Der Tod im Comedy-Interview: "Jetzt ist endlich Sense"

Bislang traten vor allem Rapper wie Sido und Cro mit Maske auf. Nun gibt es auch einen Comedian, der sein Gesicht versteckt. Der Tod nennt sich ein Berliner Komiker, der mit Death Comedy erfolgreich ist, in vollen Hallen spielt und bei Stefan Raab auftritt. Sein Gesicht bleibt unter einer Kutte unerkannt. Auch zu der Person dahinter verrät er nichts. Wir sprachen mit ihm am Telefon vor seinem Auftritt am 21. Februar im Vellmarer Piazza. Er wollte geduzt werden, was wir gemacht haben. Dem Tod widerspricht man nicht.

2011 hat man den Tod erstmals in der Öffentlichkeit gesehen, als du die Fritz-Nacht der Talente im RBB gewonnen hast. Wieso hat er diese als Comedy-Programm getarnte Imagekampagne überhaupt nötig?

Der Tod: Jeder weiß, dass der Tod einen ziemlich schlechten Ruf hat. Keiner freut sich, wenn er kommt. Alle schieben ihn hinaus. Manchmal wird er ignoriert. Das kennt man aus dem Bekanntenkreis. Da habe ich gesagt: „Jetzt ist endlich mal Sense, ich komm vorbei und erzähle, wie es wirklich ist.“

Du spielst auch in Altenheimen und bei Bestattungsunternehmen. Wo tritt der Tod am liebsten auf?

Der Tod: Das kommt auf die Situation an. Das Thema lässt keinen aus. Deshalb kommen auch alle - ob Jung oder Alt. Neulich habe ich in Görlitz vor 150 Nonnen gespielt. Das war komisch, weil alle aussahen wie ich. Ich dachte schon, die Verkleidung sei ein Fan-Outfit. Die haben total abgefeiert.

Das ist jetzt ein Witz mit den Nonnen, oder?

Der Tod: Nein, wirklich nicht. Ich habe auch bei einem Hospiztag vor ein paar Hundert Menschen gespielt, die wussten, dass sie bald sterben werden. Ich habe mich gefragt, ob das nicht ein bisschen hart ist, wenn ich was Fröhliches übers Sterben erzähle. Aber die haben sich total gefreut, dass sie mal aus dieser depressiven Stimmung rauskommen. Die wollen ihre letzten Tage doch auch ein bisschen lachend verbringen. Dass der Tod dabei hilft, ist paradox. Aber er tut es gern.

Das Publikum begrüßt du mit Sätzen wie: „Der Volksmund sagt: Die Besten sterben immer zu früh. Fühlt man sich da nicht vernachlässigt?“ Wie reagieren die Zuhörer auf den sehr schwarzen Humor?

Der Tod: Gut. Einige sind verblüfft, wie zentral der Tod in unserer Sprache verankert ist. Der Satz, dass die Besten zu früh sterben, würde ja im Umkehrschluss bedeuten, dass nur die Idioten zurückbleiben. Das will man eigentlich auch nicht.

Was soll eigentlich diese Handhaltung auf der Bühne? Sind die Finger, die du ständig vor dem Bauch ineinanderschiebst, so etwas wie eine abgewandelte Merkel-Raute?

Der Tod: Als ich mit meinem Imageberater über das Marketing nachgedacht habe, wurde uns klar, dass man auch Symbole braucht. Dann haben wir festgestellt, dass diese Handhaltung nicht nur bei Angela Merkel, sondern allgemein eine Bösewichtskörperhaltung ist. Der fiese Kernkraftwerksbesitzer Mister Burns bei den Simpsons oder der Pate verwenden sie auch.

Heißt das, Angela Merkel ist so böse wie Mister Burns und der Mafia-Pate?

Der Tod: Nein, aber es ist schon auffallend, dass sie diese Geste ebenfalls kultiviert hat. In anderen Ländern ist sie übrigens tatsächlich als Symbol des Bösen angesehen.

Gibt es Leute, die versuchen, dein Gesicht unter der Kutte zu erkennen?

Der Tod: Klar, natürlich möchte man gern mal dem Tod ins Auge blicken. Aber ich finde es gerade schön, dass es ein bisschen mysteriös bleibt. Mein alter Gevatter hat immer gesagt: „Wer Name und Gesicht verbirgt, auch Eitelkeit zu Grabe trägt.“ Gerade in Zeiten von Facebook und Dschungelcamp, wo die Leute ungefragt ihre Persönlichkeit nach außen tragen, ist es doch schön, dass spätestens mit dem Tod damit Schluss ist und sogar ins Gegenteil verkehrt wird.

Gibt es eigentlich ein Leben nach dem Tod?

Der Tod: In meinem Bühnenprogramm tritt ja vor mir das blühende Leben auf. Das versucht mich schon die ganze Zeit zu überreden, dass es auch mal nach mir auftritt, um vom Leben nach dem Tod zu berichten. Ich finde aber, dass das Leben vor den Tod gehört. Danach kommt eben was anderes.

Der Tod live: Freitag, 21. Februar, 20 Uhr, Vellmarer Piazza, Rathausplatz 1. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Das Buch „Mein Leben als Tod. Death Comedy“ (272 Seiten, 9,99 Euro) erscheint am 24. April als Fischer-Taschenbuch.

Zur Person

Über den Komiker, der sich hinter dem Tod verbirgt und den Zuschauern manchmal Radieschen von unten zeigt, ist fast nichts bekannt. Nur so viel weiß man: 2011 gewann der Wahl-Berliner im RBB die Fritz-Nacht der Talente. Für sein erstes abendfüllendes Programm wurde er 2013 mit dem Jurypreis beim Großen Kleinkunstfestival der Wühlmäuse ausgezeichnet. Die Hauptstadt ist für ihn der ideale Wohnort, wie er sagt: „Unter all den Verrückten in Berlin fällt der Tod nicht auf.“

Von Matthias Lohr

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