"The Boss" Springsteen gibt legendäres Konzert

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Bruce Springsteen spielte drei Stunden und 20 Minuten lang und gab acht Zugaben

Frankfurt - "The Boss" Bruce Springsteen hat in Frankfurt drei Stunden und 20 Minuten lang die Commerzbank-Arena gerockt. Der charmante 62-Jährige machte dabei vor allem eine junge Frau besonders glücklich.

Nach drei Stunden und vier Minuten sinkt Bruce Springsteen völlig erschöpft rücklings auf die Bühne und winkt ab. Er bekommt einen Schwamm mit kaltem Wasser über dem Gesicht ausgewrungen. Dann geht es weiter.

Aber der Reihe nach: Es ist noch nicht ein Takt gespielt bei seiner ersten Station der Deutschland-Tour, da ertönen von den 41.000 Fans in der ausverkauften Frankfurter Commerzbank-Arena schon lang gezogene „Bruuuuce“-Rufe. Die Fans wissen, was sie an ihrem Idol haben. Wer zu Springsteen geht, erlebt kein Konzert von der Stange. Während der seit Mitte März laufenden Tour „Wrecking Ball“ hat der US-Amerikaner bereits rund 80 verschiedene Songs gespielt. Je nach Lust und Laune.

Auch Bläser, Geige, Ukulele und Pauke waren zu hören

Aktuell ist „the Boss“ wütend. Wütend auf Finanzjongleure, Hedgefonds und Machtmenschen, mit denen er auf seinem 17. Album, „Wrecking Ball“ (Abrissbirne), abrechnet. „Ich bin ein 62-jähriger Familienvater aus New Jersey, der es nicht fassen kann, wieviel in meinem Land falsch läuft“, hatte Springsteen unlängst in einem Interview gesagt. Passend zu seiner Gemütslage erscheinen Springsteen und seine 15-köpfige E-Street-Band in schwarz. Auch die Bühne präsentiert sich ganz schwarz und ohne jeglichen Schnickschack.

Im ersten Drittel des Konzerts unter wolkenlosem Himmel macht Springsteen seinem Ärger am meisten Luft und spielt viele Songs vom aktuellen Album. Das Stück „Death to my hometown“ ist dabei eine Art Antwort auf „My hometown“ von 1982, als Springsteen auf sein Heimatland noch besser zu sprechen war. „Viele Leute in den USA verlieren ihr zu Hause. Dies ist ein Lied für alle, die kämpfen“, kündigt Springsteen das Lied „Jack of All Trades“ an, in dem neben seinem Trauergesang auch Bläser, Geige, Ukulele und Pauke zu hören sind.

Charmanter „Boss“ beglückt junge Frau

Aber die Laune des Mannes aus Freehold, New Jersey, wird schnell besser. Wie immer seit 30 Jahren hat er ein paar Worte auf Deutsch einstudiert, die er sich vorher phonetisch aufschreiben lässt: „Meine Frau ist zu Hause und passt auf die Kinder auf“, kauderwelscht „the Boss“. Es klingt, als käme er zu Besuch auf eine Party. Dabei wirkt es zunehmend, als habe Springsteen unter allen Gästen am meisten Spaß. Nach einer Stunde dreht er sich wie ein Derwisch, als ginge es jetzt erst los. Immer wieder genießt er das Bad in der Menge und erduldet die vielen Berührungen mit einem seligen Lächeln. Zu „Waiting on a Sunny Day“ holt er zwei Kinder auf den Laufsteg vor der Bühne und lässt sie den Refrain singen. Bei „Working on the Highway“ vergibt er in der Menge einen Handkuss und macht damit eine junge Dame sehr, sehr glücklich.

Natürlich wollen die im Durchschnitt nicht mehr ganz jugendlichen Fans vor allem die alten Sachen hören. Bei „Promised Land“ ertönen wieder die Bruce-Rufe vor Begeisterung, bei der Landei-Ballade „The River“ ist die Masse verzückt.

Zugabewünsche werden schriftlich eingereicht

Wie der 62-Jährige nach drei Stunden Live-Musik noch immer singt, schreit, hopst, rennt, muss manchen Gleichaltrigen sehr nachdenklich machen. Doch noch immer rollt Zugabe auf Zugabe. „Born in the USA“, „Glory Days“, „Dancing in the Dark“, was immer die Fans nun schriftlich einfordern, Spingsteen nimmt das Pappschild oder das Banner an sich, stellt es auf die Bühne und spielt den gewünschten Hit. Mit „Cadillac Ranch“, „Summertime Blues“ und „Sherry Darling“ bekommt das Frankfurter Publikum dabei drei Songs geboten, die Spingsteen erstmals überhaupt auf dieser Tour spielt.

Nach drei Stunden, 20 Minuten, 29 Liedern und der achten Zugabe ist endlich Schluss. „Danke Deutschland“, schreit Springsteen und sieht jetzt tatsächlich ein bisschen fertig aus. Kaum zu glauben, dass der Mann schon am Sonntag wieder in Köln auftreten sollte.

dapd

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