

Sie ist seit mehr als 20 Jahren Stammgast und sie war auch in diesem Jahr da - allerdings erst später. Die Eröffnung ließ sie, aus terminlichen Gründen, wie Festspiel-Sprecher Peter Emmerich sagte, ausfallen. Zeitgleich sah man Fotos von ihr im Urlaub. Zum „Siegfried“ aber saß sie - ganz privat - gemeinsam mit ihrem Mann Joachim Sauer und eingerahmt von Leibwächtern in der Mitte im Parkett. Sie trug einen blauen Zweiteiler mit langem Rock und Blazer, der dem vom vergangenen Jahr verdächtig ähnelte. Zum „Lohengrin“ kam sie in einem Ensemble gleichen Stils - allerdings in Lila. Passend zum Abschluss des Castorf-„Rings“ mit der „Götterdämmerung“ kam sie ganz bunt. Auffällig: Als die CDU-Chefin das Festspielgelände kurz vor Beginn des „Siegfried“ betrat, wurde tatsächlich geklatscht.

dpa

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